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Beim Hausbau auch an später denken – Barrierearme Planung

Berlin (ddp). Wer auch als älterer Mensch selbstbestimmt zu Hause wohnen möchte, der sollte seine eigenen vier Wände rechtzeitig barrierearm umbauen. Die Vorbereitungen dafür kann man gar nicht früh genug treffen: «Auch junge Bauherren sollten frühzeitig an ihr Alter denken und heute schon vorausschauend barrierearm planen», rät Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands Privater Bauherren (VPB) in Berlin. «In der Entwurfsphase können viele Details bedacht werden, um das Einfamilienhaus für spätere alters- oder unfallbedingte Behinderungen vorzubereiten. Und das ohne größeren finanziellen oder bautechnischen Aufwand", ergänzt der Architekt.

So vermeiden vorausschauende Bauherren im ganzen Haus und insbesondere an der Haustür unnötige Schwellen und Treppenstufen. Denn die sind im Alltag lästig und bilden für Ältere, Geh- und Sehbehinderte und für Rollstuhlfahrer gefährliche, nur schwer zu überwindende Hindernisse. Außerdem sollte vor und hinter der Haustür ausreichend Platz eingeplant werden, damit Rollstuhlfahrer rangieren können. «1,50 mal 1,50 Meter Fläche sind Minimum», rechnet Architekt Penningh vor.

Auch im Alltag junger, nicht behinderter Bauherren bewährt sich dieser Platz. Denn schließlich brauchen auch Kinderwagen, Dreiräder, Rutschautos und Roller ihre Parkfläche. Ein großes, transparentes Vordach bietet Schutz vor Regen und Platz für eine Bank vor der Haustür, die mit zunehmendem Alter immer wichtiger wird. «Der in den meisten Fällen leicht ansteigende Zuweg zum Haus sollte statt Treppenstufen eine beständige Steigung haben», empfiehlt Penningh. Werte von 2 bis 3 Prozent – das entspricht etwa 50 Zentimetern Höhe auf einer Weglänge von 20 Metern – seien für Rollstuhlselbstfahrer meist keine Hürde.

Für alle Türen im neuen Haus sind mindestens 90 Zentimeter Breite nach Einbau der Türzarge sinnvoll, was einer Mauerwerksöffnung von 101 Zentimetern entspricht. Das ist nach Penninghs Worten weitgehend kostenneutral, denn jeder Durchgang braucht als oberen Abschluss einen Türsturz, der die Last der Decke auf die Mauern überträgt. Ob dieser Sturz nun für eine 70 oder eine rollstuhlgerechte 90 Zentimeter breite Tür angelegt wird, spielt beim Rohbau keine Rolle. «Wer zunächst einen schmaleren Durchgang wünscht, kann unter dem Sturz eine der beiden Seiten aufmauern und die Steinreihe später einmal bei Bedarf entfernen», erläutert der VPB-Chef. Eine nachträgliche Verbreiterung des Türsturzes sei dagegen erheblich aufwendiger.

Entscheidend ist auch die Öffnungsrichtung: Badezimmer- und Toilettentüren sowie auch die Türen von Duschkabinen müssen laut Penningh stets nach außen zum größeren Raum hin aufschlagen. Das sei bislang im privaten Neubau noch nicht üblich, erleichtere aber den Alltag enorm – mit und ohne Rollstuhl.

Bei der Planung der Wohnräume empfiehlt Diplom-Ingenieurin Eva Reinhold-Postina vom VPB, über den Verzicht auf feste Trennwände nachzudenken. «Gerade beim Einfamilien-, Doppel- oder Reihendomizil ist die Statik schlicht», erklärt Reinhold-Postina. Die Lasten liegen auf den Außenmauern, auf den Innenwänden ruht nur deren Eigengewicht. Sie könnten also mühelos durch Einbaumöbel oder Leichtbau-Trennwände ersetzt werden.

«Der Vorteil eines solchen offenen Grundrisses liegt auf der Hand», schildert die Ingenieurin: «Größe und Zuschnitt der Zimmer können den Lebenssituationen der Bewohner angepasst werden.» Wird beispielsweise einer der Bewohner zum Pflegefall oder kann keine Treppen mehr steigen, so zieht er ins Erdgeschoss. Gleichzeitig stehen im oberen Stockwerk oftmals die früheren Kinderzimmer leer. Hier werden die Schrankwände entfernt oder an die Außenwände geschoben und es entsteht ein neuer Wohnraum.

Die Treppenkonstruktion dagegen sollte in massives Mauerwerk eingefasst sein, damit später einmal ein Treppenlift montiert werden kann. Außerdem haben nach Thomas Penninghs Erfahrung gehbehinderte und körperlich beeinträchtigte Menschen oft Probleme mit gewendelten Treppen: «Das gilt übrigens auch für Hausfrauen und -männer, die übervolle Wäschekörbe die Treppe hinuntertragen», sagt Penningh. Gradläufige Treppen seien grundsätzlich einfacher zu steigen. Sinnvoll sei eine Tür als oberer Abschluss der Kellertreppe. «Ein gähnendes Kellerloch ist abgesehen von der Kühle, die ständig hinaufzieht, eine Gefahr für alle Hausbewohner – für Kinder, für Ältere und vor allem für Sehbehinderte», warnt der Architekt.

Problematisch beim barrierearmen Bau ist laut Eva Reinhold-Postina das Gäste-WC, das in deutschen Standard-Häusern traditionell am Eingang liegt: «Dort geht die Tür meist nach innen auf und führt in eine minimal bemessene Nasszelle», erläutert die Planerin. Wer ein mehrstöckiges Haus baut, sollte an dieser Stelle mit überkommenden Vorgaben brechen und statt des Mini-WCs einen größeren Raum einplanen, den er später zum komfortablen Bad für einen Erdgeschoss-Bewohner ausbauen kann. «Zunächst kann der große Raum außer als Zweit-WC und Dusche auch als Abstellraum mit Einbauschränken für Sommer- und Wintergarderobe, Schuhe, Staubsauger, Gartensitzpolster oder Koffer genutzt werden», schlägt Reinhold-Postina vor.

Die Wände der Badezimmer würden wie beim Treppenhaus massiv ausgebildet, damit Haltegriffe, Stütz- und Hebevorrichtungen sicher montiert werden könnten, ergänzt Thomas Penningh. Zudem sei eine bodengleiche Duschwanne mit minimaler Absenkung von 1 bis 1,5 Zentimetern auch für voll bewegliche Hausbewohner komfortabler als eine Schwelle. Die Waschtische sollten mit Unterputz- oder Flachaufputzsiphons montiert sein, so dass ein Rollstuhlfahrer unter den Waschtisch fahren kann. Ein normales Abflussrohr wäre hier im Wege. Dasselbe gilt für die Arbeitsplatte und die Spüleinrichtungen in der Küche.

«Die Möglichkeit der Umwandlung von Familienhäusern in komfortable Altersruhesitze ist eine lohnende Investition in die eigene Altersvorsorge», resümiert Thomas Penningh: «Denn barrierearme Häuser passen sich nicht nur allen Lebensphasen an, sondern sie haben auch hohen Wiederverkaufswert.»

ddp/tvo/esc

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