Blüten im Sommer, Hagebutten im Herbst

Blüten im Sommer, Hagebutten im Herbst – Wildrosen sehen schön aus und sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten

Alzey (ddp). Im Oktober verblüht der Herbstgarten allmählich, doch manche Pflanze zieht gerade jetzt die Blicke auf sich. Dazu gehören die Wildrosen mit ihren zahlreichen Hagebutten, die sehr variantenreich in Form und Farbe sind: Manche Früchte wachsen kugelrund, andere länglich oder flaschenförmig in Farbtönen von orange über dunkelrot bis schwarz. «Eine Rosenhecke aus Weinrose, Bibernellrose oder Apfelrose bringt im Sommer eine üppige Rosenblüte und im Herbst viele Hagebutten», sagt Monika Strickler, Inhaberin der Kräuter- und Wildpflanzengärtnerei Strickler im rheinland-pfälzischen Alzey.

Die Apfel- oder Kartoffelrose (Rosa rugosa) zum Beispiel ist eine gesunde und widerstandsfähige Wildrose. Die rosa gefärbten Blüten erscheinen ab Juni und verbreiten einen kräftigen Wildrosenduft. Ab Juli entwickeln sich neben den Blüten unzählige, große, leuchtend rote Hagebutten. Rosa rugosa verträgt sogar starken Wind und salzige Luft und ist in Norddeutschland auch als Sylter Rose bekannt. Gepflanzt wird sie gerne als blickdichte Wildrosenhecke an Böschungen und zur Grundstücksabgrenzung.

Bekannt ist auch die Hundsrose (Rosa canina), die bis zu drei Meter hoch wird. Ab Juni erscheinen die blassrosa oder weißen Blüten mit ihrem zarten Duft. Die Hagebutten reifen von Juli bis Oktober. Die Dünen- oder Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) blüht weiß bis gelb als eine der ersten Rosen schon im Frühjahr. Jetzt im Herbst trägt sie fast schwarze Früchte. Diese ausläuferbildende Rose eignet sich sehr gut zur Hangbefestigung.

Wildrosen im Garten haben dabei auch einen großen ökologischen Nutzen: Weil sie einfache Blüten mit fünf Blüten- und fünf Kelchblättern tragen, sind ihre gelben Staubgefäßen für Insekten eine gut erreichbare Nahrungsquelle. «Studien belegen, dass bis zu 103 verschiedene Insektenarten heimische Wildrosen besuchen», erklärt Gartenbau-Ingenieurin Ute Bauer in ihrem Ratgeber «300 Fragen zu Rosen» (Verlag Gräfe und Unzer). Im Winter dienen die vitaminreichen Hagebutten vielen Säugetierarten und Vögeln als Nahrung. «Nicht zuletzt bieten Rosenhecken und Bodendeckerrosen durch ihr dichtes Gesträuch Vögeln Nistplätze und Kleintieren wie Igeln Schutz und Unterschlupf», ergänzt Ute Bauer.

Fast alle Rosen bevorzugen normale bis magere, auch lehmige Gartenböden in vollsonniger Lage. Doch auch für halbschattige Lagen gibt es geeignete Arten und Sorten. Wichtig ist ausreichend Raum: «Eine frei wachsende Wildrosenhecke braucht Platz, zwei bis drei Meter Breite sollte man den Pflanzen schon gönnen», rät Monika Strickler. Da die meisten Arten sehr viele Stacheln haben und auch leicht überhängend wachsen, sollte man den Standort gut planen.

Unter den Wildrosen gibt es aber auch eine Vielzahl von niedrig wachsenden Arten und Sorten, die sich für kleine Hausgärten eignen, zum Beispiel bodendeckende Wildarten. Manche Wildrosen gedeihen sogar im Kübel auf dem Balkon. Die Frage, für welche Wildrose man sich entscheiden soll, ist deshalb gar nicht so einfach zu beantworten. «Sind der Standort für die Rose und die passende Wuchsform gewählt, sollten Rosenliebhaber sich nach ihrer Farbvorliebe und der gewünschten Blühzeit richten», sagt Monika Strickler. Auch die Farbe der Hagebutten könne ein Auswahlkriterium sein, ebenso wie der Duft. Wildrosen riechen zwar alle ähnlich, aber unterschiedlich intensiv.

Wurden sie einmal im Garten angepflanzt, sind Wildrosen sehr pflegeleicht. In der Regel besteht die ersten zehn Jahre überhaupt kein Pflegeaufwand. Dann kann es nötig sein, einzelne Sträucher radikal herunterzuschneiden, «auf den Stock zu setzen», wie die Gärtner sagen. Danach treibt das Gehölz wieder neu aus und bekommt seine natürliche Wuchsform wieder. «Einen Massenbefall mit Insekten muss man bei Wildrosen nicht befürchten, denn die passenden Nützlinge stehen meist bereits in den Startlöchern», sagt Monika Strickler. Wildrosen darf man allerdings niemals düngen, sonst blühen sie nicht.

Außer den Wildrosen gibt es auch alte einmalblühende Rosensorten, die am Ende des Sommers ebenfalls eine ungeahnte Hagebuttenpracht zeigen. Nach Auskunft der Bayerischen Gartenakademie finden diese Hagebuttenrosen aber selbst in den Rosenkatalogen wenig Beachtung. Als eine ihrer schönsten Vertreterinnen gilt die Rose «Bourgogne». Die einfache rosa Blüte ist unspektakulär, doch im Herbst leuchten die roten, flaschenförmigen Früchte in üppiger Dichte. Attraktiv ist auch Rosa moyesii «Geranium»: Ihre purpur- bis scharlachroten Blüten im Frühsommer verwandeln sich in lange Hagebuttenkolben. Übrigens sind Hagebutten nicht nur schön anzusehen, sondern lassen sich auch hervorragend in der Küche zu Hagebuttenmark, Konfitüre oder Tee verarbeiten.

ddp/thi/esc