Barrierefrei – Für den Wohnungsumbau gibt es Fördergelder

Berlin (ddp). Die Zahl der Menschen über 65 Jahren wird sich laut Statistik in Deutschland von heute 16,7 Millionen innerhalb der kommenden 30 Jahre auf 23,7 Millionen erhöhen. Denn Gesundheitsvorsorge und gute medizinische Versorgung bescheren uns ein langes Leben. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich in dieser Zeitspanne mit dann 7,5 Millionen nahezu verdoppelt haben. «Die Mehrzahl älterer Menschen wird aktiv bleiben – und in ihrer Heimat, ihrer eigenen Wohnung bleiben wollen», sagt Diplom-Ingenieurin Sonja Hopf vom Infodienst «Nullbarriere». Doch oft sind die Wohnungen nicht auf ihre Bedürfnisse ausgelegt. Fördergelder sollen beim Umbau helfen.

Nach Hopfs Worten werden von den knapp 37 Millionen Wohneinheiten in Deutschland 41 Prozent von den Eigentümern selbst bewohnt, vorwiegend in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Und schon heute lebt etwa jeder zweite Seniorenhaushalt im Wohneigentum. «Um diesen Trend zu unterstützen, hat die Bundesregierung jährlich 80 Millionen für das Förderprogramm ,Altersgerecht Umbauen‘ bereitgestellt», erklärt sie. Mit dem Programm wird die sogenannte bedarfsgerechte Verminderung von Barrieren in bestehenden Wohngebäuden unabhängig vom Alter und jeglicher Einschränkung der Nutzer gefördert. Es ermöglicht verbilligte Kredite der KfW-Bank (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit Jahreszinsen ab derzeit 1,51 Prozent.

«Ab einer Investitionssumme von 6000 Euro kann aber auch ein Zuschuss von 5 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 2500 Euro pro Wohneinheit, gewährt werden», unterstreicht die Expertin. Wohnungseigentümer und auch Mieter mit Zustimmung des Vermieters können Förderanträge stellen.

Absolute Barrierefreiheit ist in bestehenden Gebäuden meist nicht umsetzbar und zudem für die Mehrzahl der Bewohner auch gar nicht erforderlich, erklärt Architektin Sonja Hopf. Das Programm basiert daher auf frei kombinierbaren und in sich flexiblen Förderbausteinen, zu denen die einzelnen Umbaumaßnahmen gebündelt sind. «Der Austausch der alten Wanne mit einer bodengleichen Dusche ist also noch nicht förderfähig, wohl aber in Kombination mit der Schaffung eines insgesamt barrierefreien Bades», erläutert Hopf.

Am 1. Juli treten neue Mindestanforderungen für diese Förderbausteine in Kraft. So müssen neu geschaffene Wege von der öffentlichen Verkehrsfläche bis zur Hauseingangstür mindestens 1,20 Meter breit sein. «Empfohlen wird aber eine Breite von 1,50 Metern», rät Sonja Hopf. Sämtliche begehbaren Oberflächen müssen eben, rutschhemmend und gehsicher ausgeführt werden. Wege zu Gebäuden sollen schwellen- und stufenlos sein. Ist dies nicht möglich, so sollen Niveauunterschiede mit Hilfe von Rampen oder Aufzügen überwunden werden. Ausnahmsweise sind auch Hebebühnen, Plattformaufzüge und Treppenlifte zulässig und förderfähig.

Bei Treppenanlagen im Haus müssen die Handläufe ohne Unterbrechung über alle Geschosse geführt werden. Auch die Treppenstufen müssen rutschhemmend sein. Bei fehlendem Aufzug ist der Einbau eines Treppenliftes förderfähig. Werden Wohn- und Schlafräume umgebaut, muss ein durch Umbau vergrößerter Raum mindestens 14 Quadratmeter Fläche haben. Bei Schlafräumen ist eine Raumbreite von mindestens drei Metern empfehlenswert und förderfähig. Beim Umbau von Küchen muss entlang der Küchenzeile ausreichend Bewegungsraum bleiben, nämlich in einer Tiefe von mindestens 1,20 Metern. «Nicht gefördert wird hier die Möblierung», bedauert Architektin Hopf.

Ein altersgerecht umgestaltetes Badezimmer sollte nach Angaben der Fachfrau mindestens 1,80 mal 2,20 Meter groß sein. Auch hier gibt es klare Vorgaben. So muss der Abstand zwischen den Sanitärobjekten oder zur seitlichen Wand mindestens 25 Zentimeter betragen und auch der Bewegungsspielraum vor Dusche oder Waschbecken ist festgelegt.

Der Zuschussantrag muss gestellt sein, bevor die Handwerker anrücken. Entsprechende Anträge gibt es auf der Internetseite der KfW (kfw-foerderbank.de). Unterstützung findet man auch bei den Wohnberatungsstellen, die es in vielen Kommunen sowie auch in Form von Online-Angeboten (z.B. barrierefrei-leben.de und nullbarriere.de) gibt.

ddp/tvo/esc