Kleine Vögel nicht selbst aufziehen – Unverletzte Jungtiere sollten am Fundort bleiben

Marburg (ddp). In diesen Wochen ziehen Vögel ihren Nachwuchs groß. Damit häufen sich auch die Funde von scheinbar verlassenen Jungtieren. Gartenbesitzer und Spaziergänger treffen auf vermeintlich elternlose Jungvögel, bringen sie zum Tierarzt oder versuchen sie von Hand selbst großzuziehen. Doch dies sei meistens falsch verstandene Tierliebe, erklären die Experten des Deutschen Grünen Kreuzes. Denn die Aufnahme in die menschliche Obhut sei für Jungvögel in vielen Fällen keine Hilfe.

Überlebensfähig werden die jungen Vögel in der Regel nur durch das gemeinsame Aufwachsen mit ihren Geschwistern in freier Natur. Vogelküken, die in menschlicher Pflege aufgezogen wurden, haben wegen der Konkurrenz zu den in freier Wildbahn aufgewachsenen und trainierten Artgenossen kaum eine Überlebenschance: Eine künstliche Aufzucht verursacht laut Deutschem Grünen Kreuz Fehlprägungen, Wachstumsstörungen und Befiederungsprobleme, was im Spätherbst oder Winter oft mit dem Tod des Vogels ende.

Um Jungvögeln wirklich zu helfen, sollten deshalb nur solche Tiere aufgenommen und zu einem Tierarzt oder in eine Pflegestation gebracht werden, die tatsächlich abgemagert oder äußerlich erkennbar verletzt sind: zum Beispiel bei Federverlust, Haut- oder Muskelwunden, gebrochenen Flügeln oder Beinen.

Oberstes Gebot ist es nach Auskunft der Tierschützer, unverletzte Jungtiere am Fundort zu belassen. Es handele sich in den meisten Fällen bei den scheinbar hilflosen Tieren nämlich nicht um Waisen. In der Vogelwelt kommt es häufig vor, dass beispielsweise noch nicht flugfähige Singvögel mit relativ vollständigem Gefieder das Nest vorzeitig verlassen. Diese sogenannten Ästlinge sitzen im Astwerk oder auch auf einer Wiese, stehen durch Bettelrufe noch mit ihren Eltern in Verbindung und bedürfen keiner menschlichen Hilfe.

Findet man einen Jungvogel an einer ungünstigen Stelle wie beispielsweise an einer stark befahrenen Straße oder auf einem belebten Kinderspielplatz, sollte man ihn in einigen Metern Entfernung an einen geschützteren Ort, zum Beispiel in eine Hecke oder ein Gebüsch, umsetzen. Noch nackte Jungvögel sollten möglichst vorsichtig ins Nest zurückgesetzt werden. Dies ist nach Mitteilung des Deutschen Grünen Kreuzes für das Tier unproblematisch, da sich Vögel im Gegensatz zu manchen Säugetieren nicht am menschlichen Geruch stören. Jungvögel werden also auch nach dem Umsetzen wieder von ihren Eltern angenommen und weiter versorgt.

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