Keine Angst vor dem Gärtnerlatein – Botanische Pflanzennamen

Keine Angst vor dem Gärtnerlatein – Botanische Pflanzennamen sorgen für Klarheit – Ähnliches Prinzip wie Vor- und Nachname –Von ddp-Korrespondentin Dagmar Thiel

Kirchheim/Düsseldorf (ddp). Sie sind schwer auszusprechen, schwer zu merken und oft nur schwer verständlich: Mit den botanischen Pflanzennamen stehen viele Menschen auf Kriegsfuß. Warum also kann man dann nicht einfach die deutschen Bezeichnungen verwenden? «Deutsche Pflanzennamen sind nicht eindeutig», sagt Werner Wallner, Inhaber der Wassergärtnerei Nymphaion im schwäbischen Kirchheim. Denn für einheimische Pflanzen gibt es meistens eine ganze Reihe deutscher Namen.

Je bekannter eine Pflanze ist, desto mehr deutsche Namen existieren für sie. «Wir haben einmal gezählt, wie viele Namen wir in unserer Familie für Primula veris kennen: Es waren Himmelsschlüssel, Schlüsselblume, Primel, Blattenilge, Gaggeila und Badengala», sagt Wallner. Die ersten drei seien allgemein bekannt, die letzten drei dagegen nur im Allgäu. «Die drei ersten haben den Nachteil, dass es nur allgemeine Namen sind. Mit ihnen wird jede Primula bezeichnet, nicht nur Primula veris», erklärt der Fachmann. Diesen Nachteil haben die drei Allgäuer Namen zwar nicht, dafür werden sie aber auch nur im Allgäu verstanden. Keinen dieser sechs Namen könnten Gärtnereien verwenden, wenn sie diese Pflanze über die Region hinaus verkaufen wollten.

Botanische Pflanzennamen bieten den großen Vorteil, dass sie eindeutig sind. «Für jede Pflanze ist nur ein Name gültig und jeder dieser Pflanzennamen wird nur einmal vergeben», sagt auch Anke Bührmann vom Informationsbüro für Zwiebelblumen in Düsseldorf. Jahrhundertelang waren Gärtner, Biologen, Botaniker und andere Wissenschaftler weltweit auf der Suche nach neuen Pflanzen. Auch der internationale Handel mit Pflanzen und Saatgut hat eine lange Tradition. Schon damals hat sich gezeigt: Die Einigung auf weltweit gültige Regeln zur Pflanzenbenennung vermeidet Missverständnisse.

Sie macht es möglich, dass Menschen in den unterschiedlichsten Ländern wissen, was beispielsweise mit Pulsatilla vulgaris gemeint ist: Dahinter verbirgt sich jene Pflanze, die in Deutschland sowohl unter dem Namen Kuhschelle als auch Küchenschelle bekannt ist. «Die schwierigen botanischen Namen sorgen also für Klarheit, obwohl deutsche Namen wie Tränendes Herz, Schönfrucht oder Schattenglöckchen viel besser klingen», erklärt Bührmann. Deutsche Namen können aber auch verwirren. So hat die Küchenschelle zum Beispiel gar nichts mit der Küche zu tun. «Der Name stammt von dem Wort ‚kleine Kuh‘, also Küh-chen, die Bezeichnung Schelle bezieht sich auf die glockenförmigen Blüten», erklärt Bührmann.

Die Idee der botanischen Namen geht auf den schwedischen Naturkundler Carl von Linné zurück, der um 1750 das System der «binären Nomenklatur», also der Doppelnamen, einführte. Damit lassen sich alle in der Natur vorkommenden Pflanzen mit nur zwei Wörtern benennen. Die Besenheide, die auch als Sommerheide bezeichnet wird – in Deutschland also unter mindestens zwei Namen bekannt ist – heißt botanisch Calluna vulgaris. Der erste Name, der Gattungsname, wird immer groß geschrieben, das darauf folgende Wort ist eine spezifische Artbezeichnung und wird üblicherweise klein geschrieben. Zusammen mit dem Gattungsnamen entsteht so der Artname. «Dabei handelt es sich um ein Prinzip ähnlich der Vor- und Nachnamen, das eine Unterscheidung ermöglicht, aber auch gewisse Verwandtschaftsverhältnisse widerspiegelt», sagt Anke Bührmann.

Die Artnamen lassen oft schon einen Rückschluss auf eine Pflanzeneigenschaft zu. So steht nanus oder nana für klein, Betula nana bezeichnet deshalb eine kleinwüchsige Birke. Pendulus oder pendula weist auf eine Hängeform hin, wohingegen horizontalis für flachwachsende Pflanzen verwendet wird, wie den bodendeckenden Wacholder Juniperus horizontalis. Auch Farben lassen sich in den botanischen Namen erkennen: glauca steht für blaugrün, albus oder alba für weiß und aurea oder aureus für goldgelb. Hinweise auf die Blüten finden sich oft in Bezeichnungen, in denen das Wort florus – aus dem Lateinischen für Blüte – vorkommt: grandiflorus deutet auf große Blüten hin und multiflorus heißt vielblütig.

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