Stiftung Warentest: Anlageberatung der Banken ist «jämmerlich»

… Beratungsgespräch-Test fällt noch schlechter aus als im Vorjahr  — von Lisa Caspari —

Deutsche Banken beraten ihre Kunden weiterhin schlecht und halten sich dabei kaum an Gesetze  zum Anlegerschutz. Dies  ergab ein Test der Stiftung Warentest bei 21 großen Kreditinstituten, wie die Verbraucherschutzorganisation am Dienstag in Berlin mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahrestest bei denselbenBanken habe sich die Qualität der Anlageberatung sogar nochverschlechtert und sei inzwischen gar auf «jämmerlichem» Niveau. Sechs Institute erhielten für ihre Finanzberatung demnach die Note «mangelhaft«,  keine Bank schnitt mit «gut» oder »sehr gut« ab.

Besonders negativ bewertet wurde laut Stiftung Warentest, dass die Finanzberater in der Hälfte der Fälle über die Beratungsgespräche keine schriftlichen Protokolle verfassten. Dies ist aber seit diesem Jahr gesetzlich vorgeschrieben, damit die Kunden bei einer möglichen falschen Beratung durch die Bank mehr Rechtssicherheit haben. Auch fragten die Bankmitarbeiter ihre Kunden in knapp der Hälfte der Gespräche nicht wie gesetzlich gefordert nach ihrem finanziellen Hintergrund.

Mitarbeiter von Stiftung Warentest hatten im Frühjahr insgesamt146 Gespräche bei  Banken geführt. Sie ließen sich darüber beraten,wie sie ein Vermögen von 35 000 Euro am besten zehn Jahre langanlegen könnten. Bankberater empfohlen den Testern denVerbraucherschützern zufolge oft zu riskante Anlagemöglichkeiten und«schielten» dabei vor allem auf die eigene Provision.

In der Studie, die in der Zeitschrift »Finanztest« nachzulesenist, erreichten die Sparkasse Hannover, die Hamburger Sparkasse unddie Kreissparkasse Köln mit der Note »befriedigend« das besteErgebnis. Der Tabellenführer des Vorjahres, die Commerzbank,verschlechterte sich indes auf ein «ausreichend».

Nur mit «mangelhaft» schnitten laut hingegen die Hypovereinsbank,die Postbank, BW Bank, Targobank, Nassauische Sparkasse sowie dieVolksbank Mittelhessen ab. Für die schlechte Bewertung sorgte denVerbraucherschützern zufolge oftmals die Tatsache, dass diegesetzlich verpflichtenden Beratungsprotokolle nicht erstellt wurden. Zwar habe sich die Beratungsleistung der Finanzinstitute im Vergleichzum Vorjahr leicht verbessert, die Gesetzesverstöße wögen aber zuschwer.

Der Zentrale Kreditausschuss, in dem die Spitzenverbände der deutschen Banken und Sparkassen vereinigt sind,  räumte als Reaktion auf die Testergebnisse ein, es gebe bei der Protokollierung von Beratungsgesprächen «offenbar noch deutlichen Nachholbedarf». Die gesetzlichen Vorgaben müssten sich in der Praxis noch einspielen und das Vorgehen der Finanzberater «wo nötig auch verbessert werden». Sprecher von Postbank und Targobank teilten mit, man wolle zunächst die genauen Kriterien des Beratungstests betrachten und dann mögliche Ursachen für die jeweils mangelhafte Bewertung ermitteln.

Stiftung Warentest rät Verbrauchern indes, sich in Finanzfragen nicht auf einen einzigen Bankberater zu verlassen, sondern stets verschiedene Vorschläge einzuholen. Auch sollten Kunden auf einBeratungsprotokoll bestehen.

(Quelle: Bericht in Zeitschrift «Finanztest», ZentralerKreditausschuss in Mitteilung, Banken auf ddp-Anfrage)

ddp.djn/lca/mbr