Immobilien bleiben bei der angespannten Staatsschuldenkrise weiterhin attraktiv – Wohnungsmärkte leergefegt

— von Philipp Heinz — In deutschen Innenstädten sind die Wohnungsmärkte leer gefegt, die Preise steigen stark, Immobilienmakler machen satte Geschäfte. Betongold ist gefragt, es gilt vielen Anlegern als Möglichkeit, sich gegen höhere Inflation zu wappnen. Die Eurokrise und nun die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen, schürt Ängste. Viele Bundesbürger fragen sich, wie berechtigt die Furcht vor der Geldentwertung ist und was sie dagegen tun können.

Anders als in anderen Staaten sind die Deutschen beim Thema Inflation besonders hellhörig. Ins kollektive Gedächtnis sind die Erinnerungen an die Hyperinflation der frühen 20er-Jahre oder die Währungsreform von 1948 eingebrannt. Die D-Mark hatte es geschafft, die Ängste zu lindern, aber spätestens mit dem angekündigten Staatsanleihenkauf durch die EZB ist die Furcht wieder da, die Ersparnisse zu verlieren.

„Wir wissen, auch aus der deutschen Geschichte, dass Staatsfinanzierung über die Notenbank Inflation auslöst“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. „Ich teile deshalb die Inflationsängste der Bürger.“

Wenn die EZB Staatsanleihen kauft, schafft sie quasi aus dem Nichts neues Geld. Denn die Menge des Geldes ist nicht fix. Wenn aber die Geldmenge steigt, ohne dass es auch mehr Waren zu kaufen gibt, dann sinkt tendenziell der Wert jedes einzelnen Euro.

Derzeit schwankt die Inflation um zwei Prozent und liegt damit noch am oberen Ende des Bereichs, in dem die EZB von Stabilität spricht. Volkswirt Krämer rechnet nicht damit, dass die Inflation sofort anzieht. Das Geld müsse zunächst von den Banken zu den Bürgern gelangen, in Form von Krediten. Erst dann steige die Geldmenge im realen Wirtschaftskreislauf.

Technisch wäre es zwar möglich, das zusätzliche Geld abzuschöpfen. Krämer zweifelt aber daran, dass der EZB dies gelingt. „Wie will denn die EZB den Wunsch vieler europäischer Politiker nach mehr Inflation ablehnen?“, fragt er. Schließlich sei die Notenbank sehr nah an die Politik gerückt und habe einen Teil ihrer Unabhängigkeit aufgegeben. „Ich denke, wir werden aus der Krise mit einem ‚Zuviel‘ an Geld gehen“, sagt der Ökonom. Die Folge? „In Deutschland werden die Immobilienpreise in den Großstädten weiter steigen“, erklärt Krämer.

Anleger sollten ihr Geld streuen: Bspw. Immobilien, Rohstofffonds und Unternehmensaktion

Was können die Bürger nun tun, um sich vor Inflation zu schützen? Auch die Experten können da keine einfache Antwort geben. „Es gibt kein bestimmtes Produkt, das alleine vor Inflation schützt“, sagt Martha Chlebowski, Finanzberaterin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Überhaupt sei noch gar nicht klar, wie stark die Inflation nach oben gehen werde. „Das wäre reine Spekulation“, sagt sie.

Es gelte die Binsenweisheit, wonach Anleger ihr Geld streuen sollten, sagt Chlebowski. „Wenn eine größere Katastrophe kommt, verlieren Sie nicht alles auf einmal.“ Geldwerte wie Tagesgeld oder Festgeld sollten kombiniert werden mit Sachwerten wie Immobilien oder Rohstofffonds.

Aus Angst vor Inflation allein auf Sachwerte zu setzen, sei aber keine gute Idee. Dabei gebe es schließlich Wertschwankungen auszuhalten und ein Verlustrisiko abzuwägen. Selbst Gold sei allenfalls als kleiner Baustein der Geldanlage geeignet, weil es nun mal keine sichere Anlage sei: Der Preis kann stark schwanken, die Lagerung kostet Geld und Zinsen wirft es auch nicht ab.

Die eigenen vier Wände hält die Verbraucherschützerin eher „für eine Frage der Lebensqualität“, weniger für ein reines Anlageobjekt. Wichtig sei es, sich wegen einer Wohnung oder eines Hauses nicht zu hoch zu verschulden, also auf eine hohe Eigenkapitalquote zu achten.

Immobilien seien ganz bestimmt kein Allzweckmittel, um die Ersparnisse zu schützen. „Den Großteil des eigenen Geldes in eine Immobilie zu stecken, ist auch keine sichere Anlage“, sagt Chlebowski. Schließlich hätte man damit alles auf ein Pferd gesetzt, und der Wiederverkauf könne Verluste bringen.

 

 

dapd.djn/T2012090350923/ph/pon