Verbände: Kreditwirtschaft soll Schuldnern helfen

Berlin (ddp). Wohlfahrts- und Verbraucherverbände fordern von der Kreditwirtschaft ein Sofortprogramm für die bis zu vier Millionen überschuldeten Verbraucher. Das kurzfristige Geschäft sei für die Banken häufig wichtiger als langfristige Kundenbindungen gewesen, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, am Freitag bei der Vorstellung des Schuldenreports 2009 in Berlin. Das Motto «Sanieren statt zerschlagen» sollte nicht nur für Banken, sondern auch für ohne eigenes Verschulden in die Überschuldung geratenen Verbraucher gelten.

Die Verbände forderten die Finanzinstitute auf, die Senkungen der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank an die Verbraucher weiterzugeben. Bei längeren Kreditausfällen sollte die Tilgung angepasst oder aufgeschoben werden. Darüber hinaus sprachen sich die Experten für einen gesetzlichen Anspruch auf ein Girokonto sowie eine verantwortliche Kreditvergabe aus.

Laut Report ist der durchschnittliche Überschuldete etwa 35 bis 45 Jahre alt und hat Verbindlichkeiten von 36 000 Euro. Das Netto-Einkommen liegt unter 900 Euro. Mehr als die Hälfte der Überschuldeten sei arbeitslos oder auf «Hartz IV» angewiesen. Mehr als ein Drittel ist den Angaben zufolge alleinerziehend.

Svenja Koch vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) wies darauf hin, das bereits elf Prozent der 18- bis 24-Jährigen Darlehen von durchschnittlich 1400 Euro aufgenommen hätten. Grund seien vor allem die gestiegenen Ansprüche.

Überschuldet ist nach Definition der Verbände, wer nach Abzug der Lebenshaltungskosten seine ausstehenden Schulden nicht mehr begleichen kann. «Sie schieben den Berg vor sich her. Die Tilgung erreicht aber höchstens noch die Zinsen», sagte die Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbands Heidi Merk.

Der Schuldenreport war zuletzt 2006 erschienen. Die Daten für die aktuelle Ausgabe waren 2007 und somit vor der Wirtschaftskrise erhoben worden. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise rechnen die Verbände wegen des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen jedoch mit einer Zunahme der Verbraucherinsolvenzen. In diesem Zusammenhang warnten die Verbände vor einer Kürzung der staatlichen Zuschüsse für Schuldnerberatungen.

Der Report wurde neben der Verbraucherzentrale Bundesverband und dem DRK vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt Deutschland und dem Diakonischen Werk erstellt.

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