Geldanlagen: Drum prüfe, wer sich lange bindet

— von Philipp Heinz — Verbraucherschützer bemängeln Unübersichtlichkeit und Abzocke in der Finanzbranche. Wer einige Tipps beherzigt, kann aber zumindest eine Schneise ins Dickicht der verschiedenen Anlagemöglichkeiten schlagen. Einige Fragen und Antworten:

Warum ist es so wichtig, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, und sich notfalls Rat zu holen?

„Wenn die Leute da Pech haben, ist es das Thema, bei dem sie am meisten Geld verlieren“, sagt der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, über Geldanlage und Altersvorsorge. Da lohnt es sich, konsequent nachzufragen, nachzudenken und sich unabhängigen Rat zu holen, etwa bei den Verbraucherzentralen. Die Zeitschrift „Finanztest“ untersucht regelmäßig Geldanlageprodukte und findet oft große Unterschiede, zum Beispiel bei Riester-Rentenversicherungen.

Welche Grundregeln gelten?

Erstens sollten Anleger niemals alle Eier in einen Korb legen. Selbst vermeintliche Sicherheiten wie Gold, Immobilien oder Anleihen krisenfester Staaten haben Risiken und Nebenwirkungen, wie Experten immer wieder hervorheben, egal ob sie von der Stiftung Warentest oder aus den Verbraucherzentralen kommen.

Zweitens gilt: Nichts kaufen, was man nicht versteht. Viele Anleger sind schon mit Zertifikaten oder geschlossenen Fonds auf die Nase gefallen. Die versprachen zwar viel, waren aber so kompliziert, dass die Anleger nicht wussten, was mit ihrem Geld passierte.

Und drittens: Wenn ein Produkt staatlich gefördert ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich für den Anleger lohnt. Riester- und Rürup-Verträge könnten im Einzelfall sinnvoll sein, aber nicht generell, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Altersvorsorge funktioniert aber auch ohne Riester, zumal es ungeförderte Produkte gibt, die deutlich kostengünstiger sind oder bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erwarten lassen.“

Gibt es eine Geldanlageform, die anderen grundsätzlich überlegen ist?

Nein. Höchstens andersherum wird ein Schuh draus: Es gibt viele Geldanlage-Produkte, die immer falsch sind, zum Beispiel überteuerte Fonds und Rentenversicherungen. Verbraucherschützer mahnen immer wieder dazu, die Anlage auf die Bedürfnisse des Einzelnen abzustimmen. Ein 60-Jähriger muss anders investieren als ein 30-Jähriger; wer den Kauf eines Eigenheims plant, sollte sein Geld nicht am Aktienmarkt parken. Und wer auch dann noch gut schlafen kann, wenn das Depot tief in den roten Zahlen steckt, kann eher Risiken in Kauf nehmen als ein sicherheitsorientierter Anleger.

Was ist von der Beratung der Banken zu halten?

Zunächst warnen Verbraucherschützer schon vor dem Begriff „Beratung“, denn Banken sei vor allem am Verkauf von Finanzprodukten gelegen. Die Verkaufsgespräche dienten in erster Linie dem Wohl der Bank, nicht dem des Kunden oder der Allgemeinheit. Das ist weder verboten noch verwerflich, sollte aber den Kunden klar sein. Schließlich macht auch niemand den Kauf eines Wagens ausschließlich von der „Beratung“ in einem Autohaus abhängig.

Verbraucher sollten ihre Bank zumindest nach Provisionen und Abschlusskosten fragen. Außerdem können sie darauf achten, ob der Berater auf ihre persönliche Situation eingeht oder nur ein 08/15-Produkt an den Mann bringen will.

Wie viel Geld lässt sich mit guter Beratung sparen?

Wer sich bei einer Verbraucherzentrale beraten lasse, könne seine Rendite im Schnitt um ein bis zwei Prozent pro Jahr erhöhen, erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die unabhängigen Berater helfen etwa dabei, teure Verträge zu vermeiden. Hochgerechnet auf das Geldvermögen der Deutschen von etwa fünf Billionen Euro, kommen die Verbraucherschützer auf ein Potenzial von 50 bis 100 Milliarden Euro, das sich durch bessere Beratung heben ließe.

dapd.djn/T2012031450211/ph/mwa