Grüne Dächer: ‚Blumen‘ aufs Haus pflanzen

– von Katja Fischer –  Ein grünes Dach ist nicht nur etwas für öffentliche Gebäude wie Kaufhäuser, Hotels, Schulen oder Kindertagesstätten. Auch im privaten Bereich entscheiden sich immer mehr Bauherren für diese umweltbewusste und zukunftsorientierte Gestaltung ihres Daches. „Damit wirken sie den Auswirkungen des Klimawandels vor allem in den Städten entgegen“, sagt Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtner Verbands (DDV). Ein Gründach sei nicht nur schön anzuschauen, sondern auch ökologisch wertvoll.

„Im privaten Wohnungsbau gibt es viele Möglichkeiten, Dachflächen zu begrünen“, weiß Gunter Mann, Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB). „Dazu gehören nicht nur das Hausdach, sondern auch Carports, Garagen, Schuppen, Müllleimerboxen und andere. Lediglich bei Steildächern wird es schwierig.“

Vor dem Grün das Dach gründlich checken

Dachbegrünungen sind nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Häusern im Bestand möglich. Wichtig ist, dass das Dach so stabil und dicht ist, dass es die Grünschicht aushält. „Im Neubau ist das kein Problem. Da kann der Statiker die zusätzliche Belastung von vornherein einkalkulieren“, sagt Wolfgang Ansel. In diesem Bereich gehöre die Dachbegrünung deshalb mittlerweile schon zum Standard.

Anders ist das bei gebrauchten Häusern. Eigentümer, die auf ihrer älteren Immobilie ein grünes Dach installieren wollen, sollten zuvor das Dach gründlich checken. Die Abdichtung muss in Ordnung sein, das Dach muss wurzelfest gemacht werden, sonst funktioniert es nicht. „Die Dachbegrünung schützt zwar das Dach, aber sie kann kein krankes Dach heilen“, stellt Wolfgang Ansel klar. Wenn aber Statik und Dichtheit stimmen, stehe einer Begrünung nichts mehr im Wege. Sie kann sogar mit herkömmlichen Arten der Wärmedämmung mithalten. „Es gibt spezielle Systeme für wärmedämmende Dachbegrünungen, die die aktuellen Standards der Energieeinsparverordnung erfüllen“, betont Ansel.

In der Anschaffung ist ein Gründach zunächst etwas teurer als ein herkömmliches Dach. Hauseigentümer müssen mindestens mit 25 bis 30 Euro pro Quadratmeter für eine pflegeleichte extensive Dachbegrünung rechnen. Sie ist für Dächer geeignet, die nicht oder nur selten betreten werden. Aufwendiger ist eine intensive Dachbegrünung, also ein klassischer Dachgarten mit Rasen, Sträuchern, Sitz- und Spielbereichen. Sie bietet mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, was sich im Preis niederschlägt.

Amortisation nach 15 bis 25 Jahren

Doch diese Kosten amortisieren sich nach etwa 15 bis 25 Jahren, meint Gunter Mann. Von Anfang an lasse sich damit zum Beispiel bei den kommunalen Niederschlagswassergebühren sparen. Dachbegrünungen speichern je nach Aufbaudicke und Substrat 50 bis 90 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge.

Da grüne Dächer durch die wurzelfeste Abdichtung geschützt sind, halten sie länger als herkömmliche Dächer. Hitze, Frost und UV-Strahlen können ihnen nicht so viel anhaben. Nach den Erfahrungen der Fachvereinigung für Bauwerksbegrünung hat die Dachabdichtung unter einem Gründach eine doppelt so hohe Lebenserwartung wie eine Abdichtung ohne schützende Begrünung. „Viele Gründächer wurden bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut. Sie halten also schon 30 bis 40 Jahre und werden das auch weiterhin tun“, bestätigt Wolfgang Ansel.

Voraussetzung für ein langes Leben ist die fachgerechte Installation des Gründaches und die Ausstattung mit geeigneten Pflanzen. „Es gibt spezielle Substrate für das Dach“, sagt Wolfgang Ansel. „Die sollte man auch verwenden und nicht versuchen, sie gegen normalen Gartenboden auszutauschen. Der ist viel schwerer und hat deutlich schlechtere Dränage-Eigenschaften. Auch die Nährstoffversorgung passt in der Regel nicht.“

Hitzebeständige und frostunempfindliche Pflanzen verwenden

Generell eignen sich trockenheits- und hitzebeständige sowie frostunempfindliche Pflanzenarten des Steingartens und des Magerrasens für das Leben auf dem Dach, sagt Gunter Mann. Das seien vor allem Sedum, Dachwurz, Karthäusernelke, Felsennelke, Thymian, Wiesenmargarite und Schnittlauch.

Bei der Auswahl der Pflanzen sind Kunden auf der sicheren Seite, wenn sie sich auf die Angebote der Dachgärtner verlassen. Sie haben Standardmischungen, von denen sie wissen, dass sie Trockenheit aushalten und bei viel Regen nicht eingehen. „Auch auf dem Dach kann man im Laufe des Jahres den Blüh- und Vegetationsrhythmus der Natur erleben“, sagt Ansel. „Reine Sedumbegrünungen zeigen zum Beispiel von Mai bis Juni ein farbenfrohes Bild. Durch zusätzliche Bepflanzung mit trockenheitsresistenten Stauden lässt sich der Blütezeitraum von März bis Oktober ausdehnen.“

Die Pflege eines Gründaches ist nicht besonders aufwendig. Da es sich meist um extensive Begrünungen handelt, genügt es, ein- bis zweimal im Jahr den Fremdbewuchs zu entfernen, zu Düngen und die Dachabläufe zu kontrollieren. Das überlässt man am besten einer Fachfirma. Intensivbegrünungen, also Dachgärten, kann man selbst hegen und pflegen wie ebenerdige Gärten.

dapd/kaf/kat