Neues Kleid für alte Wände – Beim Tapezieren kommt es auf den Kleister und das Timing an

München/Trebur (ddp). Für geübte Heimwerker ist Tapezieren ein Kinderspiel. «Anfänger sollten aber nicht gleich zur Mustertapete greifen, sondern den ersten Raum lieber mit einer einfachen Raufasertapete ausstatten», rät Susanne Ratza aus München, Autorin des Ratgebers «Selbst malern, lackieren und tapezieren». «Raufasertapeten sind leicht und problemlos zu tapezieren, mehrfach überstreichbar und können nach dem Trocknen mit fast allen Farben gestrichen werden», empfiehlt auch Wand- und Bodenexperte Michael Schmidt vom Ratgeberportal «die-heimwerkerseite.de» im hessischen Trebur allen Tapezier-Neulingen. Zudem sei Raufaser einschließlich Farbe später wieder leicht von der Wand zu entfernen.

«Vor dem eigentlichen Tapezieren muss zunächst der Untergrund überprüft werden», sagt Schmidt. Er sollte sauber, fest, trocken und rissfrei sein. Neu verputzte Wände müssen grundiert, alte Leimfarben und Tapetenreste entfernt werden. Rostflecken sind vor dem Tapezieren abzuschmirgeln, Lackfarben werden angelaugt und grundiert.

Die benötigte Tapetenmenge ist schnell ermittelt. «Die Größe von Raufaser-Tapetenrollen ist genormt und beträgt in der Länge 17 Meter und in der Breite 53 Zentimeter. Eine normale Raumhöhe bis 2,35 Meter ergibt pro Rolle also sieben Bahnen einschließlich fünf bis zehn Zentimetern Toleranz pro Bahn», rechnet der Fachmann vor. Bei höheren Räumen sind es entsprechend weniger. Die Anzahl der Tapetenbahnen ergibt sich aus dem Raumumfang. Ein 5,20 mal 4 Meter großer Raum beispielsweise hat 18,40 Meter Umfang. Diesen muss man durch die 53 Zentimeter Bahnenbreite teilen. «Bei großen Fensterfronten oder vielen Türen sollten die jeweiligen Breiten vom Raumumfang abgezogen und die Tapetenstücke ober- und unterhalb der Fenster sowie oberhalb der Türen jeweils einzeln unter Berücksichtigung einer Verschnittzugabe berechnet werden«, fügt der Fachmann hinzu.

Nachdem die Raumhöhe gemessen ist, wird diese plus fünf bis zehn Zentimeter Zugabe auf dem Tapetentisch markiert. Die Rolle wird vom linken Tischrand bis zur Markierung abgerollt und mit dem Tapetenmesser abgeschnitten. »Nehmen Sie die erste Bahn als Muster und schneiden die restlichen Bahnen, zunächst etwa zwei bis drei Rollen, damit der Stapel nicht zu hoch wird«, rät Schmidt. »Beim Einkleistern schieben Sie den Tapetenstapel so, dass er bündig an der linken Tischecke und am hinteren Tischrand anliegt, und ziehen dann die erste Bahn an den vorderen Tischrand.« Das habe den Vorteil, dass die Kanten der darunterliegenden Bahnen nicht mit Kleister bestrichen werden. Von der Mitte aus wird nun die Tapete eingekleistert. Auch im Kantenbereich ist darauf zu achten, dass immer zum Rand hin gestrichen wird.

»Der Kleister muss genau nach Gebrauchsanweisung angerührt sein«, betont Susanne Ratza. Ist er zu dick, so entstehen Klumpen, die später unter der Tapete Beulen bilden. Ist er zu dünn, hält womöglich die Tapete nicht an der Wand. Nach dem Einkleistern wird die Tapete zum Einweichen von beiden Enden zusammengelegt – zu einem Drittel am unteren und zu zwei Dritteln am oberen Ende. „Danach rollen Sie die Tapete zusammen, dadurch werden die Kanten entspannt und haben später eine bessere Anfangshaftung im Nahtbereich«, erklärt Schmidt. Die Weichzeit beträgt 10 bis 15 Minuten. Auch hier sollten nach Susanne Ratzas Worten genau die Herstellerangaben beachtet werden, damit die Tapete beim Kleben vollständig gedehnt und nicht zu trocken ist.

»Tapezieren Sie dann stets von Fenstern weg, also immer mit dem Lichteinfall«, rät Profi-Heimwerker Schmidt. Dadurch seien eventuelle Überlappungen im Nahtbereich später nicht so auffällig. Zuerst wird an der Wand möglichst mit der Wasserwaage ein senkrechter Strich etwa 50 bis 51 Zentimeter von einer Ecke ausgehend als Markierung für die erste Bahn gezogen. »Das ist besonders wichtig in Altbauten, wo möglicherweise Wände und Decken nicht perfekt im rechten Winkel stehen«, erläutert Susanne Ratza. Die Zweidrittel-Seite der ersten Tapetenbahn wird aufgeklappt an der Markierung bündig angesetzt. »Lassen Sie zur Decke ein paar Zentimeter Überstand stehen und streichen Sie die Tapete von der Mitte aus mit einer Tapezierbürste an«, beschreibt Schmidt. »Den oberen Überstand drücken Sie nun mit dem Scherenrücken in die obere Ecke, dabei wird der Eckpunkt zwischen Decke und Wand automatisch auf die Tapete übertragen.« Tapete wieder ein Stück abziehen, an der markierten Stelle abschneiden und mit der Tapezierbürste andrücken. Danach wird das untere Drittel aufgezogen, angedrückt und ebenfalls abgeschnitten. Die folgenden Bahnen werden in derselben Weise Kante an Kante mit der vorherigen geklebt.

An Fensterwänden empfiehlt Michael Schmidt, das Tapezieren an den Seiten links und rechts des Fensters jeweils mit einer ganzen Tapetenbahn zu beginnen. Dabei sollten die Bahnen so angesetzt werden, dass sie etwa zwei Zentimeter in die Leibung des Fensters eingeklappt werden können. Dann die oberen und unteren Stücke einkleben, die oberen Stücke sollten um die Kante herum in die Fensterleibung bis zum Fensterrahmen bemessen sein. Zum Schluss werden zuvor passgenau geschnittene Stücke für die Fensterleibung eingeklebt. »Bei Türen tapezieren Sie mit dem Lichteinfall bis an die Zarge heran, drücken den Überstand zur Zarge an und schneiden ihn ebenfalls mit einem Cuttermesser ab«, erklärt Schmidt: »Setzen Sie das kurze Stück oberhalb der Türzarge ein und fahren dann wie beim Fenster mit einer ganzen Bahn fort.«

Ein häufiger Fehler ist das Überheizen frisch tapezierter Räume, warnt Susanne Ratza: »Wenn die Tapete schneller trocknet als der darunter liegende Kleister, zieht sie sich wieder zusammen, und es bilden sich Spalten an den Nähten.« Der tapezierte Raum sollte daher nicht wärmer als 18 Grad geheizt, gelüftet, aber keiner Zugluft ausgesetzt sein. Ein letzter Tipp kommt noch von Michael Schmidt: »Vor dem Tapezieren müssen Lichtschalter und Steckdosen entfernt werden. Dafür sollten unbedingt die Sicherungen herausgedreht sein.»

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