Studie des Vereins Zukunft Erdgas: Sanierungsfahrpläne für den Wärmemarkt

Der Verein Zukunft Erdgas legt eine neue Studie vor.

Den Energiemarkt zukunftsfähig gestalten – nichts Geringeres als dies hat die deutsche Politik mit der Energiewende angestoßen. Eine Schlüsselposition hat dabei der Wärmemarkt, so der Verein Zukunft Erdgas. Im Energiekonzept der Bundesregierung wurden daher ehrgeizige CO2- und Energie-Einsparziele für den Gebäudebestand definiert. Wie diese Ziele erreicht werden sollen, gibt das Konzept nicht vor. Mit der Studie „Sanierungsfahrpläne für den Wärmemarkt: „Wie können sich private Hauseigentümer die Energiewende leisten?“ möchte der Verein die Politik bei der Erarbeitung einer entsprechenden Strategie unterstützen.

Die Energiewende lässt sich nur über die volle Einbeziehung des Wärmemarktes erreichen so der Verein. Immerhin werden rund 39 Prozent des deutschen Energieverbrauchs im Gebäudebereich zur Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser eingesetzt. Entsprechend ambitioniert sind die politischen Ziele. Bis 2050 soll hier der Primärenergiebedarf um 80 Prozent gegenüber 2008 zurückgehen. Damit eng verbunden ist die Reduzierung der CO2-Emissionen. Sie sollen bis 2050 ebenfalls um 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 abnehmen.

Zukunft ErdgasAls Maßnahmen auf dem Weg dorthin führt die Politik den Austausch ineffizienter Heizungsanlagen und die energetische Gebäudesanierung an. Allerdings sind die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung eher schlecht. Nach einer aktuellen Studie im Auftrag der Initiative Zukunft Erdgas, die unter dem Titel „Sanierungsfahrpläne für den Wärmemarkt“ herausgegeben wurde, fehlt es vielen Hauseigentümern am erforderlichen Budget, um im notwendigen Umfang in neue Anlagen und Wärmedämmung zu investieren. Es handelt sich dabei um rund 15 Millionen Einfamilien- und Reihenhäuser, die zusammen über 80 Prozent des Wohngebäudebestands in Deutschland ausmachen. Die Folge: Nur 43 Prozent Energie und 62 Prozent CO2 werden statt der angestrebten 80 Prozent eingespart, so das ernüchternde Fazit. Insgesamt wurden in der Studie 264 unterschiedliche Sanierungsfahrpläne berechnet, die unterschiedliche Einkommensgruppen und Ausgangssituationen beim Heizungs- und Gebäudezustand berücksichtigen.

Wie sehen die Ergebnisse der Studie im Detail aus? „Die Untersuchung geht von drei unterschiedlichen Einkommensgruppen aus“, erläutert Dr. Timm Kehler, Sprecher des Vorstands von Zukunft Erdgas. „Rund 30 Prozent gehören zum niedrigen Bereich mit durchschnittlich 1.400 Euro im Monat, 40 Prozent verfügen über 3.100 Euro und 30 weitere Prozent über 4.300 Euro“. Bezogen auf die erste Gruppe gehen die Autoren der Studie davon aus, dass in einem Modernisierungsschub bis 2030 etwa 2,4 Millionen veraltete Heizungsanlagen durch moderne Gas-Brennwertkessel ersetzt werden und verstärkt Bio-Erdgas zum Einsatz kommt. In einem zweiten Schritt bis 2050 sollen dann noch einmal mehr als 2,6 Millionen weitere Geräte – zum Teil in Kombination mit Solarthermie – folgen. Aufgrund der verfügbaren Einkommen spielen bauliche Optimierungen und weitergehende technologische Lösungen nur eine untergeordnete Rolle, heißt es weiter. Das macht sich bei der CO2-Einsparung deutlich bemerkbar. Statt der angestrebten Reduktion von 80 Prozent werden nur 42 Prozent erreicht.
Die zweite Einkommensgruppe mit einen mehr als doppelt so hohem Budget wird laut der Untersuchung bis 2030 über 7,4 Millionen Heizungen mit Erdgas-Brennwerttechnik installieren. Außerdem würden Pellet-Kessel sowie umfangreichere Dämmmaßnahmen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig geht die Studie davon aus, dass bis 2050 die Fassaden von mehr als 2,8 Millionen Gebäuden gedämmt werden. „Zusammen mit der Solarthermie und dem Einsatz von Bio-Erdgas lassen sich so 63 Prozent CO2 einsparen“, beschreibt Timm Kehler die Situation. Bleibt als dritte Gruppe noch die der höheren Einkommen. Hier kommt es, so die Modellrechnungen, zu einem verstärkten Einsatz von modernsten Technologien wie der Brennstoffzelle in Kombination mit Brennwertkesseln oder der Wärmepumpe. Zudem werden umfangreiche Gebäudedämmungen vorgenommen. „Aufgrund der finanziellen Möglichkeiten und einer breiten Auswahl an effizienten Anlagen kann dieser Teil der Hauseigentümer mit einer Reduktionsrate von 82 Prozent als einziger die politischen Zielvorgaben erfüllen“, erläutert der Sprecher der Initiative.

Addiert und gewichtet kommen die Werte für die drei Bereiche auf eine CO2-Minderung von zusammen 62 Prozent bis zum Jahr 2050. Und das ohne die Wirkung vorhandener oder künftiger finanzieller Zuschüsse zu berücksichtigen. Dennoch fehlen 18 Prozentpunkte bis zum Erreichen der politischen Vorgabe. Auf dem Weg dorthin ist nach Einschätzung von Zukunft Erdgas eine technologieoffene Förderung mit Augenmaß gefragt, die sich an der Lebenswirklichkeit orientiert – beispielsweise in Form einer Anschubfinanzierung für Eigentümer mit geringem Einkommen. Darüber hinaus spricht sich die Initiative dafür aus, die Verringerung von CO2-Emissionen in den Mittelpunkt zu stellen. Denn weniger Energie bedeute nicht immer zwangsläufig auch weniger Kohlendioxidausstoß. So weise Erdgas im direkten Vergleich mit Heizöl einen rund 25 Prozent niedrigeren Emissionsfaktor aus, der sich beim Einsatz von Bio-Erdgas noch einmal dramatisch verbessere. „Wenn geeignete Energien und effiziente Technologien zusammenkommen, stimmt nicht nur die wirtschaftliche Seite für den Hauseigentümer, es spricht einiges dafür, dass die CO2-Ziele im Jahr 2050 doch noch erreicht werden“, blickt Timm Kehler zuversichtlich nach vorn.