Welches Kleid für die Wand? Farben beeinflussen die Wirkung von Räumen – Entspannt schlafen in Grün, gut kochen in Rot

Farbe prägt die Raumstimmung enorm. Deshalb sollte man sich genau überlegen, für welchen Raum man welche Farbe wählt,  sagt Innenarchitektin Christine Kuckert aus Börsborn. Eine gute Farbe für den Schlafbereich sei beispielsweise Grün: «Das ist die Farbe der Natur, deshalb empfindet man sie als entspannend»,erläutert die Expertin. Rot sei dagegen nicht die beste Wahl.

–Von ddp-Korrespondentin Michaela Kaebe–

Bei Grün wie bei jeder Mischfarbe komme es aber auch darauf an,welche anderen Farben in welcher Intensität beteiligt sind: «Je mehrdas Grün ins Gelb geht, desto mehr Fröhlichkeit und Frische strahltdie Farbe aus. Ein Grün mit hohem Blauanteil dagegen wirkt eherkühl.»

Für Küche und Essbereich sei Rot dagegen eine sehr geeigneteFarbe. Auch Orange sei passend, verbinde es doch die sinnliche Wirkung von Rot mit der Heiterkeit des Gelbs. Allerdings solle mansich gut überlegen, ob man die Küchenfronten, mit denen man jahrzehntelang lebt, bunt wählen sollte. «Eine Wand hingegen lässtsich schnell mit neuer Farbe belegen», rät die Expertin.

Auch im Badezimmer empfiehlt sie, Farbe eher über Wände undAccessoires in den Raum zu bringen. «Das Badezimmer hat heute eineDoppelfunktion – es ist Funktionsraum und Wellnessbereich. Am bestenist, wenn man das räumlich trennen kann.» Gehe das in einem kleinenRaum nicht, rät Kuckert zur Grundfarbe Weiß. «Mit Weiß verbinden wirReinheit, das passt gut zum Bad.» Dazu kommen dann Terrakottafarben,Holztöne und Grün, die man über Accessoires, Möbel oder auch Pflanzenin den Raum bringen könne.

Ein Raum, der viel Farbe verträgt, ist das Kinderzimmer. «Kinderhaben ein anderes Farbverständnis als Erwachsene, die mögen ganzbunte Farben und auch Kontraste.» Im Schlafbereich sollte aber eineberuhigende Farbe eingesetzt werden – also Blau oder Grün.

Im Wohnbereich seien starke Kontraste schwierig: «Da besteht dasRisiko, dass es konfus wirkt, schon allein durch dieEinrichtungsgegenstände», warnt die Innenarchitektin. Grundsätzlichgelte: Ein aufgeräumter, klar strukturierte Raum vertrage mehr Farbeals ein zugestellter.

Eine andere Farbphilosophie ist die des Feng Shui. Gunda Ziemskiist Feng Shui-Beraterin und leitet mit ihrer Kollegin Heike Oppitzeinen Malerfachbetrieb: «Das Besondere daran ist, dass man FarbenRäumen und Menschen individuell zuordnen kann. Jeder Raum und jederMensch hat seine eigene Energie – wenn man das berücksichtigt, kommtman später in den Raum und fühlt sich dort wohl. Zumindest der, fürden der Raum gestaltet wurde.»

Für Räume, die von mehreren Menschen genutzt werden, sei der Raumausschlaggebend für die Farbwahl. Dabei sei die Himmelsrichtung vonBedeutung: «Für Räume, die nach Norden gehen, ist Blau geeignet, fürSüdräume Rot, für Osten Grün, zum Westen passen eher Brauntöne»,erklärt Ziemski.

Darüber hinaus spielt auch die Funktion des Raumes eine wichtigeRolle: «Eine Küche ist ein Feuerraum, da passen je nachHimmelsrichtung Erdtöne oder Grün, in einem Badezimmer als Wasserraumwürde ich eher Grün nehmen. Blau nicht, das würde mit dem echtenWasser zu viel.» Für einen aktiven Raum wie ein Wohnzimmer seienkräftigere Farben angebracht als für ein Schlafzimmer.

Die Farben, die zum Raum passen, müssen dann noch mit denenabgeblichen werden, die dem Menschen gut tun – oder eben nicht.«Jedem Menschen ist ein förderndes Element zugeordnet, eines, das ihnmitunterstützt und eines, das ihn schwächt», erläutert dieMalermeisterin das Prinzip. «Farben, die ein Mensch nicht mag, sindmeist die, die zu diesem schwächenden Element passen.» Der Instinktsage dem Menschen, dass diese Farbe nicht gut für ihn sei. Für sieals Feuermenschen sei das schwächende Element Erde, was ihre Aversiongegen Gelb erklären würde, erläutert Ziemski.

Doch wenn auch vieles aus der Feng Shui-Lehre zunächst ungewohntund mystisch klinge: «Es ist ganz normale Raumgestaltung. Die Kundensind hinterher immer erstaunt, wie ’normal‘ das Ergebnis wird, soganz ohne Drachen und Buddhas», lacht die Expertin.

ddp/mka/kat