Überteuerte Heizkosten: Vor dem Besuch der Ablesefirma sollten Mieter selbst alle Zählerstände notieren

— von Katja Fischer — Einmal im Jahr kündigt in der Regel die Ablesefirma für Heizung und Warmwasser ihren Besuch an. Spätestens dann sollten die Bewohner von Mietwohnungen aktiv werden und sichvor Ankunft des Technikers selbst alle Zählerstände genau notieren.Denn Kontrolle ist besser als blindes Vertrauen. „Immerhin ist fast jede zweite Betriebskostenabrechnung falsch“, so der Deutsche Mieterbund.

Ist der Techniker dann da, sollten Mieter sich nicht scheuen, ihn nach der Bedeutung aller erfassten Zahlen zu fragen. Wichtig ist,sich eine Kopie des Ableseprotokolls geben zu lassen. Aber immer häufiger erstellen die Ablesefirmen heute keine Ablesebelege mehr.Vor allem bei elektronischen Heizkostenmessgeräten ist das Usus.

Wenn der Techniker die Daten nicht ausdruckt, ist es ratsam, sichdie Zahlen nebst Erklärungen des Technikers aufzuschreiben, rät derMieterverein zu Hamburg. Denn im Streitfall sind diese Informationen wichtig.

Hat der Mieter Zweifel an der Richtigkeit der abgelesenen Werte,muss er den Vermieter informieren. Direkt mit der Ablesefirma kanner nicht verhandeln, denn die arbeitet im Auftrag des Vermieters. Nur dieser kann die Ablesefirmen zur Prüfung und kompletten Auslesung aller Daten seiner Heizkostenverteiler auffordern. Das könnten Informationen zum Gerätetyp, zum Gesamtbewertungsfaktor k,zum Wärmeübergang von Luftfühler und Heizkörperfühler, zurSeriennummer und zu den eingegebenen Stichtagen, zu den letzten 12oder 24 Monatsendwerten und den Jahresendwerten der letzten beidenJahre, zu den Maximaltemperaturen des Heizkörpers und der Raumluftsein.

Viele Mieter verschenken bares Geld, weil sie sich nicht oder zu wenig darum kümmern, ob ihre Heiz- und Warmwasserkosten richtig erfasst und abgerechnet werden. Dabei zahlen sie viel für diesen Service. Denn die Kosten für die Ablesung der Messgeräte, die zur Erfassung der Heiz- und Warmwasserkosten installiert sind, können als Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden. Und manche Abrechnungsfirmen sind nicht zimperlich bei der Kalkulation ihrer Preise. Nach Angaben der gemeinnützigen co2online GmbH zahlen deutsche Mieter jedes Jahr 195 Millionen Euro unnötig zuviel für denService der Ablesefirmen. „Manche Mieter bezahlen für eine identische Dienstleistung teilweise dreimal so viel wie andere“,sagt Dr. Johannes D. Hengstenberg, Geschäftsführer der gemeinnützigen Berliner Gesellschaft co2online.

Die Vermieter scheinen keinen großen Handlungsbedarf zu haben,diese Kosten zu verringern, denn sie können sie eins zu eins an dieMieter weiterreichen. Umso aktiver sollten diese werden. Umherauszufinden, ob sie zuviel für den Ablesedienst bezahlen, könnenMieter sich unter www.heizspiegel.de über die Preise ihres Anbietersinformieren. Außerdem sollten sie ihren Vermieter bitten, gezieltAngebote von Ablesefirmen aus der Region einzuholen und dengünstigsten Anbieter zu beauftragen, empfiehlt co2online.

Ein Ablesetermin muss in der Regel wenigstens zehn Tage vorherpersönlich oder deutlich im Hausflur angekündigt werden. Der Mietermuss den Messdienst in die Wohnung lassen. Wenn er den Terminverpasst, sollte er umgehend einen neuen mit der Ablesefirmavereinbaren. Dafür darf die Firma auch keine zusätzlichen Kostengeltend machen (LG München, AZ: 12 O 7987/00). Verpasst ein Mieterallerdings drei Mal den Ablesetermin für die Heizung, muss er damitrechnen, dass der Vermieter seinen Verbrauch für dieHeizkostenabrechnung schätzt. Das hat das Amtsgericht Brandenburgentschieden (AZ. 32 (33) C 110/04). Als Maßstab für die Schätzungkönnen dem Vermieter die Heizkostenrechnungen aus früheren Jahrendienen. Zulässig als Grundlage für die Verbrauchsschätzung wärenauch die Heizkosten für vergleichbare andere Räume im Haus. DerVermieter hat die Wahl zwischen den Schätzverfahren.

Ablesekosten, die bei einem Auszug des Mieters entstehen, sindkeine Betriebskosten. Dafür muss der Vermieter aufkommen, entschiedder Bundesgerichtshof. Denn diese Zwischenablesekosten, zu denenauch die Nutzerwechselgebühren gehören, fallen in den Risikobereichdes Vermieters. Sie sind nicht als Betriebskosten umlagefähig, dennsie werden nicht durch den Verbrauch ausgelöst, fallen nicht inwiederkehrenden, periodischen Zeiträumen an, sondern im Laufe einesMietverhältnisses lediglich einmal im Zusammenhang mit dem Auszugdes Mieters (AZ:VIII ZR 19/07).

dapd.djn/kaf/mbr