Vorsicht bei Wohnungsschnäppchen im Netz – Betrüger verlangen Vorkasse und verschwinden

– Von Katja Fischer – Das ist ein wahres Schnäppchen: Eine schöne große Wohnung im teuren Stuttgart für 450 Euro Miete inklusive Nebenkosten. So stand es in den Angeboten eines nationalen Immobilienportals im Internet. Doch Rolf Gassmann vom Mieterverein Stuttgart warnt Interessenten, auf diese Offerte einzugehen. Denn er weiß, was hinter solchen Anzeigen steckt. Nicht nur in Stuttgart, auch in anderen Ballungsgebieten wie Hamburg, Frankfurt und Köln, treiben betrügerische Wohnungsanbieter ihr Unwesen.

Die Betrüger bieten auf verschiedenen Immobilienportalenverlockend günstige Wohnungen an. Wollen dann aber die Interessentendie Wohnung besichtigen, werden sie hingehalten. Wie dieStuttgarterin, die sich die inserierte Wohnung für 450 Euro Mieteanschauen wollte. Die Vermieterin lebe in London, sei beruflichverhindert, an der Wohnungsbesichtigung teilzunehmen. Aber die Interessentin solle doch 450 Euro als Kaution überweisen. Dannerhalte sie umgehend den Wohnungsschlüssel.

Auch das Landeskriminalamt Hessen berichtet von solchen Fällen.Die Kaution für den Wohnungsschlüssel lag jeweils bei 500 bis 1000 Euro. Doch die Wohnung bekommen die Interessenten nicht zu sehen. Nach Zahlung der Kaution verschwindet dann das Angebot aus derDatenbank. Den Schlüssel bekommen die Opfer nie, und auch ihr Geldsehen sie niemals wieder.

Für die Immobilienportale, die ihre Dienste im Internet anbieten,ist dieser Trick geschäftsschädigend. Sie wollen ihren Kunden seriöse Leistungen anbieten. Deshalb bemühen sie sich, den Schaden zubegrenzen.

Neben der Masche mit den Schlüssel-Kautionen warnen Experten auch vor der Zahlung für wertlose Wohnungslisten. Unseriöse Firmenbieten seit einiger Zeit Wohnungen an, mit deren Vermittlung sie nicht beauftragt wurden. Ruft ein Interessent an, heißt es, dass genau diese Wohnung leider schon vergeben sei. Man habe jedoch weitere interessante Angebote. Eine Liste mit diesen Wohnungen könne gegen Geld erworben werden. Neuerdings werden auch kostenpflichtige Internetdatenbank-Zugänge angeboten. Aktuell verlangen einige Betrüger von Mietinteressenten rund 200 Euro für kostenpflichtige Listen oder Zugänge. Diese Listen und Zugänge seien jedoch wertlos. Meist kopieren die Betrüger ohne deren Wissen Immobilienangebote von anderen Anbietern. Oder die angeblichenWohnungsangebote sind frei erfunden.

Immer, wenn Kunden für eine Leistung in Vorkasse gehen sollen, istVorsicht angebracht, warnt auch das LKA Hessen. Wer ein gutesWohnungsangebot findet, sollte sich die Wohnung immer persönlich ansehen und mit den Nachbarn sprechen. Verweigert der Makler eineBesichtigung oder verlangt gar eine Kaution für denWohnungsschlüssel, sollte man die Finger vom vermeintlichenSchnäppchen lassen. Ein Indiz für mangelnde Seriosität ist auch, wennkeine vollständige Adresse des Anbieters vorliegt, der Kontaktlediglich über Telefon oder E-Mail möglich ist.

Verbraucher, die auf eine Betrügerei hereingefallen sind, sollten unbedingt das Online-Portal darüber informieren, auf dem sie das Angebot gefunden haben. Die Betreiber können das betreffende Inseratdann sofort stoppen. Außerdem sollten Betroffene bei der Polizei Strafanzeige stellen. Dazu empfiehlt es sich, den gesamten E-Mail-Schriftverkehr und das Wohnungsangebot auszudrucken. Auch eine Information bei der Verbraucherzentrale und dem Mieterverein ist hilfreich, um andere Nutzer von Internetportalen vor der Betrugsmasche zu warnen.

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