Bambus: Ein Hauch von Asien auf dem Dach

— von Ines Plume —  Imposant soll er sein, der Bambus. Und dann am besten noch als Dachbegrünung dienen. Eine Gartenidee, die nicht ganz einfach umzusetzen ist. „Der Knackpunkt sind die spitzen und harten Rhizome, die alle Bambusarten ausbilden“, warnt Gartenbau-Ingenieur Martin Jauch von der Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan. Diese unterirdischen Sprossausläufer könnten die Dacheindeckung massiv schädigen.

Mittelgroße Fargesien eignen sich auch für Dachflächen

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Bambus macht auch im Garten eine gute Figur – der Bambus wächst teilweise imposant in die Höhe, je nach Bambusart.

Wer dennoch nicht auf das asiatische Grün auf Dachterasse, Garage oder Carport verzichten möchte, sollte sich an weniger stark wachsende Gattungen halten, etwa Fargesien als klassischen Gartenbambus. Die üppige, winterharte Bambusart wird laut Experte zwar nicht sehr groß, kann aber ohne Probleme in die Mitte eines Daches gepflanzt werden – am besten mit einem Abstand von etwa einem Meter zu den Randflächen, um Kontakt mit den Dachbahnen zu vermeiden. Damit die Rhizome nicht in die Tiefe abtauchen und dort auf das Dach einwirken, empfiehlt der Experte zudem eine Substratdicke von etwa 50 bis 60 Zentimetern.

„Fargesien bilden Horste und sind deshalb überschaubar“, erklärt Jauch. Die Ausbreitung der gelblich dicken Rhizome könne gut überwacht werden, da der klassische Gartenbambus nur langsam wächst – etwa zehn Zentimeter pro Jahr, kompakt um den Ballen herum. Jauch rät, neue Halme, die sich nach oben hin aus den unterirdischen Wurzeltrieben der Rhizome entwickeln, zu entfernen und den Bambus so unter Kontrolle zu halten. Wenn die Pflanze an ihrem Platz bleibe, sei sie für das Dach ungefährlich, sagt Jauch.

Rhizome sind kaum unter Kontrolle zu halten

„Wenn aber die Ästhetik über die Funktion geht, ist das schwierig“, gibt der Experte für Dachbegrünung zu bedenken. Denn hoch wachsender Bambus wie der Phyllostachys breite sich auch unterirdisch sehr stark aus und könne mit seinen langen und schnell wachsenden Rhizomen die Dachabdichtung beschädigen.

„Die Rhizome schieben zum Teil erst nach einigen Metern an völlig unerwarteter Stelle Halme aus der Erde“, warnt auch Wolfgang Eberts vom BambusCentrum in Baden-Baden: Ohne eine sogenannte Rhizomsperre seien die großen Bambusse mit ihren Ausläufern kaum zu bremsen. Deshalb rät der Gärtnermeister, die Pflanzstelle mit einer solchen Kunststoff-Folie einzufassen. Dabei müssten über der Erde einige Zentimeter Folie sichtbar bleiben. Nur so könnten auch Rhizome, die an den Widerstand stoßen und versuchen, nach oben auszuweichen, erkannt und entfernt werden. Eine Gewähr dafür, dass sie nicht doch nach unten wachsen und dort die Dachhaut angreifen, gebe es aber nicht.

„Rhizomsperren scheinen zwar ein paar Jahre lang zu funktionieren, aber kein Hersteller gibt eine Garantie“, betont Jauch, der solche Abdichtungen in Versuchen prüft. Die Probleme tauchten nach etwa zwei bis fünf Jahren auf, wenn der Bambus beginne, sich massiv auszubreiten. Dann halte die Sperre den kräftigen Rhizomen zum Teil nicht mehr stand.

Bambusausläufer mit Stahlgittern oder Pflanztrögen bremsen

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Bambus in der Gartengestaltung

„Körbe aus engmaschigem Stahlgitter, die man in das Substrat einsetzt – diese Idee müsste dagegen durchaus funktionieren“, erklärt der Gartenbauingenieur. Bei dieser möglichen Alternative werde jedoch noch erprobt, wie klein die Öffnungen tatsächlich sein müssen, um auch die aggressiven Rhizome der optisch attraktiveren stark wachsenden Bambusarten zu bremsen.

Bauliche Maßnahmen wie Einfassungen aus Beton sind dagegen aus Sicht des Experten grundsätzlich schwierig umzusetzen: Denn da Bambus nicht gerne nass steht, brauche man nach unten hin immer eine Öffnung, damit das Wasser abläuft. Dort kämen dann aber auch die aggressiven Rhizome durch.

Bambus-Experte Eberts empfiehlt deshalb, die großen Bambusarten nicht direkt in das Substrat auf dem Dach, sondern in große feste Pflanztröge mit einer entsprechenden Drainage und seitlichem Überlauf zu setzen. Um einen Kontakt möglicherweise doch durchbrechender Rhizome zu vermeiden, sollten die Kübel zudem auf Platten gestellt werden – für Hobbygärtner wahrscheinlich zu aufwendig, meint Eberts.

Auch harmlose Arten lassen sich schön kombinieren

Wer imposante Bambusarten liebt, sollte sich deshalb der Risiken einer solchen Dachbegrünung bewusst sein – oder auf Nummer sicher gehen mit den harmloseren Fargesien. „Auch Sie können durchaus schön kombiniert werden“, betont Eberts: Mit niedrigen, immergrünen Stauden wie dem ursprünglich aus Japan stammenden Schlangenbart (botanisch: Ophiopogon) zum Beispiel. Auch die von Mai bis zum ersten Frost weiß blühende Wolfsmilch (botanisch: Euphorbia „Diamond Frost“) passe sehr gut zu Bambus und sei zudem sehr pflegeleicht.

Grundsätzlich sollte man bei einer Dachbegrünung im asiatischen Stil nicht zu viele Arten durcheinander pflanzen, sondern die Flächen eher einheitlich gestalten, rät Bambus-Experte Eberts.

dapd/T2012041050162/plu/K2200/syb