Alte Kassettentüren neu lackiert: Alter Stil – neuer Akzent

Zu schade zum Wegwerfen – Alte Kassettentüren neu lackiert – Gründlich vorarbeiten und ausreichend Trockenzeiten einplanen –Von ddp-Korrespondent Thomas Voigt–

München (ddp). In einigen Altbauten sind die kleinen Schätze noch zu finden: stilvolle Kassettentüren, die im Gegensatz zu modernen, schlichten Zimmertüren ein besonderer Blickfang sind. Meist lohnt es sich, so eine Kassettentür wieder instand zu setzen, wenn der Lack abblättert oder die Oberfläche vergilbt ist. «Bevor Sie eine Tür erneuern, sollten Sie zunächst ihren Zustand überprüfen», rät Susanne Ratza, Fachautorin für Heimwerkerbücher in München. Wenn der alte Lack schon abblättert, sind die Schleif- und Spachtelarbeiten aufwendiger als bei einer Tür, deren Oberfläche nur etwas vergilbt oder verschmutzt ist.

In jedem Fall, auch bei einer noch ungestrichenen Tür, muss geschliffen werden. Das gilt ebenso für das Türblatt wie für den Türrahmen. Wer die Beschläge des Türblatts abmontiert, erspart sich das Abkleben dieser Teile. «Zunächst schleifen Sie mit einer Handschleifmaschine die gesamten Flächen von Blatt und Rahmen an», erläutert Susanne Ratza: «Spannen Sie dazu ein 80er-Schleifpapier auf die Maschine.» Wer eine größere Staubentwicklung verhindern will, benutzt einen Staubsack zum Absaugen.

Nun müssen die Eckfalze und Profile der Kassetten gründlich geschliffen werden. «Nehmen Sie ein Stück Holz in der Breite eines Falzes, wickeln Sie das Schleifpapier herum und fahren mit Druck über die Flächen, an die Sie mit der Maschine nicht herankommen», rät die Heimwerkerin. Schmale Teile bearbeitet man grundsätzlich von Hand, da mit der Maschine die Gefahr besteht, dass die Kanten durchgeschliffen werden. Anschließend werden die Flächen mit einem Staubbesen gründlich gesäubert.

Als nächstes muss die Tür gespachtelt werden. Löcher, ausgebrochene Lackteile und Unregelmäßigkeiten der Oberfläche werden mit Spachtelmasse geglättet. Mit Japanspachteln unterschiedlicher Breite gleicht man die Flächen und die Falze der Kassetten aus. Danach muss die Tür mindestens acht Stunden trocknen, bevor sie erneut geschliffen werden kann. «Wer nur eine Stunde warten will, sollte sich eine Tube Schnellspachtel zulegen», sagt Susanne Ratza. Der lässt sich allerdings nicht so gut ziehen und ist daher für kleinere Vertiefungen besser geeignet als für dünne, große Schichten.

Beim Auftragen des Vorlacks sollten nur gut gereinigte Pinsel verwendet werden, die ausschließlich für das Lackieren bestimmt sind. Denn feine Härchen oder Körner sind nur sehr schwer wieder aus der Lackfläche zu entfernen. «Achten Sie beim Eintauchen des Pinsels in den Lackeimer darauf, dass die Schnurbindung des Pinsels nicht mit dem Lack in Berührung kommt», rät die Heimwerker-Expertin. «Nun lackieren Sie die Füllungen und die Rahmenteile. Bei den Füllungen streichen Sie zunächst die Falze und die Kanten.» Die Kanten sollten satt mit Lack bestrichen sein, da sie später stark beansprucht werden.

«Streichen Sie von oben nach unten und nehmen sie sich immer eine Teilfläche vor», rät Ratza. «Wenn Sie die Falze der ersten Kassette gestrichen haben, lackieren Sie anschließend gleich ihre Innenflächen.» Zunächst wird der Vorlack in senkrechten Streifen aufgetragen. «Bearbeiten Sie beim Lackieren immer ganze Flächen und gehen Sie zügig voran, da die Farbe – besonders der Vorlack – schnell anzieht», rät Susanne Ratza.

Als nächster Arbeitsschritt folgt das waagerechte Verarbeiten des Vorlacks. Ist er gut und tief in die Poren gedrungen, kann man beim nächsten Teilstück weiterstreichen. «Lassen Sie die eben lackierte Fläche unbedingt ruhen, fahren Sie auf keinen Fall noch einmal mit dem Pinsel über den Lack», warnt die Fachfrau. Denn diese Pinselspur bleibt später als unschöne Struktur sichtbar. Wenn tatsächlich etwas ausgebessert werden muss, geht das nur noch nach dem Trocknen durch Schleifen der betroffenen Stellen.

Erst nachdem die Türfläche mindestens zehn Stunden getrocknet ist, kann ein Zwischenschliff mit einem 120er- oder 150er-Schleifpapier vorgenommen werden. Vorsicht ist wieder bei den Kanten geboten; sie dürfen nicht durchgeschliffen werden, da sie sonst später als dunkle Stellen durchschimmern. Einen besonders feinen Schliff erzeugt man durch den Einsatz von Nassschleifpapier.

Die anschließende Decklackierung mit dem Hauptlack wird in der gleichen Weise ausgeführt wie die Vorlackierung. Letzter Tipp von Susanne Ratza: «Altbautüren eignen sich bestens zum farbigen Gestalten. Vor allem klare Unifarben setzen fröhliche Akzente in Räumen mit weißen Wänden.»

ddp/tvo/esc