Richtig heizen im Winter – aber wie?

Heizkörper

Links: Der Design-Heizkörper Zehnder Nova Neo wurde mit dem Plus X Award in seiner Produktgruppe von der Jury mit der Auszeichnung „Bestes Produkt des Jahres 2012“ geehrt. Rechts: Quaro – Design-Heizkörper für das Badezimmer – Bilder: Zehnder Group Deutschland GmbH

Deutschland steckt mit 10 Millionen veralteten Heizkesseln im Modernisierungsstau, so die Initiative Erdgas pro Umwelt, der Verband Heizgeräte herstellender Unternehmen und Handwerkfachbetriebe. Mit einer effi zienten und regelmäßig gewarteten Anlage sowie dem richtigen Heizverhalten können Verbraucher ihre Heizkosten deutlich reduzieren und damit zugleich die Umwelt schonen. Die Auflösung dieses Staus birgt nicht nur für den Heizungsmarkt, sondern auch für die Umwelt ein enormes Potenzial.

Richtig heizen: Heizkörper entlüften

Die erste Möglichkeit zum Energiesparen und effizienten Heizen bietet sich direkt nach der Inbetriebnahme der Heizung zur Wintersaison. Geben die Heizkörper gluckernde Geräusche von sich oder werden nicht richtig warm, hat sich gegebenenfalls Luft in den Heizungsrohren angesammelt. Die Heizkörper sollten dann entlüftet werden, eine einfache Tätigkeit, die wirklich von jedem leicht durchzuführen ist. Temperaturschwankungen vermeiden und richtige Zieltemperatur einstellen. Große Temperaturschwankungen sollten vermieden werden, denn einmal aufgewärmte Räume sollten möglichst nicht mehr vollständig auskühlen. Das erneute Aufheizen benötigt in vielen Fällen nämlich ungleich mehr Energie als durch das starke Herabsenken eingespart werden kann.

Richtig Heizen: Temperatur richtig einstellen!

Das größte Einsparpotential liegt aber mit Sicherheit in der eingestellten Temperatur. Viele Menschen überheizen im Winter die eigenen vier Wände. Bereits eine Absenkung der Raumtemperatur um drei Grad Celsius spart rund 18 Prozent Heizkosten. Und das, ohne zu frieren.  Im Wohnzimmer sind 20 Grad ”komfortabel, 23 Grad wären zuviel “Im Wohnzimmer sind 20 Grad komfortabel, 23 Grad wären zu viel”, so Claudia Rist vom Landesprogramm Zukunft Altbau in Baden-Württemberg.

In Flur und Schlafzimmer reichen 16 Grad. Bad und Küche sollten etwas wärmer sein. In der Küche liefern aber Herd und Kühlschrankabwärme schon einen guten Teil der Heizwärme, so daß unter Umständen weniger heizen sinnvoll ist.

Thermostate liefern hier zuverlässige Arbeit und entgegen der landläufi gen Vorgehensweise ist ein Hochdrehen auf die höchste Stufe eines Heizkörperreglers zum schnellen Erwärmen gar nicht notwendig. Ein auf Zieltemperatur, bzw. auf Zielstufe eingestelltes Thermostat wird den Wärmefl uss dergestalt regulieren, das diese schnellstmöglich erreicht und anschließend gehalten wird.

Jeden Raum individuell seiner Nutzung entsprechend zu beheizen – so geht richtig heizen!

Als sekundäre Erwärmungsquellen helfen tagsüber bei Sonnenschein offene Rollläden und große Fensterflächen mit Südausrichtung um die Räumlichkeiten zu erwärmen. Nach Einbruch der Dunkelheit sollten die Rollläden allerdings geschlossen werden. Dies reduziert die Wärmeverluste. 30 Minuten vor dem Zubettgehen kann an der Heizungsregelung eine automatische Nachtabsenkung auf etwa 15 Grad eingestellt werden, rät Rist. Die Heizkostenersparnis in der Nacht summiert sich dann auf bis zu 25 Prozent. Die Temperatur sollte aber nirgends unter 15 Grad fallen, sonst drohen unter Umständen Kondensbildung und Schimmel.‘

Prinzipiell gilt also, jeden Raum individuell seiner Nutzung entsprechend zu beheizen, das Schlafzimmer etwas weniger, das Wohnzimmer etwas mehr. Es sollte im Übrigen nicht versucht werden, das Schlafzimmer über das Wohnzimmer mitzuheizen. Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann, führt das dazu, dass die feuchtwarme Luft aus dem Wohnzimmer im Schlafzimmer abkühlt, und sich die Feuchtigkeit dort niederschlägt.

