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Beliebte Frühlingsboten – Wie Tulpen die Finanzmärkte eroberten – Vor 400 Jahren verspekulierten sich Anleger mit Blumenzwiebeln

tulpenDüsseldorf/Köln (ddp). Sie zählen zu den farbenprächtigsten Frühlingsblühern und fehlen in kaum einem Garten: Tulpen bereichern Beete und Blumentöpfe mit einer unerschöpflichen Farben- und Formenvielfalt. Die botanisch Tulipa genannten Pflanzen gehören zur Familie der Liliengewächse und sind als Garten- und Schnittblumen beliebt.

Ursprüngliches Heimatland der Tulpe ist Persien, im 16. Jahrhundert fand die Blume den Weg über Gärten in Wien und Augsburg nach Holland – und eroberte dort sogar die Finanzmärkte. 1593 pflanzte ein Botaniker in Leiden die ersten mitgebrachten Zwiebeln der exotischen Pflanze. Die Niederländer waren fasziniert. Tulpen wurden schnell zu einem Statussymbol und wohlhabende Bürger waren bereit, viel Geld für die Zwiebeln auszugeben. «Innerhalb kurzer Zeit entstanden zahlreiche neue Sorten mit unterschiedlichsten Blütenfarben und -formen, für die immer höhere Beträge gezahlt wurden», sagt Anke Bührmann vom Informationsbüro für Zwiebelblumen in Düsseldorf.

Die Begeisterung für die noch neue und unbekannte Blume war so groß, dass mit den Zwiebeln sogar spekuliert wurde und einzelne Exemplare für unglaubliche Summen an den Tulpenbörsen ihren Besitzer wechselten. «Von 1610 bis 1637 entstand in den Niederlanden ein lebhafter Handel mit Tulpen», sagt Alexandra Klaus, Pressereferentin des niederländischen Tourismusbüros in Köln. Eine Tulpenzwiebel der Sorte «Semper Augustus» kostete im Jahr 1624 bereits 1200 Niederländische Gulden. 1633 waren es 5000 Gulden und im Jahr 1637 zahlte man für drei Zwiebeln sogar 30 000 Gulden. «Zum Vergleich: Ein Grachtenhaus in Amsterdam kostete zur selben Zeit 10 000 Gulden», so Klaus.

Doch 1637 brach der Tulpenzwiebelmarkt über Nacht zusammen, denn das Angebot war plötzlich viel größer als die Nachfrage. Viele Menschen verloren daraufhin ihr gesamtes Vermögen. «Danach gab es in den Niederlanden nie wieder solche Spekulationsgeschäfte mit der Tulpe und zum Glück sind die Blumenzwiebeln heute preiswerter», erklärt Alexandra Klaus.

Aus dem 17. Jahrhundert ist folgende kulinarische Geschichte rund um die Tulpe überliefert: Ein Kaufmann bekam zu dieser Zeit von einem Händler im Orient ein Säckchen Tulpen geschenkt. Der unwissende Kaufmann wusste mit dem kostbaren Geschenk nichts anzufangen und ließ sich die Blumenzwiebeln von seinen Bediensteten als Abendessen
zubereiten. «Über den Geschmack ist nichts überliefert, doch wenn man den damaligen Wert der Zutaten berücksichtigt, dürfte die Gemüsespeise umgerechnet mehrere Millionen Euro gekostet haben», sagt Alexandra Klaus.

Beliebt sind Tulpen heute vor allem wegen ihrer überwältigenden Farbenfülle. Das Spektrum reicht von reinem Schneeweiß über die unterschiedlichsten Gelb-, Orange- und Rosatöne bis hin zu tiefstem Rot. Die Frühlingsboten haben viele Gesichter. «Einige wirken mit ihren klaren Linien wie Designerstücke, es gibt aber auch Tulpen mit
gefransten oder tiefgeschlitzten Blättern wie die Papageientulpen», sagt Anke Bührmann. Ungewöhnlich sind auch die Lilienblütigen Tulpen mit ihren spitzen, elegant nach außen gebogen Blütenblättern. Manche Tulpen riechen besonders gut: Schöne Sorten mit Duft sind zum Beispiel «Ad Rem» (rot mit gelbem Rand), «Ballerina» (orange) und
«Monte Carlo» (gelb).

Tulpen verändern ihr Gesicht von Tag zu Tag und entwickeln in der Vase ein faszinierendes Eigenleben: Langsam öffnen sich die Blütenknospen immer weiter, bis der Blick auf den anfangs im Innern verborgenen Stempel und die Staubgefäße freigegeben ist. Eine weitere Besonderheit: «Tulpen wachsen in der Vase noch mehrere Zentimeter
weiter. Dadurch werden die Stängel immer biegsamer und winden sich malerisch in alle Richtungen», erklärt Anke Bührmann. Das Wuchsverhalten lässt sich gut durch die Form der Vase beeinflussen: In hohen, schlanken Gefäßen bleiben die Stiele gerade. Wer die Veränderungen dagegen ganz bewusst genießen möchte, wählt am besten niedrige Kugelvasen.

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