Dinosaurier der Pflanzenwelt

Dinosaurier der Pflanzenwelt – Farne verschönern jeden Garten – Sprösslinge gelten in Kanada als Delikatesse

Herschbach/Québec (ddp). Manche verstecken sich im Boden wie graziles Moos, andere entwickeln sich zu meterhohen Pflanzen. Es gibt Arten, die aussehen wie zierliches Frauenhaar und welche, die sich als Geweihe präsentieren: Die variantenreichen Farne gehören zu den ältesten Pflanzen der Erde. Doch unzeitgemäß sind sie heute keineswegs: «Ein Farnbeet lässt sich in jedem Garten ganz einfach anlegen», sagt Rosi Möller von der Fachgruppe Farne der Gesellschaft der Staudenfreunde.

Farne waren vor allem in der Karbonzeit vor etwa 350 bis 280 Millionen Jahren verbreitet. «Sie wurden zu dieser Zeit teilweise bis zu 30 Meter hoch. Nur in den Tropen gibt es heute noch einige baumförmige Arten. Bei uns ist der Adlerfarn mit etwa zwei Metern Höhe die größte Art», sagt Farnexpertin Möller aus Herschbach im Westerwald, die auch selbst im Internet über die Pflanzen informiert (farngarten.de). Heute kommen in Deutschland noch 17 Gattungen mit etwa 50 Arten vor, von denen einige sehr selten sind. Weltweit gibt es etwa 320 Gattungen mit circa 12 000 Arten.

«Da es sich bei Farnen um Waldpflanzen handelt, mögen die meisten auch im Garten einen halbschattigen Platz mit humosem, feuchtem Boden», sagt Rosi Möller. Gerade wenn Bäume groß werden und Gewächse unter ihnen anfangen zu kümmern, böten sich Farne für eine neue Gartengestaltung an. Bevor diese Dinosaurier der Pflanzenwelt aber in den Garten kommen, sollten einige Vorbereitungen getroffen werden. Humoser Boden lässt sich am besten mit Kompost herstellen. «Wer diesen nicht hat, kann sich auch mit Rindenhumus oder Rindenkultursubstrat behelfen, das es in fast jedem Gartencenter oder in einer Gärtnerei zu kaufen gibt», sagt Rosi Möller. Der Boden sollte zuerst tief gelockert werden, dann wird das mindestens fünf Zentimeter hoch aufgebrachte Substrat eingearbeitet.

Erst danach darf der Farn gepflanzt werden. Rosi Möller empfiehlt als Faustregel, von jeder kleineren Art oder Sorte drei Pflanzen zu kaufen, von den größeren jeweils eine. Gepflanzt wird dann nach Größe gestaffelt: Die großen Farne kommen nach hinten, nach vorne hin werden die Pflanzen dann immer kleiner. «In den Vordergrund kann man auch eine bodendeckende Art wie »Blechnum penna-marina« setzen oder kleinbleibende Sorten von »Polystichum« oder »Dryopteris«», so Möller. Um das Ganze etwas aufzulockern, empfiehlt sie für den mittleren Bereich zum Beispiel drei Pflanzen von «Dryopteris erytrosora»: «Diese Art erfreut vom Frühjahr bis in den Sommer hinein mit wunderschön rötlich austreibenden Wedeln», sagt die Farnexpertin.

Im Frühling gehört der Austrieb der Farne zu den ansprechendsten Ereignissen des Gartens. Die sich entfaltenden Farnsprösslinge sehen aus wie der kleine Wirbel am Halsende einer Geige. «Fiddleheads» heißen sie daher in Ost-Kanada, wo sie seit Jahrhunderten eine Spezialität der indianischen Küche sind. Das Sammeln von Farnspitzen ist dort genauso beliebt wie das Pilzesuchen. «Fiddleheads werden im Frühjahr geerntet, solange sie noch fest zusammengerollt sind. Allerdings sollte man wie bei Pilzen die verschiedenen Farnsorten kennen», sagt Alexander Reford, Direktor der Reford Gardens, einer botanischen Gartenanlage in Grand-Métis auf der ostkanadischen Halbinsel Gaspésie. Denn zum Essen eignen sich nur Straußen- und Zimtfarn, viele andere Farnarten sind sogar giftig. Essbare Farntriebe können aber gedünstet oder zu einer Cremesuppe verarbeitet werden. Geschmacklich erinnern sie an Spargel, Artischocke oder auch milde Kapern.

Wer seinen Farn nicht essen, sondern ihn vor allem im Garten bewundern will, hat eine große Auswahl an Formen und Farben: In vielfältigen Grüntönen leuchten die Wedel, bei manchen Arten zeigt sich der junge Austrieb erst in gedämpften Gold-, Braun-, Rot- und Purpurschattierungen. Zum Herbst hin verfärben sich die sommergrünen Arten, zum Beispiel zeigen alle Osmunda-Arten dann leuchtende Gold- und Brauntöne. Wintergrüne Farne behalten ihr Laub bis tief in den Winter oder gar bis zum kommenden Frühjahr – und verzaubern im Winter reif- und schneebenetzt. Zwischen sommergrünen Farnen lockern frühlingsblühende Zwiebel- und Knollengewächse die Anpflanzung auf. Dafür eignen sich Anemone blanda, Hundszahn (Erythronium), Narzissen, Winterlinge (Eranthis), Krokus, Blaustern (Scilla) oder Hyazinthen.

ddp/thi/kat