Rechtstipp: Feuchte Keller und Taubenflug sind kein Grund für Mietminderung

München/Berlin (dapd). Mieter dürfen die Miete wegen starker Belästigung durch Tauben nur dann mindern, wenn der Vermieter einewesentliche Ursache für den Taubenbefall gesetzt hat. Auf einentsprechendes Urteil des Amtsgerichts München weist der DeutscheAnwaltverein hin (AZ: 461 C 19454/09). Die Mieterin einer Anfang2006 vermieteten Wohnung im zweiten Obergeschoss minderte die Miete zum einen, weil der Keller wegen des feuchten Bodens nicht zubenutzen sei. Deshalb seien schon mehrere Gegenstände dort verschimmelt. Außerdem würden immer wieder Tauben versuchen, auf ihrem Balkon zu nisten. Der Boden und die Möbel seien mit Taubenkotübersät. Sie müsse den Balkon jeden zweiten Tag schrubben.

Eine Minderung wegen des feuchten Kellers scheide aus, meintendie Richter. Das Haus sei um das Jahr 1950 erbaut worden, als nachdem Zweiten Weltkrieg in Deutschland innerhalb kürzester Zeit sehrviel Wohnraum benötigt wurde. Es sei allgemein bekannt, dass damalsnur mit eingeschränkten Mitteln und nicht in bester Qualität gebaut werden konnte. Die Mieterin hätte von vornherein damit rechnenmüssen, dass der Keller feucht und damit nicht uneingeschränkt zurLagerung von Gegenständen geeignet sei.

Auch bei dem geschilderten Taubenbefall handele es sich nicht umeinen Mietmangel. Starker Taubenflug gehöre zum allgemeinenLebensrisiko. Es sei nicht erkennbar, dass die Vermieterinverantwortlich sei, etwa durch eine besondere Fassadengestaltung.Vielmehr seien die Tauben nach Angaben der Mieterin aus einem gegenüberliegenden Baum zugeflogen. Die Richter sahen keinenUnterschied zu Fällen, in denen es beispielsweise aufgrund eines feuchten Sommers zu einem besonders starken Stechmückenaufkommen komme oder in denen Maulwürfe einen mit angemieteten Garten umgraben. Der Vermieter könne ohne eigenes Zutun nicht für eine Taubenplage in einer innerstädtischen Wohnanlage verantwortlich gemacht werden.

dapd.djn/kaf/mbr