Wie Konsumenten ausgetrickst werden – Deutschlands oberster Verbraucherschützer gibt Tipps für zunehmend überforderte Bürger in einer immer komplizierter werdenden Konsumwelt –Von ddp.djn-Korrespondent Ralf Beunink–

Berlin (ddp.djn). Den günstigsten Strom- oder Telefonanbieter, die beste Altersvorsorge, die geeignetste Krankenkasse, die gesündesten Lebensmittel, die renditestärkste und sicherste Kapitalanlage – Deutschlands Verbraucher haben täglich die Qual der Wahl und werden dabei zunehmend überfordert. «Mittlerweile gehören Managerqualitäten zu den Schlüsselfertigkeiten des modernen Otto Normalverbrauchers», sagt Deutschlands oberster Verbraucherschützer Gerd Billen.

«Die Verbraucher stehen vor völlig neuen Herausforderungen». Und es werden nach Ansicht von Billen, der seit August 2007 dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vorsteht, in Zukunft noch mehr werden. Hier macht der Experte vor allem den Bildungsbereich aus, wo Verbraucher künftig verstärkt eigene Investitionsentscheidungen treffen müssen.

Mit seinem Buch «Ausgetrickst und angeschmiert – Wie wir Verbraucher uns wehren können» will Billen ein wenig Orientierung bieten in einer immer komplizierter werdenden Welt aus undurchsichtigen Tarifstrukturen, illegaler Telefonwerbung, vergifteten Waren aus fernen Ländern und Abonnement-Fallen im Internet. «Der mündige Verbraucher fällt nicht vom Himmel», sagt Billen. Dabei nimmt der Experte die verschiedenen Märkte, etwa für Energie, Lebensmittel, Finanzprodukte, Gesundheit, Telekommunikation genauer unter die Lupe, zeigt die Veränderungen der vergangenen Jahre – etwa durch Deregulierung – auf, und analysiert die Rolle des Konsumenten in diesen Märkten. «

Dabei hat Billen durchaus Verständnis für die Schwächen vieler Verbraucher. «Die Lust sich um seine private Altersvorsorge zu kümmern, ist ungleich geringer, als die, sich neue Schuhe oder einen neuen CD-Player zu kaufen», sagt er. Ein Großteil der Verbraucher, die eine Riester-Rente haben, hätten aufgrund unzureichender Informationen einen eher schlechten Vertrag abgeschlossen, beklagt Billen und beruft sich auf Untersuchungen der Verbraucherschützer. Grundsätzlich müssten Konsumenten besser informiert werden und die Informationen leicht zugänglich sein. «Es kann nicht sein, dass ich eine Ausbildung zum Hobby-Chemiker brauche, wenn ich zu Weihnachten eine Puppe kaufen möchte», kritisiert der Verbraucherschützer mit Blick auf die vielen gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe in vielen Spielzeugen aus China.

Wenige Monate vor der Bundestagswahl hat Billen auch konkrete Forderungen an die Politik. Sie habe die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. «Ich würde mir wünschen, dass Verbraucherpolitik eine aktivere Rolle übernimmt», sagt er. So müsse die Verbraucherpolitik einen mehr vorsorgenden Charakter bekommen, statt immer nur auf Krisen zu reagieren. Zudem müsse die Kompetenz der Verbraucher, sinnvolle Kaufentscheidungen zu treffen, gestärkt werden.

Angesichts der Finanzmarktkrise fordert Billen einen Ausbau der Finanzmarktaufsicht. «Hier haben wir einfach eine große Lücke», kritisiert er. So sei der Verkauf der umstrittenen Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers, mit dem viele deutsche Anleger Geld verloren haben, in den USA selbst verboten gewesen. Durch Falschberatung bei Anlageprodukten würden deutschen Anlegern jährlich bis zu 30 Milliarden Euro verloren gehen.

Gegen Ende des Buches listet Billen 111 Verbraucherfallen auf. Darunter findet sich viel Altbekanntes, etwa dass die großen Einkaufswagen in den Lebensmittelmärkten zu größeren Einkäufen animieren sollen oder sogenannte Schnupperabonnements bei Zeitungen sich automatisch verlängern, wenn der Verbraucher nicht aktiv kündigt. Dafür werden bei anderen Problemen konkrete Tipps geboten. Auch die Erkenntnis, dass man bei dubiosen Telefonumfragen oder angeblichen Geldgewinnen lieber gleich auflegen sollte, ist nicht neu. Bei anderen Problemen, etwa der Abzocke mit Klingeltönen im Internet oder Problemen mit der Bahn gibt das Buch konkrete Ratschläge, wo weiterführende Hilfe zu erhalten ist. Für viele Situationen erläutert Billen zudem die konkrete Rechtslage, etwa wenn das Lockvogelangebot im Discounter wieder mal nach einem halben Tag ausverkauft ist.

ddp.djn/rab/mwo