Schwitzen und Dampfbaden zu Hause

Schwitzen und Dampfbaden zu Hause

Wiesbaden (ddp). Die Bundesbürger mögen es heißer denn je. Laut Branchenumfragen gehen rund 30 Millionen Erwachsene relativ regelmäßig in die Sauna. Und die Zahl der privaten Saunaeinbauten hat nach einer aktuellen Burda-Studie die Millionengrenze längst überschritten. «Der Wellness-Boom hat aber auch seine Kehrseite», sagt Axel Diedenhofen, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Saunabau und Dampfbad in Wiesbaden. So gebe es auf dem Saunamarkt eine schon recht unübersichtliche Anzahl von Produkten und Anbietern. Daher sei der Unterschied zwischen Qualität und Billigware nicht immer leicht zu erkennen. «Eine verlässliche Orientierung bietet das RAL-Zeichen, das die Gütegemeinschaft Saunabau seit mehr als 20 Jahren verleiht», sagt Diedenhofen. Die Qualitätskriterien des Siegels stellten hohe Anforderungen an Konstruktion, Herstellung, Bauausführung und Funktion der Sauna.

Längst ist aus der spartanischen Schwitzkabine im Keller ein durchdachter Wellness-Tempel mit vielfältigen Funktionen geworden. Kombinationskabinen ermöglichen neben dem klassisch heißen Saunagang auch ein entspannendes Warmluft-, Softdampf-, Kräuter- oder tropisches Bad. Eine automatische Klimaregelung lässt den Saunafreund zwischen hohen Temperaturen bei niedriger Luftfeuchte und niedrigen Temperaturen bei hoher Luftfeuchte wählen. Auch die Integration von belebenden Sauerstoffsystemen findet immer mehr Liebhaber. Akustische und optische Reizimpulse unterstützen den Saunagenuss. So taucht Farblicht die Saunakabine in wechselnde Spektralfarben, Kristalle auf dem Saunaofen dienen als Blickfang, rustikale Saunaöfen schaffen Lagerfeuer-Atmosphäre, und auch sphärische Klänge von rauschenden Bächen oder Vogelgezwitscher sind nicht unüblich.

«Multifunktionale Sauna-Ausstattung liegt im Trend», sagt Experte Diedenhofen. Auch das Keller-Dasein der Sauna hat schon vielfach ein Ende. Sie avanciert zum modernen Wohnobjekt, das stilvoll integriert werden kann. «Schon zweimal zwei Meter freie Fläche genügen für eine Sauna, die bis zu vier Personen Platz bietet», sagt Axel Diedenhofen. «Dabei spielt es keine Rolle, ob der Saunaliebhaber im ehemaligen Kinderzimmer, unterm Dach, im Badezimmer oder im Schlafwohnraum relaxen möchte.»

Solide Basis für den Saunaeinbau sei ein trockener Raum mit gefliestem Boden. Idealerweise ist ein Balkon, eine Terrasse oder ein Fenster in der Nähe, denn Frischluft ist ein wichtiger Erholungsfaktor beim Saunabaden. Befindet sich dann noch eine Dusche in der Nähe, ist der Platz für die Sauna perfekt. Die beim Bau verwendete Holzsorte sollte nach Diedenhofens Worten entweder die traditionelle skandinavische Fichte oder die kanadische Hemlock-Tanne sein. «Ihr Holz ist feinjährig gewachsen, astarm und verzieht sich selbst unter extremsten Bedingungen nicht», sagt der Fachmann. Außerdem gebe es die Wärme gleichmäßig an den Saunaraum ab. Darüber hinaus sei Hemlock-Holz nahezu harzfrei und besitze nur wenige Inhaltsstoffe – womit eventuellen Allergiegefahren vorgebeugt sei. Generell sollte bei der Verarbeitung der Hölzer im Innenraum ausschließlich Naturholz ohne Oberflächenbehandlung zum Einsatz kommen.

«Ob Sie sich für eine Sauna in Element- oder in Massivholzbauweise entscheiden, ist dagegen Geschmackssache», sagt Axel Diedenhofen. Die eher lifestylische Elementsauna wird aus einzelnen Bauteilen zusammengesetzt, die einen mehrschaligen Aufbau haben. Die Innenseite bilden meist um die 15 Millimeter starke Profilhölzer. Bei der urtümlich finnischen Massivholzsauna dagegen bestehen die Saunawände aus massiven Blockbohlen. «Beide Systeme sind heute in Grundriss und Form flexibel», sagt der Fachmann. Dachschrägen, Ecken, Nischen und Fenster können jederzeit eingearbeitet werden.

«Trotz Temperaturen von mehr als 100 Grad an der Saunadecke darf eine unkontrollierte Überhitzung der Kabine nicht möglich sein», fordert der Güteverband-Geschäftsführer. Verhindert wird dies über zwei voneinander getrennte Schaltkreise. Der erste steuert ausschließlich die Saunatemperatur. Der zweite Schaltkreis mit einem Sicherheitsbegrenzer beugt einer Überhitzung vor, indem sich bei Erreichen der Höchstgrenze von 140 Grad unter der Decke die gesamte Stromzufuhr abschaltet. Auch vom glutheißen Saunaofen darf laut Diedenhofen keine Gefahr ausgehen. Frei aufgestellte Öfen müssten durch ein Schutzgitter abgeschirmt werden, die seitliche Abstrahltemperatur dürfe nicht höher als die Raumtemperatur in der Kabine sein. «Als Alternative zum freistehenden Ofen haben sich Hinterwand- oder Unterbank-Heizsysteme bewährt», rät der Experte.

Idealerweise wird der Saunaofen mit sogenanntem Ur- oder Granitgestein befüllt, das auch mit einer hohen Temperaturleistung beim Aufguss nicht brechen kann. Ein spezielles Lüftungssystem sollte stets für frische, sauerstoffreiche Luft sorgen. Für die Größe des Ofens gilt laut Diedenhofen als Faustregel: Pro Kubikmeter Saunainnenraum wird ein Kilowatt Ofenleistung benötigt. Bereits ab 3 Kilowatt ist eine Drehstromzuleitung von 400 Volt erforderlich, was in den meisten deutschen Haushalten gewährleistet ist.

(ddp)