Baubiologen sind Schadstoffen auf der Spur – Ganzheitliches Denken für ein gesundes Wohnklima

Baubiologen

Baubiologen decken die Quellen möglicher Gesundheitsbelastung auf und schlagen Gegenmaßnahmen vor.

Schimmel, Formaldehyd, Asbest, Elektrosmog: Viele Stoffe in Haus und Wohnung können Menschen krank machen. Die Quellen möglicher Gesundheitsbelastung aufzudecken und Gegenmaßnahmen vorzuschlagen, ist die Aufgabe eines Baubiologen.

Wichtig sei dabei das ganzheitliche Denken, sagt Martin Virnich, Baubiologe aus Mönchengladbach: „Am Bau sind Fachleute aus vielen Bereichen zu Gange. Häufig sieht jeder nur seinen Bereich und beachtet die Auswirkungen an anderer Stelle nicht.“ Ein typisches Beispiel sei der Einbau gut wärmegedämmter Fenster in einen Altbau,der zu Schimmel führen könne.

Frank Mehlis, Vorsitzender des Verbandes Baubiologie in Bonn,nennt einen weiteren Unterschied zu Bausachverständigen: „Die kümmern sich um das Gebäude, Baubiologen um die Menschen, die darin leben.“ Störfaktoren für die menschliche Gesundheit gebe es dabei auf drei Feldern:

  • Chemische, also Umweltgifte aller Art,
  • mikrobiologische – vor allem Schimmel, aber auch Schwämme oder Milben – und
  • physikalische, beispielsweise elektromagnetische Wellen und Felder („Elektrosmog“), Radioaktivität oder hörbarer und unhörbarer Lärm

Aufgedeckt würden die Störfelder mit moderner Messtechnik mit Standards und festen Richtwerten, erklärt Mehlis: „Es gibt zwar auch Wünschelrutengänger, die sich Baubiologen nennen,da der Begriff nicht geschützt ist, aber die Baubiologen in unserem Verband arbeiten nach wissenschaftlichen Methoden und liefern reproduzierbare Messwerte.

Baubiologen finden „Krankmacher“ in Haus und Wohnung

Beauftragt werden Baubiologen von Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen. „Privatleute kommen aus zwei Motiven zu uns: Entweder sie möchten vorbeugen, zum Beispiel beim Hauskauf oder auch wenn ein Kind unterwegs ist, oder sie sind krank und vermuten, dass etwas im Haus dahinter steckt“, erläutert Virnich. Die Palette der Beschwerden, die Menschen zu ihm führe, reiche von Allergien über erhöhte Infektanfälligkeit, Ausschlag und Dauerhusten bis hin zu Depressionen. „Geht es einem anderswo prima und die Beschwerden tauchen wieder auf, wenn man nach Hause kommt, kann das ein Hinweis darauf sein, dass im häuslichen Umfeld etwas nicht stimmt.“

Auch Ärzte, vor allem Umweltmediziner, arbeiteten eng mit Baubiologen zusammen, erklärt Mehlis: „Die können Schadstoffe wie Schimmelpilze, Lindan oder PCP im Blut nachweisen. Daraufhin suchen wir dann das Wohnumfeld gezielt ab, da werden wir oft fündig.“ Umgekehrt empfiehlt Mehlis auch seinen Kunden den Besuch bei einem Umweltmediziner, wenn er Schadstoffe in der Wohnung entdeckt.

Ist der krank machende Stoff oder Belastungsfaktor entdeckt, muss er beseitigt werden. Dafür gibt der Baubiologe Sanierungsempfehlungen. „Bei Schimmel ist häufig ein Mangel am Gebäude verantwortlich“, weiß Virnich. Reines Fehlverhalten der Bewohner sei fast nie der alleinige Grund: „Man muss sich schon sehr anstrengen, um nur durch falsches Lüften Schimmel ins Haus zu bekommen, wenn das Gebäude nicht dafür anfällig ist.“Wahrscheinlicher sei eine Kombination: Ein baulicher Mangel am Haus liege vor, der aber erst in Kombination mit einem bestimmten Nutzerverhalten zu Schimmel führe.

Abschirmungen gegen elektromagnetische Wellen

sendemast elektromganetische Wellen

Mobilfunk-Sendemast: Gegen hochfrequente elektromagnetische Wellen helfen einfache Maßnahmen, man verbaut Abschirmungen raten Baubiologen.

Gegen hochfrequente elektromagnetische Wellen, wie sie von Mobilfunk-Sendemasten ausgingen, gebe es oft recht einfache Abschirmungen. „Das haben wir uns nicht ausgedacht, abgeschirmte Konferenzräume gibt es an vielen Orten, das haben wir uns abgeguckt“, erklärt Mehlis.

Andere physikalische Probleme, Magnetfelder etwa oder gar Radioaktivität, seien dagegen hochproblematisch.

Die Kosten der Sanierungsmaßnahmen bleiben meist am Hausbesitzer hängen. „Wenn Sie das zweifelhafte Glück haben, dass Schimmel durch einen Wasserschaden entstanden ist, dann zahlt die Gebäudeversicherung.“

Erstveröffentlichung: Sep. 2010 dapd/Michaela Kaebe