Garten: Alkohol ist keine Lösung

– von Dagmar Thiel –  Der feuchte Sommer mag die Menschen nerven – den Schnecken kommt er gerade recht. In Scharen machen sie sich über Salat, Dahlien oder die Austriebe des Rittersporns her. Die Bierfalle ist nach dem Schneckenkorn eine der beliebtesten Methoden, die gefräßigen Plagegeister loszuwerden. Sie ist schnell gebaut und befüllt, hat aber einige Nachteile, die Hobbygärtner bedenken sollten.

„Die größten Schäden verursachen Nacktschnecken, beispielsweise die besonders häufig vorkommende Spanische Wegschnecke“, erläutert Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Sie hinterlassen Fraßstellen, die meist vom Blattrand ausgehen. Ein zusätzliches Indiz für Schneckenbefall sind silbrige Schleimspuren, die an den Pflanzen oder am Boden zurückbleiben.

Viele Hobbygärtner versuchen der Plage mit Bier zu begegnen: Schnecken mögen den Geruch des Gerstensafts. Als Fallen eignen sich beispielsweise Joghurtbecher oder Marmeladengläser. Wichtig ist, dass die Wände senkrecht und glatt nach unten verlaufen. Werden die Fallen zu zwei Dritteln mit Bier gefüllt, müssen sich die Schnecken über den Rand beugen und fallen hinunter. Allerdings kommen nicht nur eigene, sondern auch Nachbars Schnecken: Aus einem Umkreis von 150 Metern kriechen die schleimigen Tiere bei Biergeruch herbei, wie Natalie Faßmann erläutert, Autorin des neuen Pflanzenschutz-Buches „In die Falle gegangen“ (pala-Verlag 2011).

Alkoholfreies Bier wirkt nicht

Tödlich für Schnecken ist der Alkohol im Bier, er hat eine lähmende und entwässernde Wirkung. Alkoholfreies Bier wirkt daher nicht gegen Schnecken.

Allerdings werden auch andere, meist nützliche Insekten und Säugetiere vom Bier angezogen. „Igeln bekommt der Genuss überhaupt nicht, sie torkeln betrunken durch den Garten, und wenn sie dann noch betrunkene Schnecken fressen, bekommen sie eine Alkoholvergiftung“, warnt Faßmann. Die Diplom-Ingenieurin in Gartenbauwissenschaften beruft sich dabei auf die Erkenntnisse der British Hedgehog Preservation Society, einer Gesellschaft zum Schutz von Igeln. Allein der Igelschutz sei also ein guter Grund, um auf Bierfallen zu verzichten.

Wer sich doch für diese Bekämpfungsmethode entscheidet, sollte die Fallen nicht ebenerdig eingraben, sondern ein bis zwei Zentimeter über dem Boden stehen lassen. Das ändere nichts an der Wirkung gegen Schnecken, schütze aber Laufkäfer und Weberknechte, erläutert Faßmann: „Sie können dann bei ihren Streifzügen durchs Beet nicht mehr in das Bier fallen.“ Weil die Bierfallen in der Regel viel mehr Schnecken anlocken, als sie aufnehmen können, müssen sie täglich kontrolliert und geleert werden. Tote Schnecken können auf dem Kompost entsorgt oder vergraben werden.

Garten immer morgens wässern

Eine etwas aufwendigere Alternative zur Schneckenbekämpfung, die jedoch die Nützlinge im Garten schont, ist das Absammeln. Dazu legt man feuchte Tücher oder Holzbretter aus, die von den Schnecken tagsüber als dunkler, feuchter Unterschlupf angenommen werden. So können die Plagegeister morgens abgesammelt werden. „Schnecken fressen in der Regel nachts, bei feuchter Witterung aber auch am Tage“, ergänzt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Hobbygärtner sollten darum auch ihre Gießgewohnheiten ändern, weil die Schnecken auf Feuchtigkeit angewiesen sind. Trockener Boden erschwert ihnen das Fortkommen. Wässert man morgens, ist der Boden abends abgetrocknet, wenn sich die Schnecken auf den Weg zu ihren Futterquellen machen. Auch trockener Rindenmulch eignet sich gut als Sperre gegen Schnecken.

Die Zuwanderung von außen lässt sich außerdem eindämmen, indem man Schneckenzäune zum Beispiel um Gemüsebeete aufstellt. Gegebenenfalls kann auch Gift, ein Schneckenkorn mit den Wirkstoffen Eisen-III-phosphat oder Metaldehyd, gestreut werden. Die Herstellerangaben müssen bei der Ausbringung aber genauestens beachtet werden, damit nicht andere Tiere in Gefahr geraten. Gegen Ackerschnecken lassen sich nach Auskunft der Landwirtschaftskammer in Münster zudem auch Fadenwürmer, sogenannte Nematoden (Phasmarhabditis hermaphrodita), ausbringen.

Außerdem lassen sich mit bestimmten Pflanzen Barrieren bilden. Schnecken verschmähen beispielsweise Phacelia, das blau-violett blühende Büschelschön, das wegen seiner Attraktivität auf Insekten auch Bienenweide genannt wird. Von Kräutern wie Thymian und Salbei halten sich Schnecken ebenfalls weitgehend fern. Werden die Gemüsebeete damit umpflanzt, kann man die Schädlinge dort zumindest ein wenig vom Fressen abhalten.

dapd/thi/esc