Möbelbranche buhlt um Singles

– von Fabian Wahl — Die Möbelbranche hat eine neue Klientel entdeckt – die Singles. „Kompakt und praktisch“ lautet deshalb das Motto auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne, die am Montag (16. Januar, 09.00 Uhr) in Köln eröffnet. „Singles leben in der Regel in weniger Wohnraum und brauchen daher Multifunktionalität und Mehrwert bei Möbeln“, sagt Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Sperrige Schränke und wuchtige Sitzecken sind von gestern. Tragbare Poufs und Schreibtische im Laptop-Format sind angesagt.

Rund 1.150 Aussteller aus 54 Ländern präsentieren bis Sonntag ihre neuesten Trends für den Wohnraum. Zur Branchenschau, die ab Freitag auch für das Publikum öffnet, werden mehr als 100.000 Besucher erwartet. Mit der Möbelmesse IMM will die Einrichtungsbranche gleich zu Jahresbeginn weiter an Fahrt aufnehmen.

Welche Krise?

Nach harten Krisenzeiten hat sich die Branche erholt, die Hersteller trotzen vor Selbstbewusstsein. Ende 2012 soll die Branche wieder auf dem Umsatzniveau von vor der Krise Ende 2008 liegen, gibt VDM-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas vor. Damals hatte man einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro eingefahren.

Und die Aussichten sind gut: Um sechs Prozent konnte die Möbelindustrie den Umsatz schon 2011 steigern. Zugleich greifen die Bürger wieder tiefer in die Tasche. Für Sessel, Bett oder Schrank legte der Verbraucher im Jahr 2011 373 Euro auf den Tisch – ein Plus von 14 Euro im Vergleich zum Jahr 2009.

„Viele Konsumenten investieren in die eigenen vier Wände und in ein schönes Zuhause statt in Aktien und Wertpapiere“, sagt Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM).

Rund 16,2 Millionen Einpersonenhaushalte zählt Deutschland mittlerweile. Keine Wohnform gibt es häufiger. Kein Wunder also, dass dies der Möbelindustrie nicht entgeht. „Moderne Möbel erfüllen viele Funktionen gleichzeitig“, sagt Trendexpertin Geismann. Die neuen Sofas ließen sich einfacher verschieben, um in der kleinen Wohnung schnell Platz zu schaffen. Immer häufiger sind Tische rasch ausgezogen.

Natur in der Wohnung

Ein weiterer Trend geht zur Natur. In einer Holzbadewanne relaxen, auf richtigem Tierfell verweilen, über Korkfußboden spazieren und Echtmoos an der Wand: „Hauptsache naturelle, echte und authentische Materialien“, sagt Geismann, die sogar das Wort „Megatrend“ benutzt. Den Industriegeruch hätten die Bürger satt.

Selbst die Farben passen sich an. Himmelblau, Wiesengrün, Sonnenuntergangsrot und Lavendellila leuchtet es in Wohn-, Bad- und Schlafzimmern. Noch dieses Jahr sollen die Messeneuheiten im Handel stehen und um Kunden buhlen.

dapd.djn/fwa/mel