Start Aktuelles Sanierung mit Augenmaß

Sanierung mit Augenmaß

Sanierung mit Augenmaß

Berlin (ddp.djn). Alte Häuser, etwa aus der Gründerzeit oder dem Klassizismus, haben ihren ganz besonderen Charme und sind bei vielen Käufern heiß begehrt. Der Verband Privater Bauherren (VPB) macht Interessenten Mut, in denkmalgeschützte Gebäude zu investieren, obwohl sie in der Unterhaltung und Sanierung etwas teurer sind als herkömmliche Häuser.

Alte Häuser können heute so hergerichtet werden, dass ein Wohnen nach modernen Standards möglich ist. Das trifft auch auf die Energiebilanz zu. Denkmalgeschützte Häuser müssen keine Energieschleudern sein. «Bei der Sanierung muss aber jedes Haus individuell betrachtet werden», erklärt VPB-Vorsitzender Thomas Penningh. «Standardisierte Lösungen gibt es nicht.» Die Gebäudesubstanz und das äußere Erscheinungsbild von denkmalgeschützten Häusern sollen durch die Sanierung nicht beeinträchtigt werden.

Würde man etwa Fachwerkhäuser einfach mit Dämmplatten einpacken wie andere Gebäude, ginge die historische Fachwerkfassade verloren. Auch Gründerzeithäusern, die sich mit aufwendigem Stuck und farbigen Gesimsen schmücken, bekäme eine Wärmedämmschicht schlecht.

«Der Reiz des Fachwerkhauses liegt immer in der Fassade, da verbieten sich außenliegende Wärmedämmungen ganz von selbst», erläutert Penning. «Aber auch Fachwerkhäuser lassen sich zeitgemäß heizen. Ob sich die Besitzer für eine bauphysikalisch nicht unproblematische Innendämmung entscheiden oder für alternative Heizungssysteme, das richtet sich stets nach den bautechnischen Besonderheiten der Immobilie und den Auflagen der zuständigen Denkmalschutzbehörde.»

Baudenkmäler brauchen also eine besondere Behandlung. Experten sind dabei, Lösungen für gängige denkmalgeschützte Gebäudetypen zu entwickeln. Einige sind im Leitfaden «Energieeinsparung und Denkmalschutz» der Deutschen Energieagentur (dena) enthalten.

Da die Sanierung denkmalgeschützter Häuser mit vielen Auflagen von den Denkmalschutzbehörden verbunden und der finanzielle Aufwand höher ist als bei herkömmlichen Immobilien ist, kommt der Staat Denkmalbesitzern entgegen. Sie können fast alle Arbeiten an ihrem Haus steuerlich absetzen, und zwar zu 90 Prozent über zehn Jahre. Vorausgesetzt, das Kulturdenkmal wird von den Eigentümern selbst bewohnt und sämtliche Sanierungs- und Umbauarbeiten werden vor Baubeginn mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt und von ihr genehmigt.

Das ist wichtig, erläutert der VPB, denn das behördliche Einverständnis ist Bedingung für die spätere Ausstellung der Bescheinigung, die der Steuerpflichtige dem Finanzamt vorlegen muss, um die Denkmalausgaben geltend machen zu können. Wer ohne Genehmigung saniert oder umbaut, der bekommt nicht nur keine Bescheinigung und damit auch keinen Steuererlass, sondern obendrein auch noch ein Verfahren wegen illegalen Bauens.

Bei Verstößen gegen die Auflagen des Denkmalschutzes können die Behörden sogar die sofortige Rücknahme der Umbauten fordern. Das geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz hervor (AZ: K 857/06). Im verhandelten Fall hatte der Käufer einer über 100 Jahre alten, denkmalgeschützten Kapelle ohne behördliche Genehmigung eine Zwischendecke mit Fußbodenheizung einziehen lassen. Das Landesamt für Denkmalschutz forderte, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Das Objekt sei in erheblichem Umfang zerstört und in seiner Aussage als Sakralraum vermindert worden. Die Verwaltungsrichter gaben den Denkmalschützern recht. Der Eigentümer wurde verurteilt, die Umbauten rückgängig zu machen.

(ddp)

Newsletter mit Nachrichten, Infos und Aktionen rund um Haus und Wohnung.

Wir nehmen Datenschutz ernst. Alle Erklärungen und Hinweise finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Beliebte Beiträge

Sicherheit für Ihr Haus – So schützen Sie Ihr Hab und Gut

Das eigene Haus soll nicht nur Freiraum für eigene Ideen und Entfaltung bieten, sondern auch vor äußeren Einflüssen beschützen. Dazu zählen jedoch...

Trend: Pflanzkübel für Balkon, Terrasse und Garten

Pflanzkübel mit großen Pflanzen liegen voll im Trend. Sowohl im Haus, als auch im Garten sind sie ein zunehmend beliebtes Gestaltungsmittel. Pflanzkübel...

Messi in der Wohnung: Tipps für Vermieter

Es ist der vermutlich schlimmste Alptraum eines jeden Vermieters einer Mietwohnung – ein Messi, der die Immobilie binnen kürzester Zeit nicht wiedererkennen...

Mallorca & Corona – Interview mit Rechtsexperten

Wann können Deutsche nach Mallorca zurückkehren, die dort ein Haus haben? Palma de Mallorca. Viele Immobilieneigentümer einer Immobilie auf...

Rechtstipp: Mieter haftet nicht bei Rauchmelder-Fehlalarm

Nach einem Urteil des Amtsgerichts Hannover brauchen Mieter keinen Schadenersatz zu zahlen, wenn es aufgrund des Fehlalarms eines Rauchmelders zu einem Feuerwehreinsatz kommt und...

Immobilie verkaufen: Die Immobilienbewertung

Die Immobilienbewertung ist ein wichtiger Schritt beim Verkauf Ihrer Immobilie. Setzen Sie den Preis zu hoch an, finden Sie womöglich keinen Abnehmer. Bei zu...

Bundesverfassungsgericht zu rückwirkenden Steuerverschärfungen

Das Bundesverfassungsgericht hat den Vertrauensschutz von Steuerpflichtigen bei rückwirkenden Steuerverschärfungen gestärkt. Der Staat könne solche Neuregelungen grundsätzlich nicht mit dem alleinigen Ziel von Mehreinnahmen...

BGH Urteil – Bei Schwarzarbeit keine Gewährleistungsansprüche

Es ist verführerisch, wenn man einen Handwerker im Bekanntenkreis hat, der sein handwerkliches Geschick unter der Hand günstiger anbietet. Ohne Rechnung. Aus menschlicher Sicht sicherlich...