Bezaubernd als Zierpflanze und Küchenkraut – Kapuzinerkresse

Eschborn/Köln (ddp). Sie sehen aus wie kleine Mönche in bunten Kutten. Von Juli bis Oktober leuchten in vielen Gärten die Trichterblüten der Kapuzinerkresse in Gelb, Orange oder Rot. «Ihren Namen verdankt sie tatsächlich ihrer Blütenform, die den Kapuzen der Mönche ähnlich sieht», sagt Matthias Zimmermann, Apotheker aus Eschborn am Taunus und Herausgeber des Internetportals Natur-Lexikon.com. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und kam um 1600 durch die katholischen Kapuzinermönche nach Europa. Im Volksmund ist die Kapuzinerkresse auch bekannt unter den Namen Fensterguckerl, Liebesblume, Gelbes Vögerl, Blumenkresse oder Salatblume.

Letztere Bezeichnung deutet schon auf eine beliebte Verwendung in der Küche hin: Alle oberirdischen Teile der Kapuzinerkresse sind essbar: Blüten, Knospen, Blätter und sogar die Fruchtstände, die eingelegt in Salzwasser geschmacklich an Kapern erinnern. Schon 1827 schrieb der Naturforscher Adelbert von Chamisso über die Kapuzinerkresse: «Dieses Gewächs wird mit gleichem Rechte als Küchenkraut und als Zierpflanze gezogen. Die unreifen Früchte und die Blütenknospen vertreten die Stelle der Kapern, und die Blumen liefern den angesehensten Salat.»

Kapuzinerkresse hat einen leicht pfeffrigen Geschmack und eignet sich sowohl zum Dekorieren als auch zum Verfeinern von Salaten und Essig. «Die Blüten sind bis zu fünf Zentimeter groß und schmecken etwas milder als die Samen und Blätter der Pflanze», erklärt die Kölner Heilpraktikerin Helga Schmidt, die sich seit 30 Jahren mit Wildkräutern beschäftigt. Wer gerne Süßes mit scharfer Note mag, könne die Blüten auch für Desserts verwenden. Neben Senfölglykosiden, die für das scharfe Aroma verantwortlich sind und antibakteriell wirken, enthält Kapuzinerkresse viel Vitamin C. «Aufgrund ihrer immunstärkenden Eigenschaften wird ihr frisch gepresster Saft heute noch gerne als Heilmittel gegen Erkältungen und bei Infekten der Atem- sowie Harnwege verwendet», so Helga Schmidt.

Die Kapuzinerkresse ist eine einjährige, sich schnell ausbreitende Pflanze. In einer großen Sortenvielfalt gibt es Kapuzinerkresse in vielen Farbschattierungen, ihre Blüten sind einfach oder gefüllt. Bei der Sortenwahl ist darauf zu achten, dass es buschig wachsende Sorten und rankende Kletterer gibt. Die buschigen Sorten werden nur etwa 30 Zentimeter hoch und eignen sich besonders zur Gestaltung von Rabatten, Balkonkästen und Kübeln, während die rankenden Sorten als Sichtschutz auf dem Balkon prädestiniert ist. «Mit Rankhilfen kann die Kapuzinerkresse zwei bis drei Meter hoch wachsen», sagt Matthias Zimmermann. Für die Ranker eignen sich am besten gitterförmige Gerüste mit nicht zu dicken Streben oder Schnüren.

Zur Beliebtheit der Kapuzinerkresse haben ihre Robustheit und ihre Anspruchslosigkeit beigetragen: Sie wächst in fast allen Gartenböden. In der Sonne, aber auch im Halbschatten fühlt sie sich sichtlich wohl – nur im Schatten bildet sie wenige Blüten aus. Die Direktsaat ins Freie ist erst ab Mai möglich, da die Pflanze sehr frostempfindlich ist. «Kapuzinerkresse benötigt frische, humose, nicht zu nährstoffreiche Erde. Sie wächst zudem gut im Töpfen oder Kübeln», sagt Zimmermann.

«Ihr aromatischer Geruch soll Schädlinge fernhalten und dient so einem gesunden Garten», erklärt der Apotheker. Zugleich zieht die Kapuzinerkresse Blattläuse so magisch an, dass die Pflanzen mitunter vollkommen übersät sind. Damit soll sie die Läuse von allen sie umgebenen Pflanzen fernhalten. Wenn man die Kapuzinerkresse selbst ernten möchte, sollte man die befallenen Triebe allerdings großzügig zurückschneiden.

Eine ungewöhnliche Sorte der Kapuzinerkresse ist «Tropaeolum peregrinum». Sie ist zum Teil auch unter dem Namen «Kanarische Kresse» bekannt, obwohl sie eigentlich aus Peru stammt. «Tropaeolum peregrinum» unterscheidet sich in Blatt und Blüte deutlich von den anderen Züchtungen. Die Blätter wirken wesentlich zierlicher, die Blüten sind zitronengelb mit gefransten Rändern und erreichen nur Durchmesser von etwa drei Zentimetern. Sie ist ein hervorragender Kletterer, der bis zu zwei Metern hoch wird.

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