Grüner Vorhang für unschöne Ecken – Kletterpflanzen sind hübsch und pflegeleicht

Bad Driburg/ Uelzen.  Sie machen unschöne Ecken und graueFassade zu grünen Oasen, schaffen märchenhafte Stimmung und spendenan Pergolen Schatten: Rank- und Kletterpflanzen. «Man unterscheidet zwischen den Selbstklimmern, die sich mit Haftorganen an den Wänden selbst emporranken, und Pflanzen, die Rankhilfen benötigen», erläutert Christian Böhner, Garten- und Landschaftsbauer in Bad Driburg.

— Von ddp-Korrespondentin Michaela Kaebe–

Als Selbstklimmer zur Fassadenbegrünung würden vor allem Efeu (für Schatten und Halbschatten) und Wilder Wein (für Sonnenwände)eingesetzt, sagt Böhner. Für schattige und halbschattige Wände käme auch die Kletterhortensie in Frage. Am besten funktioniere einesolche Begrünung an verputzten und Natursteinwänden, da diese einenstabilen Untergrund böten und witterungsfest seien.

Allerdings sind Selbstklimmer in zweierlei Hinsicht problematisch:Sie können das Haus beschädigen und sind schwer wieder zu entfernen.«Besonders vorsichtig muss man mit Efeu sein – wenn der erst sorichtig loslegt, dann hebt der auch Dachpfannen hoch», warnt AndreaWingert, Garten- und Landschaftsbauerin aus Uelzen. Böhner rät: «BeiSelbstklimmern muss die Wand unbedingt intakt sein. Es darf keinebaulichen Schäden geben, in die die Wurzeln hineinwachsen können,sonst kann schwerer Schaden entstehen.» Wer sich nicht sicher sei,solle lieber zu Arten am Rankgerüst greifen. Diese seien auchleichter wieder zu entfernen – im Gegensatz zu Selbstklimmern, sagtWingert: «Die kleinen Haftwurzeln bleiben auf der Fassade zurück, dassieht hässlich aus. Und man bekommt sie nur mühsam ab.»

Einfacher im Umgang sind Pflanzen am Rankgerüst: «Da kann mansogar zum Fassadenstreichen das Rankgitter mitsamt der Pflanzeabnehmen und hinterher wieder ranklappen», sagt Böhner. Für sonnigeStandorte eigneten sich Kletterrose und Geißblatt, an schattigenWänden fühlen sich Pfeifenwinde und Akebie wohl.

Mit Gerüstkletterpflanzen kann man natürlich auch Metallzäunebegrünen und Pergolen beranken. Wie viel Hilfe die Pflanzen brauchen,ist unterschiedlich: «Manche Pflanzen, Winden oder Jelängerjelieber,können sich an Schnüren oder Edelstahlschnüren hochranken. Rosenbrauchen dagegen eine stabile Rankhilfe, man muss die Triebe auchfestbinden, sonst fallen die nach vorne weg», sagt Wingert. Fürfiligranere Konstruktionen eigne sich eher die Clematis, die auchweniger Arbeit mache: Man müsse sie zwar anfangs durch Festbindenlenken, dann aber finde sie selbstständig Halt.

Wer seinen Zaun nur den Sommer über begrünt haben möchte, kannauch zu einjährigen Pflanzen greifen: «Das bringt im Sommer schöneFarbeffekte an den Zaun. Die Pflanzen blühen von Juni bis in denSeptember oder Oktober hinein üppig», sagt Böhner. Geeignete Pflanzenseien beispielsweise Wicken, Schwarzäugige Susannen oder Prunkwinden.

An Pergolen sind dagegen langjährige Pflanzen gefragt. «Besondersschön ist Blauregen. Der wächst sehr stark und im Frühjahr bekommt erlange Blütenrispen in Blau, Weiß oder Rosé», schwärmt Böhner. AuchRamblerrosen, stark wachsende Wildclematis oder Wein seien gutgeeignet.

Schwierig wird es allerdings, wenn man eine Kletterpflanze sucht,die das ganze Jahr über grün bleibt: «Viel gibt es da nicht,eigentlich nur Efeu oder Spindelstrauch. Biologisch gesehen sindKletterpflanzen Gehölze, die meisten werfen ihre Blätter ab undtreiben im Frühjahr aus dem holzigen Teil wieder aus», sagt Böhner.

Besonders winterhart sei Wilder Wein, die Wildsorten der Clematisund Efeu – allerdings nur im Schatten: «Wenn er im Winter Sonnekriegt, tut ihm das nicht gut», warnt Böhner.

Ansonsten seien alle Kletterpflanzen recht pflegeleicht, lobt derExperte: «Sie brauchen gutes Substrat, kleine Beete sind nicht füralle Sorten geeignet. Wenn sie dann noch ein bisschen Regenabbekommen, reicht das meist schon an Pflege.» Blühende Arten sollteman im Frühjahr düngen und auf die Blattgesundheit achten.

Doch auch da, wo nicht viel Erde da ist, mitten in den Städten,kann die Fassadenbegrünung gelingen: «Rosen entwickeln sich oftprima, das kennt man ja aus den alten Fachwerkstädten», empfiehltWingert. Wichtig sei aber eine gute Bodenvorbereitung mitlehmhaltiger Erde, um der Pflanze einen guten Start zu ermöglichen.Für Nordwände empfehle sich unter erschwerten Bedingungen deranspruchslose Efeu.

Grüne Wände seien gut für Wohnklima und Umwelt, hebt Wingerthervor: «Sie dämmen im Winter und kühlen im Sommer. Außerdem bietensie Rückzugsraum für viele Tiere, zum Beispiel Vögel und Insekten.Auch das Mikroklima verbessert sich, weil Staub von den Pflanzenabgehalten wird.» Ebenso wichtig sei aber die ästhetische Wirkung,meint Böhner: «Wände verschwinden optisch, und man kann einenharmonischen Übergang zwischen Haus und Garten schaffen.»

ddp/mka/kat