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Grunderwerbsteuer – Eine Steuer gegen höhere Eigentumsquoten

von Einar Skjerven, Gründer und Geschäftsführer der Skjerven Group

Beim Immobilienkauf ist sie ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor: die Grunderwerbsteuer. Sie ist die einzige Steuer, deren Höhe die Bundesländer selbst festlegen können, und die machen davon fleißig Gebrauch. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Abgabe immer weiter hochgeschraubt. Die Länder nutzen die dank des Immobilienbooms sprudelnde Steuerquelle, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen.

In Berlin wurde die Steuer seit 2006 dreimal erhöht und hat sich seitdem fast verdoppelt. Derzeit gehen in der Hauptstadt sechs Prozent vom Kaufpreis an den Fiskus. Bei einem Wohnungskauf von 300.000 Euro sind das 18.000 Euro. Damit liegt Berlin gleichauf mit Hessen, nur vier Bundesländer verlangen mit 6,5 Prozent noch mehr. In Bayern und Sachsen liegen die Steuersätze zwar bei 3,5 Prozent – doch im internationalen Vergleich ist das immer noch viel.

Wohnraum schaffen und Eigentumsquote erhöhen

Einar Skjerven
Einar Skjerven – „Eine progressive Grunderwerbsteuer könnte Familien entlasten und die private Altersvorsorge fördern“

Politische Beteuerungen, mehr Wohnraum zu schaffen und die Eigentumsquote zu erhöhen, werden durch die Grunderwerbsteuer konterkariert. Den Preis zahlen vor allem junge Familien mit knappem Budget, für die jeder zusätzlich zu zahlende Euro das Ende der Eigenheimpläne bedeuten kann. Zudem sind auch Mieter betroffen. Da die Grunderwerbsteuer das Bauen verteuert, sind Investoren gezwungen, sich die höheren Kosten über die Miete zurückzuholen. Gerade für den Wohnungsneubau im preisgünstigen Segment – der in Berlin so dringend benötigt wird – ist diese Praxis hinderlich.

 Über eine Reform der Grunderwerbsteuer wird immer wieder diskutiert. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bemängelt in einer Studie, die Steuer gehe zulasten dringend benötigter Neubauten – besonders in den Großstädten. Die Experten plädieren dafür, die Abgabe auf 3,5 Prozent zu senken sowie analog zur Mehrwertsteuer einen Vorsteuerabzug bei Neubauten einzuführen.

Im Berliner Wahlkampf wiederum brachte die CDU einen Freibetrag von bis zu 300.000 Euro für Erstkäufer ins Spiel. Dieser Vorschlag wird grundsätzlich auch vom Bund der Steuerzahler begrüßt.

 Aussichtsreiche Alternative: die „progressive Grunderwerbsteuer“

Noch kaum erörtert wurde hingegen ein System, in dem die Höhe der Steuer progressiv an den Wert der Immobilie gekoppelt ist. Ein solches System wird unter anderem in Großbritannien, Australien und Südafrika erfolgreich praktiziert. So verlangt der britische Fiskus für private Immobilien im Wert von 125.000 bis 250.000 Pfund lediglich ein Prozent des Kaufpreises. Für Objekte zwischen 250.000 und 500.000 Pfund sind es drei Prozent und erst ab 500.000 Pfund werden vier Prozent fällig. Immobilien unter 125.000 Pfund sind im Vereinigten Königreich komplett von der „stamp duty“ befreit.

Durch die progressive Steuer nach britischem Vorbild könnten Familien entlastet und die private Altersvorsorge gefördert werden. Darüber nachzudenken lohnt sich allemal. Doch wie auch immer eine Neugestaltung der Steuer letztlich aussehen wird: Der Gesetzgeber muss sie schnellstens anpacken.

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