Richtig Lüften: Dreimal täglich drei Minuten Stoßlüften ist wesentlich energiesparender als ständiges Ankippen der Fenster

Zum Lüften der Räumlichkeiten gilt: nur stoßweise und bei abgedrehter Heizung. Generell sollte bei ungenutzten Zimmern leicht geheizt und regelmäßig gelüftet werden, damit sich keine Feuchtigkeit sammeln kann und Schimmel vermieden wird. Heizkörper dürfen zudem nicht zugestellt werden. Stehen zum Beispiel Möbelstücke davor, ist im Raum keine optimale Luftzirkulation möglich. Als Mindestabstand 20 Zentimeter eingehalten werden, um Wärmestau zu vermeiden.

Mietsache: Heizung darf nicht abgestellt werden

Für Mieter stellt sich die Frage nach dem Abstellen der Heizung übrigens nicht: Sie sind verpflichtet, ihre Wohnung zumindest leicht zu beheizen, um Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen. In ungeheizten oder zu wenig erwärmten Wohnungen kondensiert die Luftfeuchtigkeit an den kalten Wänden und es besteht Schimmelgefahr.
Der Vermieter hat das Recht, den Mietvertrag in diesem Fall wegen “nicht unerheblichen Pflichtverletzung”  fristgemäß zu kündigen, urteilte das Landgericht Hagen (AZ: 10 S 163/07). Alle Bemühungen der Bewohner zur Kostensenkung bewirken jedoch nicht viel, wenn die Heiztechnik nicht entsprechend gewartet oder modernisiert wird. Fällt die  Heizkostenabrechnung trotz aller Sparmaßnahmen immer noch viel zu hoch aus, empfiehlt der deutsche Mieterbund einen Blick in seinen Betriebskostenspiegel. Dieser zeigt, ob sich die individuellen Kosten des Mieter oder Eigentümers im Durchschnitt bewegen.

Gerade aktuell lohnt auch der Vergleich alternativer Energielieferanten

Auch der Wechsel des Energielieferanten ist bedenkenswert. Der Bundesgerichtshof urteilte, daß Vermieter gehalten sind, bei der Auswahl ihrer Energielieferanten auf ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu achten. Sie seien grundsätzlich verpfl ichtet, bei der Wärmeversorgung einen günstigen Anbieter zu wählen (AZ: VIII ZR 243/06). Dieses Gebot der Rücksichtnahme auf die Interessen des Mieters sei eine vertragliche Nebenpflicht des Vermieters, so die Richter. Allerdings müsse dieser nicht ständig den Markt überwachen und brauche langjährige Vertragsbeziehungen nicht aufzugeben, um kurzfristig zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Auch die Energieexperten des Bundesverbandes der  Verbraucherzentralen raten an, sich aktiv nach einem günstigeren Lieferanten für Strom und Gas umzusehen, viele Energielieferanten nutzen die Erhöhung der Preise gemäß EEG-Umlage zum ersten Januar für versteckte Preiserhöhungen.  Preistreiber der steigenden EEG-Umlage seien laut Verbraucherschützern die Förderung von Sonnenenergie und Windenergie, die Umlagen für die Befreiung der Industrie von Netzentgelten und die Haftungsregelung für Windanlagen auf hoher See.

Besitzer von Nachtstromspeicherheizungen aufgepasst: Nach Marktstudien mehrerer Verbraucherportale werden zum Jahreswechsel mehr als 500 Energieversorger ihre Strompreise erhöhen, durchschnittlich um rund zwölf Prozent. Nach Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher bedeute dies für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden zusätzliche Kosten in Höhe von circa 140 Euro jährlich.

Zahlreiche Vergleichsportale, wie beispielsweise der Heidelberger Anbieter verivox.de bieten schnell und einfach Transparenz über die verschiedenen Anbieter von Strom und Gas.