Das Geschäft mit der Wespenangst brummt

Das Geschäft mit der Wespenangst brummt

Düsseldorf (ddp). Die giftigen kleinen Biester können eine wahre Plage sein. Schon die Begegnung mit einer einzigen Wespe ist für die meisten Menschen sehr unangenehm. Wenn Hausbesitzer aber einen ganzen Schwarm im Rollladenkasten oder in der Garage, im Dachstuhl oder unter den Terrassendielen entdecken, kommt schnell Panik auf. «Dabei ist genau in dieser Situation ein kühler Kopf gefragt», sagt Waren- und Dienstleistungstester Georg Trüba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. In der Regel muss eine Fachkraft her. Doch wer in seiner Not den erstbesten Kammerjäger ruft, zahlt nach Trübas Angaben für die Entfernung des Nestes mitunter einen viel zu hohen Preis. Das hat ein Test der Verbraucherzentrale an Rhein und Ruhr ergeben.

Gerade in diesem Sommer ist die Wespenplage laut Trübas Umfrage besonders schlimm. Bis zu zehnmal am Tag rücken viele Schädlingsbekämpfer derzeit zu Wespennestern aus. Im Schnitt fahren sie dreimal so viele Einsätze wie im letzten Jahr. Das Geschäft mit der Wespen-Angst brummt. «Meistens ist der Chef selbst unterwegs», beschreibt Verbraucherberater Trüba. Denn organisiert sei die Branche überwiegend in Klein- und Kleinstbetrieben: «Gern schmücken sie sich mit martialischen Namen wie Pest Guard, Unikill oder Top-Tox, andere bevorzugen dagegen den Firmenzusatz biologisch oder umweltfreundlich.»

Beim Test der Verbraucherzentrale zeigte sich: Wie bei anderen Dienstleistungen empfiehlt sich ein Preisvergleich. So verlangte ein Kammerjäger im Rheinland für die Beseitigung eines einzelnen Wespennests stolze 144,80 Euro. Ein Kollege im Ruhrgebiet wollte sich mit 59,50 Euro begnügen – Anfahrt inklusive. «Ein frisch entdecktes Wespennest hat sich in der Regel im Lauf von Tagen oder Wochen gebildet. Auf eine halbe Stunde mehr oder weniger kommt es dann doch meist nicht mehr an», sagt Georg Trüba und empfiehlt dringend, telefonisch mehrere Preisangebote einzuholen. Wer mehr als ein Nest auf seinem Anwesen entdeckt, darf übrigens auf ordentliche Nachlässe beim Stückpreis hoffen. Zwischen 119,25 und 244 Euro schwankte bei seinen Anfragen der Gesamtpreis für die Beseitigung von drei Nestern. Ärgerlich nennt Trüba auch, dass die Wespenbekämpfer am Telefon bis auf zwei Ausnahmen mit Nettopreisen hantierten: «Den Endpreis samt Mehrwertsteuer, wie laut Preisangabenverordnung vorgeschrieben, erfuhren die Anrufer erst auf Nachfrage.»

Kundenfreundlich dagegen zeigten sich die meisten Firmen bei der Einsatzbereitschaft und versprachen, am selben Tag, spätestens aber am nächsten Tag anzurücken. Nur wenige nannten einen Termin in zwei oder sogar erst in drei Tagen. Dabei wollten sie Insektizide (abtötende Pulver) sowie Bauschäume und Silikon zum Verschließen der Öffnungen von schwer zugänglichen Nestern mitbringen. Beides hat nach Worten des Testers aber Nachteile: «Tiere, denen der Zugang zum Nest verwehrt wird, können ausgesprochen aggressiv reagieren. Der Einsatz von Insektiziden wiederum setzt die Bewohner kurzzeitig den laut Schädlingsbekämpfern harmlosen Giftstoffen aus.» Ein Restrisiko, besonders für Allergiker, sei aber nicht auszuschließen. Hinzu kommt laut Trüba, dass das durch massiven Gifteinsatz abgetötete Nest danach einfach verrottet: «Da gammeln dann bis zu zwei Kilo Wespenmasse vor sich hin, und irgendwann riecht es sehr unangenehm.»

Eine Umsiedlung der Wespennester ziehen nach seiner Erfahrung aber nur die wenigsten Kammerjäger in Betracht, und dann zu gesalzenen Preisen zwischen 180 bis 250 Euro pro Nest. Dabei sehen vor allem Naturschutzverbände die Umsiedlung als wesentlichen Beitrag zum Artenschutz. Das Überleben der Tiere sollte nach ihrer Maßgabe im Vordergrund stehen. «Viele Verbände und ihre Ortsvereine beraten und helfen bei der Umsetzung», beschreibt Georg Trüba. «Abgerechnet wird dabei in der Regel nach Aufwand, bei leicht zugänglichen Nestern schon mal für weniger als 100 Euro. Bisweilen betätigen sich auch ehrenamtliche Kräfte gegen eine Spende als Umsiedler.» In einem Punkt seien sich Naturschützer und Kammerjäger aber einig: Keinesfalls sollten Hausbesitzer und Mieter selbst zum Gift greifen. Gefahr drohe aufgrund unzureichender Schutzkleidung und durch leichtfertige Handhabung der Produkte aus dem Baumarkt. Wenig Erfolg hat ein Anruf bei der Feuerwehr. Die rückt in der Regel nur aus, wenn sich Wespen als konkrete Gefahr erweisen: etwa wenn sie sich unmittelbar neben einem Kindergarten oder im Eingangsbereich von Schulen angesiedelt haben.

Was viele nicht für möglich halten: Wespen stehen oftmals unter Naturschutz. Von acht heimischen Arten dürfen laut Naturschutzgesetz lediglich zwei ohne Genehmigung der Behörden von Haus und Terrasse entfernt werden: die deutsche und die gemeine Wespe. Bei allen anderen Wespenarten, wie auch bei Hornissen, braucht es eine Ausnahmegenehmigung. «Allerdings sind die deutsche und die gemeine Wespe die häufigsten und auch die aggressivsten Arten», erläutert Trüba. «Sie bilden außerdem die größten Völker mit manchmal mehr als 1000 Tieren.» Der Verbraucherschützer weiß sogar von eingefleischten Naturschützern, die an ehemaligen Nestplätzen in Haus und Garten kleinere Wespenvölker weniger aggressiver Arten gezielt ansiedeln und so verhindern, dass die lästigeren Artgenossen wiederkommen.

Wer ein Haus oder eine Wohnung gemietet hat, ist auf der glücklichen Seite: Laut Rechtsprechung hat in der Regel der Vermieter die Kosten für die Beseitigung eines Wespennests zu tragen. «Der darf die Kosten auch nicht auf die Nebenkosten umlegen», sagt Dietmar Wall, Jurist beim Deutschen Mieterbund in Berlin. Der Mieter müsse seine Hausverwaltung allerdings informieren. Nur in Ausnahmefällen, bei Gefahr in Verzug und wenn der Vermieter nicht sofort erreichbar sei, dürfe der Mieter den Kammerjäger hingegen selbst bestellen.

(ddp)