Preispolitik der Stromkonzerne stößt auf wachsende Kritik

Düsseldorf (dapd). Die Preiserhöhungen zahlreicher Stromkonzerne zum Jahreswechsel stoßen auf wachsende Kritik. In einer am Dienstag von der Bundestagsfraktion der Grünen veröffentlichten Studie bezeichnete der Energiewissenschaftler Gunnar Harms die Verteuerung des Stroms für Haushaltskunden als „nicht gerechtfertigt“. DieVerbraucher in Deutschland zahlen nach seinen Schätzungen 2011 rund  zwei Milliarden Euro zu viel an die Stromversorger, wenn die Preisanhebung flächendeckend umgesetzt wird.

Der nordrhein-westfälische Verbraucherminister Johannes Remmelwarf den Stromkonzernen vor, die Verbraucher zu übervorteilen.Preissenkungen an den Strombörsen seien nicht an die Kundenweitergegeben worden. „Hier maximiert eine Branche ihren Profit aufKosten der Bürgerinnen und Bürger“, kritisierte derGrünen-Politiker. Sein baden-württembergischer Amtskollege RudolfKöberle (CDU) appellierte an die Verbraucher, mehr Bereitschaft zumWechsel des Stromanbieters zu zeigen. Nur so könne der Wettbewerbauf dem Strommarkt angeheizt werden.

Zum Jahreswechsel steigen die Strompreise für jeden zweitenHaushalt in Deutschland. Nach einem Branchenüberblick desVerbraucherportals Verivox werden im Januar und Februar rund 550Energieversorger den Strom verteuern. Nach den Erhebungen vontoptarif.de drehen sogar 622 Versorger an der Preisschraube.

Zwtl: BDEW verteidigt Preiserhöhungen

Begründet wird die Verteuerung mit dem Anstieg der gesetzlichvorgeschriebenen EEG-Umlage, die zur Förderung der erneuerbarenEnergien dient und mit der Stromrechnung kassiert wird. Allerdingszweifeln immer mehr Verbraucherschützer und Politikern an derArgumentation der Stromkonzerne.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen imBundestag, Bärbel Höhn, kritisierte in der „Leipziger Volkszeitung“die Stromkonzerne: „Hier wird ein Vorwand genutzt, umungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren.“ DieEnergieexpertin der Fraktion, Ingrid Nestle, rügte in der“Saarbrücker Zeitung“, die Versorger erhöhten vielfach die Preisenur, um ihre Gewinne zu steigern.

Nach der von den Grünen vorgelegten Energiestudie könnte dieAnhebung der EEG-Umlage durch Einsparungen an anderer Stellevollständig kompensiert werden. So seien die Beschaffungskosten fürStrom seit Herbst 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken. DieserPreisverfall sei aber nie an die Endkunden weitergegeben worden,rügte der Gutachter, der auch stellvertretender Vorsitzender desBundes der Energieverbraucher ist. Das Gutachten kommt zu demErgebnis, dass 2010 ertragsmäßig ein Rekordjahr insbesondere für dievier großen Stromversorger wird. „Ihr gesamter Jahresgewinn dürftebei rund 30 Milliarden Euro liegen. Nie zuvor haben sie einenhöheren Gewinn eingefahren“, analysierte Harms.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)betonte dagegen, die möglichen Vorteile aus dem Stromeinkauf könntendie Kostenbelastungen aufgrund der gestiegenen EEG-Umlage und dererhöhten Netzentgelte nicht ausgleichen. Hohe Steuern und Abgabenbelasteten die Strompreise in Deutschland immer stärker.

dapd.djn/re/mwa