Liegekomfort mit Abstrichen – Nicht alle Federkernmatratzen halten, was die Hersteller versprechen

Berlin (ddp). «Ausgiebiges Probeliegen ist das einzig sichere Mittel, die optimale Matratze für sich zu finden»: Das sagt Hans-Peter Brix, Projektleiter für Wohnen und Einrichten bei der Stiftung Warentest in Berlin. Der Warentester hat mit seinem Team neun Fabrikate moderner Taschenfederkernmatratzen zu Preisen zwischen 480 und 825 Euro auf Herz und Nieren geprüft und mit den Ergebnissen früher getesteter Federkernmatratzen sowie technisch weniger ausgeklügelter Kaltschaummatratzen verglichen. Das Resultat ist nach seinen Worten eher ernüchternd: «Die Testergebnisse zeigen, dass viele Versprechen der Hersteller ins Reich der Träume gehören.»

Da sei schnell mal die Rede von der «Luxusmatratze mit optimaler Anpassungsfähigkeit», vom «Premium-Schlafsystem mit dem vierfachen Gesundheitsplus» oder von der «einzigartigen Körperanpassung», die «für optimalen Druckausgleich und Entlastung der Wirbelsäule» sorgt. «Mit derlei üppiger Matratzenlyrik bewerben viele Anbieter die Vorzüge teurer Taschenfederkernmatratzen», weiß Brix. Die Ausbeute an guten Exemplaren sei hingegen eher mager. Auch am Preis lässt sich nach seinen Worten die Qualität der Schlafunterlage nicht ablesen: «Auf billigen Taschenfederkernmatratzen schläft es sich mitunter besser als auf einigen teuren Modellen.»

Taschenfederkernmatratzen bestehen aus kleinen, tonnenförmigen Stahlfedern, die einzeln in miteinander verbundene Vliessäckchen eingeschweißt sind. Die gängigen Modelle enthalten zwischen 350 und 900 solch kleiner Federpäckchen. Weil die Stofftaschen die Federkraft dämpfen, schwingen Taschenfederkerne normalerweise weniger unangenehm nach als unverpackte, billige Bonellfedern. «Außerdem sind Taschenfedern meist punktelastischer: Die Matratze gibt nur dort nach, wo sie belastet wird und kann sich so dem menschlichen Körper besser anpassen», erläutert Brix. Das sei wichtig für gute Abstützeigenschaften. Ferner lassen verschiedene Drahtstärken, auch in Kombination mit unterschiedlich harten Abdeckschäumen oder Feinpolstern, weichere und härtere Bereiche in der Matratze entstehen, sogenannte Liegezonen. Sie sollen den Schläfer genau dort stützen oder entlasten, wo es erforderlich ist.

Bei den meisten Matratzen preisen die Hersteller sieben Liegezonen an. «Allerdings sind diese Liegezonen bei vielen Modellen kaum oder gar nicht ausgeprägt», sagt der Warentester. Das ergab ein aufwendiges Prüfverfahren, bei dem sein Team jede Matratze mit elektronischen Prüfstempeln abgetastet hat. In der Mehrzahl der Fälle waren die Unterschiede minimal – von einer spürbaren Zonenwirkung keine Spur. «Das kann, muss aber nicht mal ein Nachteil sein», erklärt Brix.

Ebenso brächten vorhandene Zonen nicht automatisch Vorteile: «Allenfalls Käufer mit Durchschnittsmaßen mögen von eingearbeiteten Liegezonen profitieren. Körperregionen, die spezielle Unterstützung brauchen, liegen bei groß gewachsenen Menschen nun einmal woanders als bei kleinen, zierlichen Personen.» Mehr als drei Liegezonen für den Schulter-, Lenden- und Beckenbereich hielten Experten ohnehin für ziemlich sinnlos. Massenprodukte könnten deshalb höchstens einen Kompromiss bieten. Ärgerlich bleibe, so Brix, dass Kunden im guten Glauben viel Geld ausgäben für überzogene Versprechungen.

Durchweg gute Noten gab es für die Haltbarkeit und die Schadstoffbelastung der geprüften Taschenfederkernmatratzen. Nur ein Fabrikat büßte beim Dauerhärtetest mit einer Walze ein Viertel seiner Härte ein – mit der Folge, dass der Schläfer auf Dauer immer tiefer in die Matratze einsinkt. «Schadstoffe in Bezügen, Polstern und Kernen fanden wir nicht», bescheinigt Projektleiter Brix. Lästig sei aber oft ein noch wochenlang anhaltender starker Eigengeruch: «Es muss ausgiebig gelüftet werden, damit der Gestank nicht den Schlaf raubt.»

Die von den Herstellern ausgelobten Härtegrade bieten nach Mitteilung des Experten kaum Orientierung: «Jeder Anbieter kennzeichnet, wie er will. So kann die Angabe H3 in Wirklichkeit sehr weich, weich oder sogar hart bedeuten. Da hilft nur Probeliegen.» Und dafür sollte man sich Zeit nehmen, so seine dringende Empfehlung. «Auch wenn es komisch anmutet: Drehen und wenden Sie sich hin und her, setzen Sie sich auf und legen Sie sich wieder hin.» Nur so lasse sich herausfinden, ob man sich in allen Lagen auf der Matratze wohlfühlt und ob sie nur wenig nachschwingt. «Nehmen Sie auch Ihren Partner mit», rät Brix. «Der braucht vielleicht eine ganz andere Matratze als Sie. Und vereinbaren Sie ein Rückgaberecht, damit Sie die Matratze zu Hause ausgiebiger testen können. Auch wenn die Verpackungsfolie stören mag: Erst nach ein paar Nächten können Sie wirklich einschätzen, ob Sie bequem liegen.»

ddp/tvo/esc