Verbraucherschützer kritisieren geplantes Anlegerschutzgesetz

— Von Lisa Caspari — Verbraucherschützer kritisieren das geplanteneue Anlegerschutzgesetz der Bundesregierung als unzureichend. Esschaffe keine Einheitlichkeit in der Finanzberatung und wirke soVerbraucherinteressen entgegen, sagte der Vorsitzende desBundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, am Donnerstagin Berlin. So seien in dem Gesetzentwurf die Vorgaben für dengeplanten «Beipackzettel« für Finanzprodukte nicht streng genugformuliert. Es fehlten «klare Standards», sagte Billen.

Der Verbraucherschützer fürchtet, dass die «Beipackzettel» derverschiedenen Finanzinstitute unterschiedlich formuliert undaufgebaut und damit für Verbraucher nicht vergleichbar sein werden.Zudem sehe der Gesetzentwurf nicht vor, dass ein solchesProduktinformationsblatt direkt bei der Markteinführung verfügbarsein müsse, monierte Billen. Dies sei aber wichtig, damit sichVerbraucher schon vor einem ersten Gespräch mit dem Finanzberaterinformieren könnten.

Auch die Protokollierung von Verkaufsgesprächen müsse zudemdetaillierter geregelt werden, forderte Billen. Derzeit ließen dieProtokolle oftmals nicht erkennen, wie das Gespräch tatsächlichabgelaufen sei und stellten somit im Streitfall keine Hilfe dar.

Billen habe einen Brief an Bundesverbraucherschutzministerin IlseAigner (CSU) geschrieben, in dem er seine Bedenken darlege. Er hoffe,dass der Gesetzentwurf vom Verbraucherschutz- und Finanzministeriumnochmals überdacht werde. Deutschlands oberster Verbraucherschützerkritisierte zudem, die Bankenlobby beeinflusse weiterhin dieGesetzgebung und »verwässere« oftmals dringend notwendigeRegulierungen für den Anlegerschutz.

Drei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothersherrschten in der Anlageberatung nach wie vor «Zustände wie im WildenWesten», sagte Billen. Die Bürger würden nach wie vor nurunzureichend über Risiken und Kosten von Finanzanlagen informiert.Zudem seien «aggressive Vertriebsmethoden» der Berater weiter an derTagesordnung, weil viele auf Provision arbeiteten. »Finanzberatungdarf aber keine Lotterie sein«, betonte der Verbraucherschützer.

Die Verbraucherzentrale unterstützt derzeit ein Forschungsprojektder Universität Mannheim, bei dem sich Bürger online anschaulich überdie Chancen und Risiken verschiedener Anlageoptionen informierenkönnen. Das interaktive Programm errechnet auf Grundlage vonFinanzmarktdaten der vergangenen 36 Jahre mögliche Gewinne undVerluste einer Option und veranschaulicht diese visuell. Mit Grafikenkönnten Verbraucher die Risiken und Chancen verschiedenerAnlageformen dann direkt erleben, sagte der für das Projektzuständige Professor für Bankbetriebslehre, Martin Weber: «Das istfür sie anschaulicher als trockene Risikotabellen.»

(Das Programm ist einzusehen unter behavioral-finance.de/risikound dort kostenlos nutzbar)

ddp.djn/lca/rab