Sparbuch erlebt ein «Comeback» – Deutsche setzen in der Krise auf Sicherheit

Berlin (ddp.djn). Es ist ein festes Ritual: Am 30. Oktober tragen Kinder ihre Sparschweine zur Bank und erhalten als Dank für die Einzahlung aufs Sparbuch ein Geschenk. Damit verhalten sie sich hochmodern: Die Deutschen setzen angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise offenbar verstärkt auf konservative Geldanlagen, ergab eine am Dienstag vorgestellte Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) unter mehr als 2000 Personen.

Das Sparbuch hat der Erhebung des DSGV zufolge ein «Comeback» erlebt. Mit 62 Prozent liege das Sparbuch zusammen mit höher verzinslichen Anlageformen wie dem Zuwachssparen erstmals seit Jahren vor Lebens- und Rentenversicherung (je 60 Prozent) und dem Bausparvertrag (51 Prozent), sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis am Dienstag in Berlin. Über Aktienanlagen verfügten nur 22 Prozent der Bürger.

Sicherheit sei das wichtigste Anlageziel. 75 Prozent der Befragten hätten dieses Kriterium als sehr wichtig bewertet, lediglich 26 Prozent hätten die Rendite als wichtigstes Anlageziel genannt. Haasis begrüßte das gestiegene Sicherheitsbewusstsein der Deutschen, das er als «eine Reaktion auf die Auswüchse der Finanzmärkte» bezeichnete, die in die Krise geführt hätten.

Angesichts einer steigenden Eigenverantwortung der Bürger forderte Haasis eine deutliche Erhöhung des Sparerpauschbetrages. Bei vier Prozent Zinsen könnten mit dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro nur rund 20 000 Euro steuerfrei angelegt werden. «Das ist deutlich zu wenig, um ausreichend für Lebensrisiken selbst vorzusorgen», bemängelte der DSGV-Präsident. Speziell für die Kleinsparer müsse der Vermögensaufbau besser gefördert werden, verlangte Haasis und verwies auf die hohe Sparbereitschaft der Menschen. 178,5 Milliarden Euro hätten die Bundesbürger 2008 an Ersparnissen gebildet, was einer Sparquote von 11,2 Prozent entspreche. Damit liege die Sparquote auf dem höchsten Niveau seit 1993.

Welchen Anteil der 1924 vom internationalen Sparkassenkongress ins Leben gerufene Weltspartag daran hat, kann der DSGV nicht sagen. Gut erinnern kann sich der DSGV-Präsident Haasis aber an eigene frühe Sparanstrengungen zum Weltspartag, der in Deutschland mit Rücksicht auf den Reformationstag auf den 30. statt den 31. Oktober fällt. Auch der 64-Jährige hat als Kind jedes Jahr sein Erspartes auf ein Sparbuch eingezahlt. Allerdings kam es immer mal wieder vor, dass er zuvor doch ein paar Pfennige für Süßigkeiten brauchte. «Dann habe ich mit der Haarnadel meiner Mutter versucht, einige Münzen aus dem Einwurfschlitz der Sparbüchse zu fischen», gestand er.

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