Start Aktuelles Nur knapp ein Prozent der Wohnungen sind altersgerecht

Nur knapp ein Prozent der Wohnungen sind altersgerecht

Barrieren beseitigen – Nur knapp ein Prozent der Wohnungen sind altersgerecht –Von ddp.djn-Korrespondentin Katja Fischer–

Köln/Berlin (ddp.djn). 93 Prozent der älteren Menschen leben in ihrer eigenen Wohnung. Alten- und Pflegeheime, Betreutes Wohnen und gemeinschaftliche Wohnformen sind die Ausnahme. Die meisten Senioren bleiben auch dann noch in normalen Wohnungen, wenn sie auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Von den rund 1,7 Millionen Pflegebedürftigen über 65 Jahren werden nach der aktuellen Pflegestatistik etwa zwei Drittel zu Hause versorgt, so das Kuratorium Deutsche Altershilfe.

Doch viele der von Älteren genutzten Wohnungen entsprechen nicht den besonderen Anforderungen in diesem Lebensabschnitt. Stufen und Schwellen müssen überwunden werden. Die Sanitäranlagen werden mit hohen Duschtassen oder Wanneneinstiegen zu Stolperfallen. Die Flächen im Bad und in den Fluren sind zu klein, um im Bedarfsfall mit dem Rollstuhl manövrieren zu können. Von etwa 40 Millionen Wohnungen in Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) lediglich etwa 350 000 seniorengerecht ausgestattet, ein Anteil von nur 0,85 Prozent.

Eigentümer von Immobilien haben es selbst in der Hand, ihr Haus für das Alter fit zu machen. Der Bauherren-Schutzbund empfiehlt allen Bauherren, schon in der Planungsphase an später zu denken und ein Haus fürs ganze Leben zu bauen. Denn es lassen sich erhebliche Kosten sparen, wenn eventuelle spätere Beeinträchtigungen und Behinderungen von vornherein einkalkuliert werden, so der BSB. Dabei kann das Haus durchaus jung und modern wirken. Es kommt nur darauf an, dass es sich im Bedarfsfall unkompliziert und preiswert umbauen lässt.

Das beginnt schon an der Gartentür. Auf allen Wegen zum Haus sollten Schwellen und Treppenstufen vermieden werden, vor allem am Hauseingang. Vor und hinter der Haustür muss viel Platz eingeplant werden. 1,50 mal 1,50 Meter Bewegungsfläche benötigen Rollstuhlfahrer zum Rangieren. Dieser Raum bewährt sich aber auch im Alltag junger Familien, die zum Beispiel Platz für Kinderwagen brauchen.

Wichtig für Rollstuhlfahrer sind auch breite Haustüren. Alle Türen im Haus sollten im Idealfall 90 Zentimeter breit ein. Wer nicht schon in jungen Jahren mit solch großzügigen Türbreiten wohnen möchte, kann sie zunächst mit einem entsprechend breiten Sturz versehen und dann auf ein kleineres Maß zumauern lassen. Die eine Steinreihe lässt sich später bei Bedarf leicht herausnehmen, rät Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbandes Privater Bauherren (VPB).

Wer barrierefrei baut, muss auf versetzte Ebenen verzichten. Auch einzelne Treppenstufen im Wohnbereich, wie sie gerne zur Überbrückung leichter Hanglagen eingeplant werden, sollten vermieden oder im Notfall durch Schrägen ersetzt werden.

Aber nicht nur Neubauten lassen sich barrierefrei gestalten, auch in Altbauten oder in Mietwohnungen ist eine Umstellung auf altersgerechte Nutzung möglich. Schon mit kleinen Maßnahmen lässt sich mehr Sicherheit und Bewegungsfreiheit erreichen, informiert das Kuratorium Deutsche Altenhilfe. So kosten Stützgriffe im WC zwischen 300 und 400 Euro und ein beidseitiger Handlauf um 700 Euro. Für behindertengerechte Türen können inklusive Einbau zwischen 800 und 900 Euro Kosten entstehen. Für die Montage eines unterfahrbaren Waschbeckens muss man mit etwa 800 Euro rechnen. Der Einbau von Rampen zur Überwindung von Stufen vor oder hinter einem Wohngebäude beläuft sich je nach Länge, Material und sonstigen Gegebenheiten auf Kosten zwischen 500 und 7500 Euro. Eine bodengleiche Dusche kostet einschließlich Einbau zwischen 3000 und 3500 Euro. Der Einbau eines Treppenliftes ist mit 6000 bis 20 000 Euro etwas kostspieliger.

Für die Finanzierung solcher Umbaumaßnahmen gibt es Hilfe. Bei Pflegebedürftigkeit zahlt die Pflegekasse bis zu 2557 Euro für bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes. Viele Bundesländer und Kommunen stellen darüber hinaus Fördermittel in Form von zinsgünstigen Darlehen oder Zuschüssen zur altersgerechten Umgestaltung des Wohnungsbestandes zur Verfügung.

ddp.djn/kaf/mwo

Beliebte Beiträge

Trinkwasser-Leitlinien sind verbindlich

Seit der im Jahr 2012 in Kraft getretenen Änderung der Trinkwasserverordnung gibt es verbindliche Regeln für die in den Leitungen verwendeten Materialien und Werkstoffe. Das...

Hausbesitzer sollten einen systematischen Frühjahrscheck vornehmen

Die Sonne bringt es an den Tag. Der lange und kalte Winter hat dem Haus arg zugesetzt. Darauf kann nicht nur eine grüne Algenschicht...

Liste erleichtert Suche nach dem günstigsten Heizungsableser

Die gemeinnützige Berliner Gesellschaft co2online informiert, dass deutsche Mieter 200 Millionen Euro jedes Jahr zu viel für den Service der Heizung Ablesefirmen zahlen. «Dass...

Vielfalt auch ohne grünen Daumen – Zahlreiche Zimmerpflanzen sind einfach zu pflegen

- von Michaela Kaebe und Dagmar Thiel - Blumen und Blattpflanzen erfreuen nicht nur im Garten, sondern auch in der Wohnung. Damit blühende und...

Nebenkostenabrechnung: Nicht alle Ausgaben für Reparaturen und Verwaltung auf Mieter umglegbar

Nicht alle Ausgaben für Reparaturen und Verwaltung dürfen als Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden «Jede zweite Mietnebenkosten-Abrechnung ist falsch» - mit dieser Meldung sorgten...

Styling für den Balkon

Nicht jeder hat einen eigenen Garten. «Umso häufiger genutzt wird dann in den Sommermonaten der eigene Balkon oder die Dachterrasse», sagt Michael Pommer, Trainer...

Baurecht: Baufirma muss Baustelle vor Witterungsschäden schützen

Nur in wenigen Bauverträgen ist detailliert geregelt, wer für Schäden eintritt, die durch schlechtes Wetter oder einen harten Winter verursacht wurden. Wird im Vertrag...

Hauseigentümer aufgepasst: Rechnungen müssen zwei Jahre lang aufbewahrt werden

Private Hausbesitzer müssen Rechnungen, Kontoauszüge und Überweisungsbelege, die im Zusammenhang mit ihrem Haus und Grundstück stehen, zwei Jahre lang aufheben. Darauf macht der Verband...