Niedrigzinsphase: Alptraum für Sparer – Freude für Bauherren?

Niedrigzinsphase: Alptraum für Sparer – Freude für Bauherren?Seit Marz 2016 sind die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank auf einem Tiefstand von minus 0,4 Prozent. Für Banken bedeutet diese Negativpolitik herbe Verluste, da sie mit den Spareinlagen ihrer Kunden nicht länger Renditen erwirtschaften können. Daran wird sich zumindest bis März 2017 nichts ändern, denn dann findet ein neues Treffen der EZB-Spitzen statt, in dessen Verlauf ein Kurswechsel verkündet werden könnte. Für Sparer hat diese Entwicklung ebenfalls verheerende Effekte: Einerseits bekommen sie kaum noch Zinsen auf ihr hart erspartes Vermögen, andererseits versuchen viele Banken ihre Verluste durch das Erheben von Gebühren auszugleichen. Dadurch haben Sparer sowohl mit steigenden Kosten als auch mit weniger Zinserträgen zu rechnen.

Runter von den Konten

Vereinzelt werden sogar Stimmen laut, die prophezeien, dass die Finanzinstitute die Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben könnten. Dadurch würden Sparer Geld verlieren, wenn sie es ungenutzt auf ihrem Konto ruhen lassen. Für den Schweizer Markt wurde dazu eine Studie veröffentlicht, die sich damit beschäftigt, wie Kunden auf einen solchen Negativzins reagieren würden. Das Ergebnis: Jeder vierte Befragten würden sein Geld abheben und fortan bar zu Hause aufbewahren, jeder fünfte würde sein Geld in Fonds oder Sparplänen anlegen, gleichzeitig würde jeder siebte in eine oder mehrere Immobilien investieren. Profitieren würden davon vor allem Finanzierungsanbieter und Hypothekarvermittler wie Moneypark – über einen Hypothekenrechner können sich Kunden auf deren Website informieren und aktuelle Konditionen für Darlehen in der Schweiz abfragen. Kommt es – wie befürchtet – zu einem Negativzinsen auf Spareinlagen, könnte das einen neuen Immobilienboom auslösen.

Vergleichbare Entwicklung?

Auch wenn der Schweizer Markt ein gänzlich anderer als der deutsche ist, könnten sich auch hierzulande ähnliches abspielen. Die Niedrigzinsphase hat schließlich bereits eine ähnliche Entwicklung angeregt. Günstige Baukredite und eine hohe Nachfrage nach Immobilien sorgen bereits für einem Bauboom. Ein Großteil dieser Immobilien wird über Kredite finanziert – im Durchschnitt beträgt dieser rund 203.000 Euro. Der daraus resultierende Bauboom besorgt mittlerweile sogar die Bundesregierung. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung plant das Finanzministerium daher ein neues Immobilien-Gesetz, dass den Boom ausbremst. Dadurch müssten Kreditnehmer fortan höhere Anforderungen erfüllen, um ein Darlehen zu erhalten und beispielsweise ein höheres Eigenkapital mitbringen. Bisher hält der Baumboom jedoch weiter an – sollte der Negativzins an die Sparer weitergegeben werden, könnte sich diese Entwicklung noch einmal verschärfen.

Strafzins unwahrscheinlich

Der Bundesverband der deutschen Banken hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass die Negativzinsen an die Kunden weitergegeben werden. Grund dafür sei der harte Wettbewerb unter den einzelnen Instituten. Zudem müssten Banken mit einer Klagewelle rechnen, da sich wahrscheinlich viele Kunden gegen einen solchen Strafzins wehren würden. Wahrscheinlicher ist eine weitere Erhöhung der Gebühren, die für Kontoführung oder Überweisungen anfallen, denn Gebühren können Banken wesentlich einfacher erheben als einen Negativzins.

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