Garten: Runde Riesen lieben Wärme

Schiltern/Zell (dapd). Auch wenn sie meistens als Obst gehandelt werden, sind sie doch ein Gemüse: Wassermelonen (Citrullus lanatus) gehören wie der Kürbis und die Gurke in die Familie der Kürbisgewächse. Sie gedeihen auch im Garten, vertragen aber keine Kälte. Und sie brauchen Platz.

„Die Früchte sind köstlich und erfrischend, die Pflanzen wunderschön mit bizarren handförmig gelappten Blättern“, erklärt Andrea Heistinger, Autorin des „Handbuchs Bio-Gemüse“ (Ulmer-Verlag 2010). Wassermelonen kommen nicht nur in rotfleischigen Typen vor: Es gibt auch Sorten mit gelbem, grünem oder weißem Fleisch. „Im 18. Jahrhundert waren weißfleischige Sorten sehr verbreitet. Gegenwärtig sind sie kaum bekannt“, sagt die Agrarwissenschaftlerin aus dem österreichischen Schiltern. Die zahlreichen Sorten unterscheiden sich auch in Größe und Form sowie in Farbe und Musterung der Schale – und natürlich im Geschmack. Ursprünglich stammen Wassermelonen aus dem südlichen Afrika.

Und genau deshalb sind die Gewächse bei uns nicht ganz unkompliziert. Sie sind sehr kälteempfindlich und gedeihen am besten im geschützten Anbau, lediglich im Weinbauklima können sie auch im Freien kultiviert werden. „Melonen sollten unbedingt vorgezogen werden. Am besten geeignet dafür ist ein Gewächshaus. Aber auch in einem Zimmer ist dies möglich, solange für ausreichende Beleuchtung und Wärme gesorgt wird“, sagt Josef Kerscher, der im oberpfälzischen Zell die Internetseite melonenfans.de betreibt.

Ein geschützter Anbau im Gewächshaus habe gegenüber dem Freilandanbau den Vorteil, dass ein möglicher später Bodenfrost den Pflanzen nicht allzu viel anhaben kann. „Auf der anderen Seite muss man sich im Freiland nicht um die Bestäubung kümmern“, erläutert der Melonen-Experte. Denn in der Regel bilden sich immer zuerst die männlichen Blüten, danach erst die weiblichen. Da die Melone getrenntgeschlechtig ist, muss der Pollen der männlichen auf die Narbe der weiblichen Blüte übertragen werden. „Im Freiland übernehmen das die Bienen oder sonstige Insekten. Im geschützten Anbau allerdings sollte man per Hand bestäuben. Am besten eignet sich dazu ein dünner Pinsel“, erklärt Kerscher. Allerdings liege die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, nur bei 30 Prozent. „Eine erfolgreiche Bestäubung erkennt man, wenn die Frucht rasant zu wachsen beginnt“, sagt Josef Kerscher. Als Alternative empfiehlt der Fachmann den Freilandanbau unter einem schützenden Tomatenhaus, das seitlich offen ist. Hier können dann Bienen die Blüten bestäuben. Vor Kälte schützt es allerdings nicht.

Melonen mögen nach Angaben der Bayerischen Gartenakademie leicht sauren Boden, der warm, wasserdurchlässig, humos und sehr fruchtbar sein sollte. Weil das Wurzelsystem der einjährigen Pflanzen nur schwach ausgebildet ist, sind sie auf eine reichliche Wasserzufuhr angewiesen. Staunässe vertragen die tropischen Gewächse aber gar nicht und reagieren schnell mit Wurzelfäule.

Gärtner sollten im Beet etwa einen Quadratmeter Platz einplanen. Allerdings nehmen stark rankende Sorten auch schnell wesentlich mehr Raum in Anspruch. Melonen besitzen bis zu einen Meter lange Stängel, die entweder am Boden aufliegen oder an Gerüsten und Spalieren klettern. Wassermelonen gedeihen aber auch als Balkongemüse. „Sie lassen sich auch in Pflanztrögen kultivieren, die Pflanzen an Schnüren oder einem Rankgitter hochleiten. Sie werden aber nicht so viele Früchte ansetzen wie im Freiland“, sagt Andrea Heistinger.

Wassermelonen zum richtigen Zeitpunkt zu ernten, ist nicht ganz einfach. Etwa 40 bis 45 Tage nach der Bestäubung sind die Früchte reif. Feststellen lässt sich das am besten durch Anklopfen, die reife Frucht klingt hohl und dumpf. „Ein weiteres Ich-bin-jetzt-reif-Zeichen ist, wenn die der Frucht gegenüberliegende Ranke zu welken beginnt und die Früchte dort, wo sie aufliegen, leicht gelb werden“, erklärt Andrea Heistinger. Bei überreifen Früchten sind diese Stellen kräftig gelb. Sie werden dann wässrig und schmecken schal.

Je Pflanze können bis zu sechs Früchte heranreifen. Ranken die Pflanzen, sollten sie vom Gewicht der Früchte durch ein Netz entlastet werden. Am Boden könne man Styropor, Bretter oder Stroh unter die Früchte legen, empfiehlt die Bayerische Gartenakademie. Die Erntezeit dauert von Ende Juli bis zum Frosteinbruch, wobei die Früchte meist abgedreht und nicht geschnitten werden. Melonen sollen aber immer an der Pflanze ausreifen. Nach der Ernte können sie bei zehn Grad Celsius, getrennt von anderen Früchten, etwa zwei bis drei Wochen gelagert werden.

dapd