Immobilienkauf und Immobilienfonds: Harte Zeiten für Sparer – Flucht in Immobilien

— von Philipp Heinz —  Frankfurt/Main (dapd). Wer kein Geld hat, der hat es schwer. Aber wer Geld hat, hat es damit noch lange nicht leicht. So geben die Verwerfungen auf dem Finanzmarkt allerlei Anlass, aus Angst um das Ersparte nachts nicht schlafen zu können. Die Deutschen sitzen auf einem Nettovermögen von 10,2 Billionen Euro – und haben dementsprechend viele Gründe, sich um ihr Geld zu sorgen. Die Finanz- und die Staatsschuldenkrise führten dazu, dass keine Form der Geldanlage mehr als ganz sicher gilt.

Die Zinsen sind niedrig, das Vertrauen in die Banken ebenfalls. Das Gespenst der Inflation geht um, und vor kaum etwas haben die Deutschen mehr Angst. Der diesjährige Weltspartag am 30. Oktober steht also unter alles andere als guten Vorzeichen.

„Der Begriff ‚Weltspartag‘ klingt ja etwas harmlos angesichts der verwirrenden Realität“, sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann. Der Berliner Forscher hat einen „finanziellen Analphabetismus“ bei jungen Leuten festgestellt, weshalb er mehr Finanzbildung in der Schule und einfachere Produkte fordert.

Dennoch hält er den Weltspartag nicht für nutzlos. „Man könnte ihn mit einem Untertitel modernisieren“, schlägt er vor. Schließlich zeigten Studien, dass junge Leute sehr wohl bereit seien zu sparen.

Immobilienkauf und Immobilienfonds – Flucht in Immobilien

Wer sein Geld in deutsche Staatsanleihen steckt, macht nach Abzug der Geldentwertung bereits jetzt mit Sicherheit nur eines, nämlich Verlust. Auch die Renditen der Lebensversicherungen sind im Sinkflug, dessen Ende nicht abzusehen ist. Vor Aktien fürchten sich die Deutschen ebenfalls, spätestens seit dem letzten Crash. Und die ersten Rufer warnen bereits vor einer Immobilienblase, also einem unmäßigen Preisanstieg, besonders in Großstädten wie Hamburg, Frankfurt am Main und München.

Die Sparquote sank im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) um 0,5 Punkte auf 10,4 Prozent. Damit ist die Quote im internationalen Vergleich aber immer noch sehr hoch, die Bundesbürger legen immerhin von verdienten 100 Euro fürs Sparen 10,40 Euro zurück. Anlass für den leichten Rückgang sei denn auch die gute wirtschaftliche Entwicklung gewesen, die keinen Anlass zum Sparen gegeben habe, erklärt der BVR.

Die Angst vor Inflation und die niedrigen Zinsen lösten einen Immobilienboom aus. Wer kann, steckt sein Geld in Betongold. Im vergangenen Jahr investierten die Bundesbürger 43,2 Milliarden Euro in Sachanlagen, 11 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Eine besondere Rolle spielten dabei die zunehmenden Investitionen der privaten Haushalte in Wohnimmobilien.

Die Mehrheit der Experten geht davon aus, dass es in Deutschland noch keine Immobilienblase gibt. Sie können sich auf eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stützen. Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht den deutschen Wohnungsmarkt noch weit entfernt von einer Überhitzung. Wie viele andere Forscher spricht Krämer von einer Zeit der finanziellen Repression. Niedrige Zinsen und eine mittelfristig steigende Inflation führen dazu, dass die Vermögen der Anleger tendenziell schrumpfen, zumindest wenn sie auf klassische Anlagen mit geringem Risiko setzen.

Einfache Grundregeln und individuelle Beratung

Verbraucherschützer raten seit langem dazu, sich beim Sparen auf ein paar wesentliche Grundsätze zu verlassen. So legt ein kluger Sparer nicht alle Eier in einen Korb, sondern streut sein Vermögen auf verschiedene Anlagearten in unterschiedlichen Ländern. Wer sein Geld in der nächsten Zeit nicht ausgeben will, etwa für das Eigenheim, der sollte zusehen, dass er an der Wertschöpfung der Wirtschaft teilhat.

Das geht zum Beispiel mit Aktien oder, besser noch, Indexfonds, die das angelegte Geld breit streuen. Das Tilgen von Schulden ist zudem meist profitabler, als Geld in eine neue Anlage zu stecken. Eine individuelle Beratung bieten die Verbraucherzentralen gegen eine Gebühr an.

Wer trotzdem Angst um sein Erspartes hat, der könnte sich an den vor rund 2.400 Jahren lebenden griechischen Philosophen Diogenes von Sinope halten. Dem galt Besitz als Last und Einschränkung der Freiheit. Einer Anekdote zufolge warf er sogar seinen Trinkbecher weg, als er sah, wie ein Kind mit den Händen Wasser trank.

dapd.djn/T2012102850528/ph/mwa