Alte Obstart betört mit 150 Aromen – Auch für kleinere Gärten geeignet

Weihenstephan (ddp). Die Früchte verströmen einen betörenden Duft, sogar in Spitzenweinen ist ihr Bukett zu finden: Quitten enthalten 150 flüchtige Aromastoffe. Trotzdem ist diese Obstart heute nahezu vergessen. Dabei haben unsere Großmütter die Quitte noch sehr geschätzt und daraus im Winter Quittenmus und Quittenbrot hergestellt, eine süß-herbe Köstlichkeit, die zusammen mit Keksen auf dem Weihnachtsteller lag.

Quitten sehen aus wie eine Mischung aus Apfel und Birne, haben aber eine wollige Haut, was sie deutlich von ihren Verwandten unterscheidet. «Die Quitte wird zu den ältesten Obstarten gezählt. Bereits vor 4000 Jahren sollen die Babylonier sie kultiviert haben», sagt Agraringenieur Klaus Schilling vom Institut für Gartenbau an der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf. Ursprünglich kommt die Quitte, botanisch Cydonia oblonga, aus Südwestasien. Seit langem ist sie jedoch in zahlreichen Ländern verwildert und wächst vor allem an sonnigen Hängen, Waldrändern und heckenartigen Gebüschen. «Die Quitte ist in unserem Klima winterhart und mag sonnige Standorte mit humusreichen, nicht zu trockenen Böden», sagt Schilling. Bei zu kalkhaltigen und schweren Böden können aber Blattaufhellungen und Wuchsstörungen auftreten.

Unbekannt ist, wie viele Sorten weltweit existieren; vermutlich sind es weit mehr als 200. Die Quitte gehört wie Apfel und Birne zu den Rosengewächsen (Rosaceae), unterscheidet sich aber von ihnen deutlich. Große, dekorative Blüten zieren die Quitte von Ende April bis Ende Mai und machen sie zu einem Blickpunkt im Garten. Die einzeln stehenden Blüten verfärben sich von zartrosa nach weiß. Wegen der späten Blütezeit sind die Blüten selten frostgefährdet.

Weltweit teilt man die Quitte nicht nur in Apfel- und Birnenquitten ein, wie dies häufig bei uns aufgrund der Form ihrer Früchte geschieht. Nach Auskunft der Bayerischen Gartenakademie gibt es auch zahlreiche Zwischenformen. Sogar an einem einzigen Baum können verschieden geformte Früchte wachsen. «Quitten sind weitgehend selbstfruchtbar. Zur Sicherung des Ertrags ist jedoch eine Mischpflanzung von mindestens zwei Sorten zu empfehlen», rät Agraringenieur Klaus Schilling. Gepflanzt und erzogen wird die Quitte wie anderes Kernobst.

Erntezeit ist ab Ende September bis Oktober. Dabei kommt es vor allem auf den richtigen Zeitpunkt an: «Sollen die Früchte für die Herstellung von Gelee oder Kompott genutzt werden, darf man sie nicht zu spät pflücken, da sonst das Pektin zu stark abgebaut wird und somit die Gelierwirkung nicht mehr ausreicht», erklärt Schilling. Ideal sei es, wenn die Früchte vom hellgrünen Farbton ins Gelbliche umschlagen. Knapp reif geerntete Früchte lassen sich zwei Monate lang lagern. Für die Saftbereitung können sie etwas länger am Baum bleiben, damit sich das Aroma optimal entwickelt. Der wollige Belag auf der empfindlichen Schale schwindet meist, wenn Quitten vollreif sind, bei manchen Sorten bleibt er aber auch erhalten. Die Früchte leuchten golden – quittengelb -, glänzen oder schimmern matt.

Da die Quitte meist strauchartig wächst und nur eine Höhe von drei bis vier Metern erreicht, ist sie auch für kleinere Gärten geeignet. Neben schmackhaften Früchten haben Quitten wegen der hübschen Blüten und durch die Frucht- und Herbstfärbung auch einen hohen Zierwert. Als Standort sollte ein geschützter Platz ausgewählt werden, da das Holz frostempfindlich ist. Um Frostschäden zur Zeit des Einwurzelns und Anwachsens zu vermeiden, liegt der beste Pflanztermin im Frühjahr.

Quitten lassen sich sowohl süß als auch pikant verwerten. «Die Früchte der Quitte werden selten roh verzehrt. Die gekochte Frucht kann zu sehr verschiedenen Produkten verarbeitet werden», sagt Schilling. Doch Quitten mit sehr feinem Fruchtfleisch schmecken auch roh: In dünnen Schnitzen oder Spalten ist hier unter anderem die Sorte Cydora sehr schmackhaft. Aus großfrüchtigen Sorten werden Gelee, Marmelade und Kompott hergestellt. Kleinere Quitten finden eher als kandierte Früchte Verwendung. Auch Saft, Likör und Most lassen sich aus dem vielseitigen Obst herstellen.

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