Zuhause auf Zeit – Wohnen auf Zeit

Zuhause auf Zeit – Spezielle Vermittlungsagenturen bieten zeitlich begrenzte Wohnmöglichkeiten – Vorsicht bei hohen Provisionen –Von ddp-Korrespondentin Dania Ringeisen–

Stuttgart/Recklinghausen (ddp). Im Job sind heutzutage Flexibilität und Mobilität gefragt. Heute hier, morgen dort zieht es viele Berufstätige von Stadt zu Stadt, von Hotel zu Hotel. Doch viele dieser «Jobnomaden» fühlen sich in der Anonymität eines Hotelzimmers nicht wohl. Seit einigen Jahren sprießen aus diesem Grund spezialisierte Vermittlungsagenturen mit zeitlich begrenzten Wohn-Angeboten wie Pilze aus dem Boden. Sie übernehmen die Wohnungssuche und vermitteln Räumlichkeiten für Tage, Wochen oder auch mehrere Monate in allen Lagen und Preisklassen – vom Zimmer für das Praktikum über ein City-Appartement für den beruflichen Aufenthalt bis zum Haus im Grünen für die ganze Familie.

«Zielgruppen solcher Angebote sind meist Geschäftsreisende, die sich mehr Privatsphäre wünschen, aber auch Saisonarbeiter oder Praktikanten, deren Aufenthalt von nur kurzer Dauer ist», erläutert Karl-Friedrich Moersch, Rechtsanwalt für Miet- und Wohnungseigentum aus Stuttgart. «Wohnen auf Zeit» sei eine preisgünstige Alternative zum Hotelzimmer und eine zeitsparende Variante zur klassischen Wohnungssuche. Denn die Räume seien meist möbliert und komplett ausgestattet.

«Die Mietdauer beträgt meist zwischen einem und zwölf Monaten. Selten werden dagegen Wohnungen nur für mehrere Tage angeboten», erläutert der Experte. Begleitet werde der Service häufig von einer Reihe kostenpflichtiger Zusatzleistungen, die zeitlich begrenztes Wohnen unkompliziert und angenehm gestalten sollen. «So gibt es häufig einen Concierge-Service, der sich um die schmutzige Wäsche kümmert, Hemden bügelt und einkaufen geht, oder einen Putz-Service, der die Wohnung sauber hält», erläutert Moersch.

Für Beratung und Vermittlung wird eine Provision verlangt. «Die Provisionssätze variieren für die jeweilige Mietdauer zwischen einem Viertel bis zur Hälfte der Monatsmiete», erläutert der Rechtsanwalt. Claus O. Deese vom Mieterschutzbund in Recklinghausen fügt hinzu, dass Provisionen jedoch laut Gesetz nicht höher als zwei Monatsmieten sein dürften. «Die Vermieter, die hinter der Vermittlungsagentur stehen, können allerdings zusätzlich für die Räumlichkeiten Kaution verlangen», erläutert er weiter. «Wohnen auf Zeit» sei deshalb im Vergleich zur klassischen Zwischenmiete die teurere Alternative.

In einem Zeitmietvertrag sollten beide Parteien – der Untermieter und die Vermittlungsagentur – die Miethöhe, die Länge des Aufenthaltes und das Wohnungsinventar genau auflisten, um Konflikte zu vermeiden. «Es ist am besten, im Vertrag die gesamten Kosten festzuhalten, um sich vor rätselhaften Nebenkostenabrechnungen zu schützen», erläutert Deese.

Der Markt für zeitlich begrenztes Wohnen wird jedoch immer unüberschaubarer. Um seriöse Anbieter von schwarzen Schafen zu unterscheiden, rät Rechtsanwalt Moersch, sich zuvor genau über den jeweiligen Anbieter zu informieren und die Wohnung – wenn möglich – vorher zu besichtigen. «Bei einer extrem hohen Provision sollte man misstrauisch werden», bekräftigt er. Vorsicht sei zudem geboten, wenn die Miete bereits im Voraus gezahlt werden müsse oder die Blankodaten der Kreditkarte gefordert würden. Desweiteren sei es ratsam, sich bei kleineren, regionalen Anbieter den Gewerbeschein zeigen zu lassen.

Claus O. Deese vom Mieterschutzbund fügt hinzu, dass häufig die Vermieter die schwarzen Schafe seien. «Sie bieten in einigen Fällen für teures Geld Bruchbuden an und kassieren dazu noch Kaution», erläutert der Experte. Die Vermittlungsagenturen treffe hierbei keine Schuld. Er empfiehlt deswegen, bei einem nur kurzen Aufenthalt auf keinen Fall Kaution zu zahlen. «Bei den Vermittlungsagenturen gilt es darauf zu achten, dass sie im Internet Transparenz zeigen», sagt Deese. Es sei wichtig, dass möglichst viele Bilder der Wohnung aufgeführt und die Vertragsbedingungen im Netz nachzulesen seien. Der Experte fügt hinzu: «Bei Problemen mit solchen Zeitmietverträgen bieten die Mietervereine oder Rechtsanwälte Unterstützung.»

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