Sagenumwobenes heimisches Wildobst – Schwarzer Holunder – Alte Heilpflanze

Sagenumwobenes heimisches Wildobst – Schwarzer Holunder ist mehr als ein einfacher Gartenstrauch – Alte Heilpflanze braucht viel Platz –Von ddp-Korrespondentin Dagmar Thiel–

Neustadt (ddp). Noch sitzen die kleinen Kugeln grün an den Zweigen. Doch bereits in wenigen Wochen ist es wieder so weit: Die Holunderbeeren werden reif. Je nach Sorte beginnt die Ernte ab Mitte August und geht dann bis September oder Oktober. Bereits im Mittelalter war Schwarzer Holunder als «Apotheke des Bauern» geschätzt und in vielen Bauerngärten anzutreffen. Lange umgab den Holunderstrauch eine Aura des Mythisch-Mystischen. Dabei mischten sich tatsächliche Heilwirkungen mit magischen Vorstellungen. Seine Verbreitung zeigt sich in den vielen Namen, unter denen er regional bekannt ist: Holler, Holder, Schwarzholder, Backholder, Flieder, Betschel, Eiderbaum, Huskolder, Keilken, Kischke, Schwitztee oder Alhorn.

«In den vergangenen Jahren kann man ein deutlich steigendes Interesse an Wildobstarten wie Holunder beobachten», sagt Eva Morgenstern von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Holunder verschönere den Garten durch Wuchs, Blätter, Blüten und Früchte, zugleich ließen sich seine Früchte vielfältig verarbeiten. «Als Hecke, Schutzstreifen, Böschungsbegrünung, Vogelschutzgehölz und Bienenweide bieten Wildobstarten vielfache Möglichkeiten der Garten- und Landschaftsgestaltung», so Morgenstern.

Holunder ist ein flachwurzelnder, schnellwachsender Baum oder Strauch, der drei bis sechs Meter hoch wird: Die Äste sind sehr markreich. Eine Pflanzung im Frühjahr gilt als vorteilhaft, denn bei einer Herbstpflanzung reift das Holz bis zum Winter nicht genügend aus. Wichtig ist ein tiefgründiger, durchlässiger Boden.

Nach Auskunft der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim kann man sich einen Holunder auch ganz einfach selbst ziehen: Dazu wird ein etwa 30 Zentimeter langes Steckholz geschnitten und in eine halbschattige Gartenecke gesetzt. Ist genügend Wasser vorhanden, beginnt es schnell auszutreiben. Nach zwei bis drei Jahren hat sich ein schöner, blühender Busch entwickelt, der im Herbst viele verwertbare Früchte trägt. Grundsätzlich ist Holunder sehr schnittverträglich, er sollte jedoch nicht ganz zurückgeschnitten werden, da er dann keine Blüten und Früchte ansetzt. Er blüht und fruchtet nur am zweijährigen Holz.

Für den Gartenbesitzer hat Holunder trotz seines robusten Wachstums und seiner Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge nicht nur positive Eigenschaften. «Im Ertragsstadium stehende Büsche haben einen hohen Platzbedarf von etwa 20 Quadratmetern», erklärt Eva Morgenstern. Die Blüten verströmen zudem einen süßlich-strengen Geruch, der nicht jedermann zusagt. «Die Ausscheidungen von Vögeln, die sich über den Holunder hergemacht haben, vermögen Haus und Hof recht drastisch zu verunreinigen», sagt die Gartenexpertin weiter. Freizeitgärtner sollten Holunder daher eher am Gartenrand oder als Bestandteil einer freien Hecke pflanzen. Bewährt haben sich nach Auskunft der Gartenakademie die Sorten «Haschberg», «Hamburg» und «Sambu». Auf frischen und nährstoffreichen Standorten gedeiht Holunder am besten.

Holunder ist seit Jahrhunderten mehr als ein einfacher Gartenstrauch. Blüten und Beeren können in der Küche vielfältig verwendet werden. Die Beeren sind zudem ein bewährtes Wäschefärbemittel, aus den markigen Zweigen lassen sich Spielzeuge wie Blasrohre basteln. «Mit dem Saft aus den schwarzvioletten Beeren färbte man früher Wein rot und Textilien blau, rot oder violett. Auch Ostereier kann man damit blauschwarz färben», sagt Gertrud Scherf, Autorin des Buches «Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt». Scherf nennt weitere alte Tipps der Holunderverwendung: «Mit den Blättern hat man Kupfergeschirr gereinigt, um es vor Grünspan zu schützen. Besonders gut lassen sich mit den Beeren schwarze Lederschuhe pflegen.» Dazu sollte man eine Handvoll Beeren in einem Glas zerquetschen. Diese Schuhwichse trägt man mit einem Lappen auf, lässt sie trocknen und poliert dann mit einer weichen Bürste. «Das funktioniert auch heute noch», sagt Gertrud Scherf über das alte Hausmittel.

Roh verzehren darf man Holunderbeeren nicht. Insbesondere die nicht voll ausgereiften Früchte enthalten den Stoff Sambunigrin, der zu Darmverstimmungen führen kann. Der Giftstoff wird durch Erhitzen und Vergärung aber abgebaut, dann ist schwarzer Holunder wegen des hohen Vitamin- und Mineralstoffgehaltes sehr gesund.

ddp/thi/esc

Neustadt (ddp). Da Holunderbeeren nur nach Erhitzung genießbar sind, bietet sich im Haushalt das Dampfentsaften zur Saftgewinnung an. Hierzu können die ganzen Dolden verwendet werden, aus denen man lediglich die dicken Stiele herausschneidet. Soll Saft zum Trinken gewonnen werden, wird Holunder einige Stunden vor dem Entsaften gezuckert. Dies erhöht die Saftausbeute. Pro Kilogramm Holunder sind zwischen 100 und 200 Gramm Zucker nötig. Der Saft muss zum Trinken verdünnt werden. Saft zur Weiterverarbeitung, zum Beispiel zu Gelee oder Likör, wird ohne Zuckerzugabe entsaftet.

Die Entsaftungszeit liegt bei etwa 30 Minuten. Wegen des geringen Säuregehaltes von Holunder ist der Saft für säureempfindliche Personen zwar sehr gut geeignet, in der Regel wird die Säurearmut jedoch geschmacklich als Mangel empfunden. Dies kann man aber durch Zugabe von Zitronensaft oder durch Mischen mit säurehaltigen Säften oder Obst ausgleichen.

(Quelle: Gartenakademie Rheinland-Pfalz)

ddp/thi/esc