Inneneinrichtung: Weiße Möbel – „Weiß bringt Leichtigkeit in den Raum“

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Rückbesinnung auf die 60er Jahre Der Retrotrend im Wohnen sind weiße Möbel.

— von Michaela Kaebe — Sie passt zu allem und hat doch einen ganz eigenen Charakter. Sie intensiviert das Licht und lässt Kleines groß wirken: Auch wenn die Farbe Weiß physikalisch gesehen gar keine Farbe ist, hat sie auf der Palette der Möbelhersteller seit einiger Zeit wieder einen festen Platz. Der Retrotrend im Wohnen, die Rückbesinnung auf die 60er Jahre, habe weiße Möbel wieder in den Fokus gerückt, berichtet Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef.

Und die Bedeutung von Weiß als Möbelfarbe werde weiter zunehmen, prognostiziert die Expertin: „Weiß ist einfach die neutralste aller Farben und extrem vielseitig zu kombinieren.“ Sie passe damit ideal in eine Zeit, in der feste Stilwelten auch im Wohnen ausgedient hätten.

Weiß in der Inneneinrichtung ist vielfältig kombinierbar

„Es wird viel mit knalligen Akzenten gearbeitet, bei Kastenmöbeln mit bunt furnierten oder lackierten Flächen, bei Polstern mit Kissen. Oder mit leuchtend bunten Gardinen und Wandfarben“, erläutert die Wohnexpertin. Wolfgang Mayer, Innenarchitekt in Stuttgart, kombiniert Weiß gern mit Naturmaterialien: „Naturfarben und Weiß kontrastieren sehr schön und wirken trotzdem harmonisch.“ Naturholz, Steine, aber auch Gräser und Schilf seien ideale Begleiter weißer Möbel, sagt der Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbandes des Bundes deutscher Innenarchitekten (BDIA). „Gegenüber anderen Farben haben die, die dem Auge aus der Natur bekannt sind, den Vorteil, dass das Auge sich nicht so schnell satt daran sieht“, erläutert er.

Möbel – Weiß in allen Schattierungen

Ein großes Thema sei Weiß vor allem bei Kastenmöbeln, Schränken und Regalen sowie als Bezugsstoff für Sitzmöbel, berichtet Ursula Geismann. „Weiß bringt Leichtigkeit in den Raum und eignet sich deshalb besonders für große Flächen wie Wohnwände.“ Diese Möbel wirkten zudem weit edler als früher, erklärt Innenarchitekt Mayer: „Die Zeiten der Resopalmöbel mit den schwarzen Kanten sind vorbei. Die Möbel sind heute durch gefärbt, man sieht nicht mehr, wo sie zusammengesetzt sind.“

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Der Trend: Weiß im Wohnzimmer wird eingesetzt bei Kastenmöbeln, Schränken und Regalen sowie als Bezugsstoff für Sitzmöbel.

Neben durchgehend weißen Flächen, oft hochglänzend und natürlich entsprechend empfindlich, hätten sich Oberflächen durchgesetzt, die er mit „Weiß in allen Schattierungen“ beschreibt: „Hochglanzprägungen werden ornamentartig in den Lack eingearbeitet, so dass matt sich mit glänzend abwechselt, und es gibt reliefartig geprägte, dreidimensionale Oberflächen.“ Das sei nicht nur schön, sondern auch weniger anfällig: „Natürlich ist Weiß empfindlich, das gilt für alle Extremfarben. Aber durch die Strukturierung ist die Anfälligkeit reduziert.“ Dass weiße Möbel durchaus alltagstauglich seien, zeige sich im gewerblichen Bereich: „Hier wird viel mit Weiß gearbeitet und die Möbel unterliegen ziemlichen Belastungen, ohne dass sie schnell schmuddelig wirken.“

Auch weiße Bezüge auf Polstermöbeln seien nicht mehr nur für tier- und kinderlose Haushalte denkbar, ergänzt Ursula Geismann: „Die Webetechniken haben sich geändert, zum Teil sind die Stoffe imprägniert oder aus unempfindlicher Mikrofaser. Vor allem aber kann man sie abziehen.“ Dass die Bezüge oft mit Klett- oder Reißverschlüssen befestigt sind und bei Bedarf einfach in die Waschmaschine wandern, habe den Siegeszug von Weiß sicherlich unterstützt. Neben reinem Weiß sei hier auch Roh- oder Wollweiß ein großes Thema.

Bei den Materialien ist neben Stoffen aller Art weißes Leder vorherrschend. „Weiße Lederpolster wirken edel und sehr leicht“, meint auch der Innenarchitekt. Wie pflegeleicht sie sind, hängt allerdings von der Qualität ab: „Gerade bei Leder gibt es große Materialunterschiede“, sagt Mayer. Naturleder sei in der Qualität sehr unterschiedlich, auch in Struktur und Zeichnung. Daneben gebe es hochwertiges Kunstleder, das sehr strapazierfähig und für Möbel gut geeignet sei.

Nicht nur fürs Wohnzimmer geeignet

Selbst in den Räumen, in denen Möbel wirklich belastet werden, hat Weiß Einzug gehalten, nämlich in Kinderzimmern. „Da spiegeln sich Empfehlungen aus der Psychologie wieder, die sagt, dass zu viel bunt, zu viele Anregungen nicht gut sind“, erklärt Geismann.

Ein Klassiker ist Weiß in Räumen, in denen es auf Hygiene ankommt, neben dem Bad also vor allem in der Küche: „Gerade weil man jeden Schmutz sieht, ist Weiß hier hygienischer. Außerdem sind Küchen oft klein und es stehen viele Möbel darin, eine weiße Küche wirkt größer. Und der Kontrast zu bunten Naturmaterialien ergibt sich hier ganz automatisch durch die Zutaten, die verarbeitet werden“, sagt Innenarchitekt Mayer. In Küchen seien sogar weiße Wände zu weißen Möbeln denkbar.

Die Wirkung – Weiß erweitert Raum und Geist

In anderen Räumen verliere das Auge durch zu viel Weiß dagegen den Halt: „Weiß ist als Raumbegrenzung nicht genau wahrnehmbar. Das Auge erkennt keine Konturen mehr, wenn weiße Möbel mit weißen Wänden kombiniert werden.“ Das gelte vor allem für große Räume. In kleinen Zimmern kann dieser Effekt dagegen durchaus gewünscht sein: „Hier findet das Auge genug Halt an den Fenstern oder Bildern.“ Für Menschen, die es eher gemütlich mögen, sei Weiß daher nicht unbedingt die Farbe der Wahl, eher für solche, die gerne Weite um sich haben. Und für Räume, in denen kreativ gedacht und gearbeitet wird, gelte: „Weiß erweitert den Geist, Farben beeinflussen bekanntlich die Art, wie wir denken.“

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Fotohinweise:
HARO Professional Parkett 4000 Stab Allegro Eiche Terra / HARO Flooring – Parkett & Laminat / Flickr / (CC BY-ND 2.0)

HARO Parkett 4000 Schiffsboden Buche gedämpft Country relief strukturiert 4V / HARO Flooring – Parkett & Laminat, on Flickr / Flickr / (CC BY-ND 2.0)